STARLIGHT UNION

Der phantastische
Bücherbrief


September 2017 unabhängig kostenlos Ausgabe 648

Jerry Eugene Pournelle


war ein US-amerikanischer SF-Autor. Er wurde am 7. August 1933 in Shreveport, Louisiana geboren und verstarb am 8. September 2017 84jährig.
Er arbeitete unter anderem als Journalist. International bekannt wurde er als SF-Schriftsteller vor allem für die Romane, die in Zusammenarbeit mit Larry Niven entstanden. Weniger als SF-Schriftsteller, mehr als Computerexperte war er einem breiteren Publikum bekannt. Seit 1982 schrieb er eine Kolumne in der Fachzeitschrift Byte. Hier verarbeitete er seine persönlichen Erfahrungen mit PCs, Software und Vernetzung. Die Kolumne trug den Titel CHAOS MANOR: The User’s Column. Bis zur Einstellung der Zeitschrift im August 1998 war diese Kolumne äusserst populär.

Während des Koreakriegs (1950 bis 1953) diente Jerry Pournelle in der US Army als Artillerie-Offizier. In den späten 1950er Jahren arbeitete er in der Forschungsabteilung in den Flugzeugwerken Boeing. Er war an der Entwicklung für das theoretische Konzept Projekt Thor zuständig. Hier geht es prinzipiell darum, kinetische Massen aus einer Erdumlaufbahn auf Ziele auf der Erde fallen zu lassen. 1977 erschien er Roman LUZIFERS HAMMER, zusammen mit Larry Niven geschrieben, die diese Theorie aufnahm und zu einem Weltuntergangsszenario ausweitete. Jerry Pournelle absolvierte verschiedene Studiengänge an der University of Washington und promovierte 1964 zum Doktor der Philosophie in Psychologie und Politischen Wissenschaften. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er für die Aerospace Corporation und die North American Rockwell Space Division tätig, war Gründungspräsident des Pepperdine Research Institutes und1970 Berater der PELA (Professional Educators of Los Angeles).
In der Literatur schrieb er wenig selbst, sondern meist mit anderen Autoren zusammen. Mit Stefan T. Possony schrieb er zahlreiche militärisch-technische Fachpublikationen, mit Larry Niven seine bekanntesten SF-Romane und andere Autoren wie z. B. S. M. Stirling und Michael F. Flynn mehr.
2008 wurde bekannt, dass er an einem Hirntumor leidet, nach eigenen Angaben jedoch therapiert werden konnte.
Preise
• 1964: Bronze Medaille, American Security Council
• 1973: John W. Campbell Best New Writer Award
• 1992: Prometheus Award
• 2005: Robert A. Heinlein Award (zusammen mit Larry Niven)

Fiction trifft Realität

Zum zehnten Mal traf im Technik Museum Speyer Wirklichkeit auf Fiktion. Die Wirklichkeit war die Raumfahrthalle mit der imposanten Buran. Dem Weltraum-fahrzeug aus der UdSSR. Die Fiction waren hunderte kostümierter Menschen, die sich alle der Science Fiction, manchmal auch der Fantasy, verschrieben. Zahlreiche Fans der Serie Star Wars dominierten das Treffen. Darth Vader und seine 501 German Garrison standen Seite an Seite, um die Besucher willkommen zu heissen. Doch es waren nicht nur Kostümierte Star Wars Fans anwesend. Ganz klar fanden sich Star Trek und Star Gate Fans, Captain America und andere Marvel-Helden, Guardians of the Galaxy, Dr. Who, Steampunk, ein paar wenige Cosplayer, nur um erst einmal einige zu nennen.
Dieses Science Fiction Treffen ist aus dem Terminkalender des Museums mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Jährlich werden Anfang September die Fans der Phantastik erwartet, um sie im Rahmen mit der Technik des bestehenden Lebens aufeinandertreffen zu lassen. Jahr für Jahr werden es mehr Fans, die in passenden Kostümen erscheinen. In diesem Jahr zählte man fast 2.000 kostümierte Gäste.
Das diesjährige Treffen begann mit einer Opening Show, die Samstag und Sonntag (23.09. und 24.09.) von den 501 German Garrison in Zusammenarbeit mit dem Team Saberprojekt durchgeführt wurde. Die Gäste, die schon ab 9 Uhr darauf warteten, eingelassen zu werden, sahen einen Appell der Raumfahrer, den Darth Vader persönlich abnahm.
In der Kulisse von Europas größter Raumfahrtausstellung samt dem Space Shuttle BURAN, wurden die Museumsbesucher mit vielfältigen Angeboten begrüsst. Unter anderem mit einer Autogrammstunde von Filmschauspielern, fast direkt unter der alten BURAN, vor der nachgestellten Mondlandung. Schauspielerin Bai Ling, die bekannteste chinesische Schauspielerin in den USA war aktiv in STAR WARS EPISODE III, WILD WILD WEST, THE CROW und LOST. Hans-Georg Panczak ist die deutsche Stimme von Luke Skywalker. Dominik Auer, Synchronsprecher und Dialogbuchautor arbeitete in DER HOBBIT und GAMES OF THRONE. Aber es gab auch den jährlichen Klingonisch-Vortrag und diverse Vorführungen. Unter anderem waren dieses Jahr sehr viele Mitglieder des Teams da, die funktionstüchtige R2D2-Einheiten und deren robotische Kumpels vorstellten.
Info- und Händlerstände wie Alien Souveniers, mit einem sehr schönen passenden Namen, zum Thema Science Fiction wie etwa der Science Fiction Club Deutschland, Star Wars Fotopoints der German Garrison für Erinnerungsfotos, Vorführungen der beliebten Lichtschwert Showgruppe Saberproject. Vor der Halle konnten sich die Besucher mit den Akteuren ablichten lassen. Ein tolles Erinnerungsfoto. Gerade die Jugendlichen fanden es toll, im Posten der Warhammer-Akteure mit übergrossen Waffen und Ausrüstungsgegenständen Soldat zu spielen.
Kinder in Science Fiction Kostümen erhalten am Samstag, 23. September freien Eintritt und zahlen am Sonntag, 24. September einen ermäßigten Eintritt in das Technik MUSEUM SPEYER. Erwachsene in Science Fiction Kostümen erhalten an beiden Tagen eine Eintrittsermäßigung. Das Science Fiction Treffen ist im regulären Museumseintritt enthalten.
Wer sich für Science Fiction interessiert, ist dort gern gesehen. Denn man findet Gleichgesinnte und aus einem zufälligen Treffen wird bald ein freundschaftliches Fachsimpeln oder eine leidenschaftliche Diskussion.

Deutsche Phantastik

Dominik Schmeller Das Relikt der Fladrea Mantikore Verlag

Internationale Phantastik

Der Nekromant
M. R. Forbes Totennacht Mantikore Verlag
Larry Niven & Jerry Pournelle Extraterrestrial - Die Ankunft Mantikore Verlag
Nevernight
Jay Kristoff Die Prüfung Fischer-Tor Verlag
H. P. Lovecraft Die Literatur des Grauens Edition Phantasia
Blut an Eisen 1 Band
Steven Harper Weltenspalter Blanvalet Verlag
Holly Jennings Arena Knaur Verlag
Elemental Assassin 8 Band
Jennifer Estep Spinnenfalle Piper Verlag
Stella Gemmell Die Stadt des Unsterblichen Blanvalet Verlag
Ray Bradbury S is for Space Knaur Verlag

Krimi / Thriller

Veit Etzold Tränenbringer Knaur Verlag
Jutta Maria Herrmann Amnesia Knaur Verlag
Rachel Abbott Das stumme Mädchen Piper Verlag

Hörspiele

Andreas Winkelmann Der Gesang des Todes Argon Verlag


Deutsche Phantastik

Dominik Schmeller DAS RELIKT DER FLADREA
Titelbild: Biserka Begovic & Matthias Lück Zeichnung: Hauke Kock
Mantikore Verlag (08/2017) 489 Seiten 14,95 €
ISBN: 978-3-945493-54-0
www.mantikore-verlag.de

Ein magisches Relikt. Ein verschollenes Volk. Ein Mädchen, das seine Geschichte sucht. Die lebhafte Larima wurde als Säugling im Wald gefunden. Den einzigen Hinweis zu ihrer Herkunft findet sie auf einem Amulett mit seltsamen Symbolen. Als sie erfährt, dass sie verheiratet werden soll, reißt sie aus und versucht gemeinsam mit ihrem Ziehbruder dem Geheimnis um ihre eigene Geschichte auf die Spur zu kommen. Eine gefährliche Reise beginnt, denn dieses Geheimnis hat nicht nur für Larima einen hohen Wert… Das Relikt der Fladrea ist der erste Band der dreiteiligen Fladremin-Fantasy Reihe.
Der Säugling Larima wurde von Haron Evin, dem kinderlosen Herrscher, im Wald gefunden. Er nahm das hilflose Kind, das scheinbar niemand vermisste in seine Obhut und zog es mit seiner Frau wie ein eigenes Kind auf. Der einzige Hinweis zu ihrer Herkunft ist ein Amulett mit seltsamen Symbolen. Ihre seltsame Haarfarbe weist sie als eine Nachfahrin der Fladrea aus, jenem geheimnisvollem Volk, das vor vielen Jahren aus Hallinga verschwand. Auch sonst ist sie nicht so, wie andere Kinder ihres Alters. Als Larima gegen ihren Willen mit Ritter Bancrus von Eschenstab verheiratet werden soll, flieht sie mit ihrem Ziehbruder Semi. Die heimliche Flucht bleibt erst einmal unbemerkt und so können sie sich einen kleinen Vorsprung ausbauen. Larima, auf der Flucht vor der ungewollten Heirat, will mehr über ihr volk und einem magischen Relikt der Fladrea erfahren. Ausgerechnet Ritter Bancrus von Eschenstab scheint aber mehr über das geheimnisvolle Volk zu wissen.

Der Roman DAS RELIKT DER FLADREA überzeugt mit einer spannenden Handlung. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet, die Nebenfiguren glaubwürdig und das Land geheimnisvoll und neu. Larima und Semi stellen zwei gegensätzliche Charaktere dar die sich immer wieder kleinere Reibereien liefern, die sich dennoch gegenseitig mutig beistehen. Der jüngere Semi legt ein
Verhalten an den Tag, das immer noch an Kindsein erinnert, während die eher halbwüchsige (aus heutiger Sicht) Larima damit hadert, nicht zu wissen wohin sie gehört. Ist sie die letzte der Fladrea, gehört sie zu ihnen oder ist ihre Heimat, wie seit Jahren schon, die der Menschen?
Ganz anders sieht es beim Ritter Eschenstab aus. Ihm gelingt es sehr gut, die Menschen zu täuschen und sein wahres Ich zu verbergen.

Ein gelungener Auftakt mit spannender Handlung ist dieses Buch von Dominik Schmeller. Die relativ einfach gehaltenen Charaktere dominieren die Handlung, ohne sie zu verweichlichen. 

Internationale Phantastik

DER NEKROMANT
M. R. Forbes TOTENNACHT
Originaltitel: dead of night (2014) Übersetzung: Andrea Blendl
Titelbild: Jelena Begovic & Matthias Lück
Mantikore Verlag (08/2016) 425 Seiten 13,95 €
ISBN: 978-3-945493-82-3

Conor Night ist ein Nekromant, vielleicht der letzte und einzige Mensch mit der Gabe Tote zu erwecken und zu kontrollieren. Der amerikanische Titel ist einmal mehr das Spiel mit dem Namen der Hauptperson. Death of Night, kann Der Tod von (Conor) Night bedeuten, wie auch einfach nur Nacht der Toten oder in der deutschen Titelgebung Totennacht. Wie das nun zu verstehen ist, sollte man selbst erlesen.

Conor Night ist die Hauptperson, die von Beruf Chirurg ist. Ein angesehener Beruf, aber auch dieser hilft nichts, wenn man einen bösartigen Krebs diagnostiziert bekommt. Bösartiger Krebs bedeutet immer: Tod. Mal schneller, mal langsamer. Conor wollte seiner Familie nicht zur Last fallen, indem er irgendwo langsam dahin siecht. Daher verschwand er aus deren Leben, in der Hoffnung, irgendwo zu sterben und keinem zur Last zu Fallen. Der Abschied vom Leben klappte nicht. Statt dessen lernte er Die Söldnerin Danelle kennen. Sie übernahm kurzerhand die Fürsorge für ihn und nahm ihn in ihre Geschäfte auf. Seither sind sie Geschäftspartner. In dieser
Geschäftsbeziehung bringt er sich auf sehr seltsame Weise ein. Er stellte fest, dass er die Magie eines Nekromanten in sich hat und daher Tote auferstehen lassen kann. Allerdings sind die Toten weiterhin ihrem Verfall preisgegeben, so dass sie in einem Kühlschrank eine neue Heimat finden, bis sie wieder benötigt werden. Eine weitere Fähigkeit von Conir Night ist, mit seinem „Griff des Todes“ sein Opfer langsam, aber unausweichlich in das Reich des Todes zu befördern. Die Magie kostet ihn viel Kraft und nur ein Medikament kann helfen, das wiederum viel Geld kostet. In seiner Eigenschaft als Söldner und Eigentumsveränderer hat er bei einem Auftrag nicht recht aufgepasst und schon wird er zum Ziel diverser Gegner.

Zwei grosse Parallelen kann man suchen, muss man aber nicht. Da ist zum einen das SHADOWRUN-Setting, das man aber nicht so nennen sollte, damit man keine Probleme mit diesem Spieleuniversum bekommt. Die Menschheit hat sich in beiden Fällen nach einem grossen Ereignis verändert. Es entwickelten sich die ganzen aus der Literatur bekannten Fantasy-Wesen wie Zwerge, Orks und so weiter, die sich noch zivilisiert verhalten und wilde wie Werwölfe, die besser eingesperrt gehören.
Und natürlich die Menschen, und Wesen, die plötzlich alle Arten von Magie beherrschen. Der andere Punkt ist sicherlich die von Jim Butcher bekannte Figur Harry Dresden. Beiden zusammen ist der Ursprung Cyberpunk zu eigen. Und natürlich jede Menge Krimielemente.
Wer sich an das Buch heranwagt, wird von der Vielfalt der Ideen und der Figuren begeistert sein. Es bieten sich viele neue, manchmal nur andersartige Ideen, die sich dem Leser in einem ungewohnten Umfeld erschliessen. Dem Autor gelingt es, trotz der offensichtlichen Parallelen etwas an Unterhaltungsliteratur zu schaffen, an dem die unterschiedlichsten Genre-Liebhaber ihren Spass haben werden. Seine stimmigen Hintergründe, die Handlungsträger und Nebenpersonen, alles passt zusammen wie bei einem Puzzle. Nichts wirkt fremd, aufgesetzt oder unpassend. Bis auf das Ende. Das reinste Klischee. 

NEVERNIGHT
Jay Kristoff DIE PRÜFUNG
Originaltitel: Übersetzung: Kirsten Borchardt
Titelbild: Jason Chan Karten: Virginia Allyn
Verlag (24.08.2017) 699 Seiten 22,99 €
ISBN: 978-3-596-29757-3 (gebunden)
www.tor-online.de

Nevernight ist der erste Roman einer neuen Fantasy-Serie von Jay Kristoff.
Es ist eine Welt mit drei Sonnen, in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes, und mit einer jungen Frau im Mittelpunkt, die mit den Schatten sprechen kann.
Diese junge Frau ist Mia Corvere. Als junges Mädchen konnte sie nur knapp einigen mächtigen Männern entkommen. Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva liessen ihren Vater als Verräter hinrichten und ihre Mutter einkerkern. Mia entkam, weil der Antiquitätenhändler Mercurio sie bei sich aufnahm und ihr ein Leben unter falschen Namen ermöglichte. Er ist jedoch kein gewöhnlicher Antiquitätenhändler. Er bildet in der Itreyanischen Republik
Attentäter für einen Assassinenorden aus, bekannt unter dem Namen Rote Kirche. Und wenn schon Mercurio ein junges Mädchen in seiner Obhut hat, lässt er ihr die gleiche Ausbildung angedeihen. So wird Mia ebenso schnell zu einer jungen Frau, wie gefürchteten Attentäterin. Um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zum geheimen Versammlungsort der Roten Kirche machen. Auf dem Weg erfahren wir in Rückblenden, was sie alles erdulden musste, bis sie diesen letzten Gang antreten kann, und wie sie zu ihrer ungewöhnlichen Gabe kam. Nach und nach lernen wir so Mias Mitschüler und Lehrer kennen.

Eine unbekannte Erzählstimme entführt uns in eine komplex erschaffene Welt, in der uns Mia als Erzählpol und Mittelpunkt dient. Ein aussergewöhnlicher, wenn auch nicht einzigartiger Schreibstil paar sich mit einer gut durchdachten Geschichte. Mia Corvere ist eine Dunkelinn, in der Lage, die Schatten zu teilen und in Begleitung einer Nicht-Katze. Das ist schon einmal sehr ungewöhnlich und eine neue Idee. Daher in diesem Fall Danke an den Autor Jay Kristoff.
Sein Schreibstil ist teilweise verwirrend. Auf der einen Seite detailreich, mit einer Liebe zu Fußnoten. Dann wieder schreibt er brutal und blutig und beschönigt nichts. Mir selbst gefallen Fussnoten nicht in einem Roman. Einzige Ausnahme Jonathan Strouds BARTIMÄUS, weil sich seine gleichzeitig ablaufenden Gedanken auf mehreren Ebenen nicht anders darstellen liessen. Wenn man jetzt, wie hier bei Jay Kristoff, Fussnoten benötigt, ist etwas falsch im Erzählstil. Eindeutig Punktabzug. Ebenso für die dadurch entstehende Langatmigkeit, in die Länge gezogen, so dass es teilweise recht zäh zu lesen ist. 

H. P. Lovecraft DIE LITERATUR DES GRAUENS
Limitiert 774 / 1000
Originaltitel: supernatural horror in literature (1945)
Übersetzung: Joachim Körber
Titelbild und Zeichnung: Helmut Wenske, handsigniert
Edition Phantasia (1985) 126 Seiten ? DM
ISBN: 3-924959-01-3 (gebunden mit Schutzumschlag)

Kalju Kirde Vorwort der deutschen Ausgabe
August Derleth Einführung
Vorbemerkung
1. Die Ursprünge der Gruselgeschichte
2. Der frühe Schauerroman
3. Der Höhepunkt des romantischen Schauerromans
4. Das Ende der Schauerliteratur
5. Unheimliche Literatur auf dem Kontinent
6. Edgar Allan Poe
7. Die Tradition des Unheimlichen in Amerika
8. Die Tradition des Unheimlichen auf den Britischen Inseln
9. Die Zeitgenössischen Meister

Das Buch von Howard Phillip Lovecraft wurde 1927 zum ersten Mal veröffentlicht. Es gilt unter Literaturwissenschaftlern und Kennern der Phantastik als die bis heute beste kurz gefasste Einführung in die Geschichte der Phantastik. Insgesamt gesehen bietet dieser Band eine sehr gute Übersicht über die wichtigsten Vertreter der unheimlichen Literatur. Bedingt durch das Erscheinungsdatum bietet es eine Übersicht der Phantastik bis Ende der 1920er Jahre. Damit ist das Buch, inzwischen fast 100 Jahre alt, das Nachschlagewerk für den interessierten Leser, aber auch für Literatur-Historiker. Gleichzeitig ist das Werk doch süchtig machend. So ist man gewillt, bei Beginn der Lektüre, sich näher mit der Phantastik im Allgemeinen und den Autoren im Einzelnen, zu befassen.
Mit seiner meisterlichen Studie über die Geschichte der unheimlichen Literatur bewerkstelligt Lovecraft, selbst Autor, die Gratwanderung zwischen wissen-schaftlichem Anspruch und geistreicher Unterhaltung.
Es ist jedoch immer schwierig, Sekundärliteratur zu veröffentlichen. Das zeigte sich u.a. auch beim Magazin Zwielicht, das lange Zeit bei Saphir im Stahl erschien, aber viel zu wenig Leser binden konnte. So ist dieses vorliegende Buch eines der wenigen, die sich mir als Leser mit wissenswertem zeigt. Die kleine Auflage von 1.000 Exemplaren ist sicherlich ein gelungenes Werk in deutscher Übersetzung. Eine gekürzte Version erschien in den 1970er Jahren bei Ullstein. Danach soll eine weitere Ausgabe bei Golkonda erschienen sein, die ich jedoch nie gesehen habe. Letztlich ist der Band, der mir als Nr. 774 vorliegt ein Sammlerstück. Er wird wenig angeboten, das Interesse ist wohl nicht sehr groß oder diejenigen die im Besitzt sind, geben ihn nicht her. Für mich persönlich ein interessantes Nachschlagewerk, dass ich dieser Tage zufällig wieder in die Hände nahm. 

BLUT AN EISEN 1
Steven Harper WELTENSPALTER
Originaltitel: Iron Axe - Books of Blood and Iron 1 (2015) Übersetzung: Urban Hofstetter
Titelbild: Max Meinzold
Blanvalet Verlag (21.08. 2017) 478 Seiten 9,99 €
ISBN 978-3-7341-6100-1

Im Mittelpunkt der Erzählung steht der Halbtroll Danr, der seit dem Tod seiner Mutter als Leibeigener schuften muss, um die Schulden zu tilgen, die sie bei einem Bauern gemacht haben. Da er mit seiner Herkunft nicht zu den übrigen Menschen passt, tendieren seine Freundschaften gegen Null, die Schikanen jedoch gegen 100 Prozent. Nur die Sklavin Aisa zählt sich zu den Freunden. Nachdem Danr den Sohn des Fürsten niederschlug, weil Aisa als Hexe sterben sollte, flieht er und Aisa folgt ihm. Wir erleben also, wie sich Danr, durch das Leben schlägt. Nur selten wechselt die erzählperspektive zu Aisa, um von Ereignissen ohne Danr zu berichten. Danrs Weg führt zu den Stanen, dem Volk seines Vaters.

Der Roman Weltenspalter ist eine gelungene Mischung aus traditioneller Fantasy und Sagen. Motive aus beiden Genre werden gemixt und zu einem flott lesbaren Ganzen zusammengefügt. Ähnlich wie bei den Romanen von Christoph Hardebusch DIE TROLLE oder Stan Nicholls DIE ORKS sind nun die Stanen die positiven Charaktere, während die Menschen einem verblendeten Anführer folgen. So folgt der Leser dem Helden Danrs um ihn und seinem Auftrag Gesellschaft zu leisten. Um den Auftrag ausführen zu können benötigt er Unterstützung und so wird aus der Geschichte die übliche Abenteuererzählung einer Gruppe Gleichgesinnter, wie sie J. R. R. Tolkien im HERRN DER RINGE vortrefflich beschrieb, Terry Brooks mit seinem SHANNARA-Zyklus fortführte. In den Mittelpunkt der Erzählung strebt ein altes Artefakt. Die Axt Weltenspalter, gelungen auf dem Titelbild postiert, soll Danrs ermöglichen das Volk der Stanen vor einem unsäglichen Ende zu schützen. letztlich ist es ihm bestimmt, die Ordnung der Welt wieder herzustellen. Natürlich gibt es auch noch die Liebesgeschichte, denn Aisa ist sein Traum von Familie. Auf dem Weg voller Trübsal und Hindernisse schliessen sich ihm nach und nach der Mensch Talfi, die Orkin Kalessa und der Elf Ranadar an. Die Gegner sind die Fae oder die Elfen, je nach Sichtweise. Sie unterdrücken die anderen Völker, wo es geht, machen sie süchtig nach Drogen und gleichzeitig damit auch unfruchtbar. Alle Charaktere, manche mit neuen Ansätzen, bei denen es leider bleibt, entwickeln sich langsam weiter. Daher ist der Band nichts Neues. Aber unterhaltsam und gut zu lesen. Wer mit diesen Geschichten um Abenteurergruppen gut zurechtkommt, ist bestens bedient. 

Holly Jennings ARENA
Originaltitel: arena (2016) Übersetzung: Christine Blum
Titelbild: Veronika Wunderer
Knaur Verlag 52021 (01.09.2017) 392 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-426-52021-5
www.knaur.de


Wir schreiben das Jahr 2054. Die Virtuelle Realität, kurz VR, hat einen hohen Stellenwert und hält die Menschen fest im Griff. Kali ist 20 Jahre alt und Teil eines Teams in der Virtual Gaming League. Das virtuelle Leben hat sie voll im Griff uns das RAGE-Turnier, auf das sie die ganze Zeit hin fiebert, steht vor der Tür. Regelrechte Menschenmassen schauen sich Samstag für Samstag die Kämpfe zwischen den Teams an, die sich in der VR beweisen wollen. Und es werden immer mehr. Mehr Teams, mehr Zuschauer, mehr Werbung und Sponsoren. In der VR ist es nicht möglich, wirklich zu sterben. In der Wirklichkeit ist der Tod endgültig. Aufgrund von Drogen und Alkohol verschwimmen bei einigen die Grenzen. Das Drogenproblem wird verschwiegen weil das Geld und die Sponsoren viel zu wichtig sind. Kalis Team Defiance ist für die Spiele gut vorbereitet, auch wenn Teamkollege Nathan kurz vor dem Turnier das Zeitliche segnet. Die Chancen stehen für sie gut, trotzdem verlieren sie ein entscheidendes Spiel. Dadurch werden sie im Turnier in der Verlierergruppe eingeteilt. Der arrogante Rooke muss als Ersatz für Nathan einspringen, weil er gut ist, sich aber dennoch weiterhin wie ein Arschloch verhält. Kali, die den Tod von Nathan nicht so gut verkraften kann, ist auf Rooke und dessen verhalten sauer. Kali als Teamchef übernimmt die schwere Aufgabe ihn in das Team zu integrieren. Sie selbst versinkt in einem Sumpf aus Drogen und Alkohol.
Die Autorin Holly Jenning beginnt ihre Geschichte mit viel Tempo und hält sich nicht lange mit einer Einführung auf. Andernorts von mir bemängelt ist dies hier gar nicht notwendig. Die VR ist eben das, was man Internet der Zukunft nennt und darunter stellt sich eben jeder etwas anderes vor. Wir sind gleich zu Beginn in eine Auseinandersetzung zweier Teams der Virtual Gaming League verwickelt. Der Kampf, brutal und blutig, ist für das tapfere Team verloren. Die Gegner sind stark, gewitzter, besser und Team Defiance ist Chancenlos. Die Geschichte wird aus der Sicht von Kali in der Ich-Perspektive erzählt. Der angenehme und flüssige Schreibstil trug dazu bei, dass man sich schnell in der Erzählung zurechtfand.

Die Geschichte ist in der Zukunft angesiedelt, dennoch werden Probleme im wahrsten Sinn des Wortes ins Spiel gebracht, die auch heute bereits bestehen. Der Band Arena beinhaltet viel Gewalt und Brutalität, eben, wie in alten Arenen der römischen Gladiatoren etc. Letztlich ist die Beschreibung dieser Kämpfe bei Felix Dahn – EIN KAMPF UM ROM (bereits 1876 geschrieben), zu finden. dort wie hier müssen die Spieler körperlich in Höchstform sein. Denn in der VR ist der Avatar das Spiegelbild des wirklichen Körpers. Die Gewinner, Teams und einzelne Spieler werden gefeiert, gehuldigt und sonst auch als DAS Vorbild genommen. Daher darf man sich als Spieler keine Schwächen anmerken lassen. Andererseits ist das Leben in zwei Welten schwierig. Manch einer scheitert und schon sind wir wieder bei Drogen, Sex und Rock’n’Roll.
Hauptperson Kali macht eine schwierige Entwicklung durch, die jedoch etwas Klischeehaft beschrieben wird. Hier wäre mehr besser gewesen. Sie ist stark, nicht auf den Mund gefallen und weiß sich zu behaupten, eine gute Gestalt, wenn eben die Klischees nicht wären. Selbst der unangenehm auftretende Rooke, anfangs schwer durchschaubar, wird immer besser und sympathischer.
Das Buch selbst ist eines von vielen, in denen sich die Jugendlichen behaupten müssen. Ein Buch über die Entwicklung der Handlungsträger für Jugendliche, die gerade in diesem Prozess stecken. Leider kommt hier auch wenig das miteinander zum Tragen. Letztlich ist es wieder einmal mehr das ICH gewinnt, nicht das Team. 


ELEMENTAL ASSASSIN 8 Band
Jennifer Estep SPINNENFALLE
Originaltitel: deadly sting (2013) Übersetzung: Vanessa Lamatasch
Titelbild: Bilderdienst
Piper Verlag (01.09.2017) 384 Seiten 13,- €
ISBN: 978-3-492-28116-4
www.piper.de

In Ashland, im Briartop-Museum, ist die Eröffnungsgala der Ausstellung des verstorbenen Mab Monroe, mit seinen Kunstwerken das Ereignis des Jahres. Finn nimmt Gin mit zur Gala. Ihr ist gar nicht wohl bei der Aussicht auf so viele Menschen und noch dazu treibt sie ein seltsames Gefühl an.
Dies ungute Gefühl erweist sich als richtig, allerdings hat sie nicht damit gerechnet, plötzlich im Mittelpunkt des Ereignisses zu stehen. Denn eine Diebesbande stürmt die Veranstaltung nimmt die Besucher als Geiseln und raubt das Museum aus. Gin Blanco sitzt in der Falle, oder sitzen die Gangster in der Spinnenfalle? Wer weiss das schon so genau. Der Leser, oder besser die Leserin, wird sich nach und nach ein Bild davon machen. Über die weitere Handlung muss nicht viel gesagt werden. Ein Vergleich mit Bruce Willis Stirb Langsam ist nicht von der Hand zu weisen.
Jennifer Esteps Schreibstil lässt sich wieder gut lesen und die Geschichte konnte mich wieder von Beginn an fesseln. Ihre ELEMENTAL ASSASSIN Reihe zähle ich zu einer der besten Krimireihen mit besonderen Figuren, die an frühe Gruselkrimis erinnern, aber dann doch mehr James Bond Manier oder auch den Film Nikita erahnend, an den Tag legt. Die Profikillerin Gin Blanco überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. 
Stella Gemmell DIE STADT DES UNSTERBLICHEN
Originaltitel: the immortal throne (2016)
Übersetzung: Wolfgang Thon
Titelbild: Isabelle Hirtz
Blanvalet Verlag 86021 809/20179 768 Seiten 15 €
ISBN: 978-3-7341-6021-9 (TPB)
www.Blanvalet.de

Der Leser wird am Anfang des Buchs in eine kriegerische Auseinandersetzung geworfen, ohne sie wirklich zu verstehen. Leider ist die Welt von Stella Gemmell, Witwe von David Gemmell, etwas unübersichtlich. Es wird nicht ganz klar herausgearbeitet, wer gegen wen kämpft. Die Stadt des Unsterblichen richtet sich an die Freunde der Fantasy, die grosse epische Schlachten und verschachtelte Handlungsstränge bevorzugen. Sie werden sie mit einer abwechslungsreichen Handlung belohnt, die immer wieder für eine Überraschung gut ist. Dafür sind die Szenarien sehr ausführlich beschrieben. Wo andere Autoren sich mit einer Einführung in die Welt bemühen, sind wir hier sofort mitten drin. Aber wo kein Hintergrund vorhanden ist, kann die Geschichte sich nicht richtig entwickeln. Es gibt nur wenige Autoren, die mit diesem Trick die Leser gefangen nehmen können. Von Stella Gemmell, die mich mit ihrem Debüt DER MOLOCH überraschte, positiv, hätte ich jetzt mehr erwartet. Vor allem weil sie bereits mit ihrem Mann zusammen schrieb. Gerade die Szenen, in denen es darum ging, Tiefe zu erzeugen, mit Einzelheiten zu Punkten.
Die Welt mit der Stadt des Unsterblichen im Mittelpunkt, ist voller Magie. Man benutzt sie wie andernorts die Technik, bleibt aber ansonsten unerklärt. Das Geheimnisvolle daran ist es, was die Geschichte interessant macht. Man hofft immer wieder, etwas mehr darüber zu erfahren. Leider fehlt eine Beschreibung der Umgebung. Die Stadt wirkt irgendwie leblos, es werden Teile beschrieben aber ein Gesamtüberblick fehlt, der es auch unmöglich macht zu sagen, wie gross sie nun wirklich ist.
Die Handlungsträger an sich sind genügend gut beschrieben, dass man sich mit ihnen identifizieren kann. Allerdings stirbt man in der Welt recht schnell, so dass man sich nicht allzu sehr auf eine Person konzentrieren sollte. 

Ray Bradbury S IS FOR SPACE
Originaltitel: s is for space (1966) Übersetzung: Oliver Plaschka
Titelbild: Network!
Knaur 52073 (09/2017) 284 Seiten 10,99 €
ISBN: 978-3-426-52073-4 (TB mit Klappbroschur)
www.knaur.de

Neben seiner Arbeit als Schriftsteller war er auch an Spielfilmen und Fernseh-serienbeteiligt, teilweise unter den Pseudonymen William Elliott und Douglas Spaulding. Weitere von ihm verwendete Pseudonyme sind Edward Banks, D.R. Banat, Leonard Douglas, Leonard Spaulding und Brett Sterling.
Die 16 populärsten Kurzgeschichten von Ray Bradbury werden hier, zum Teil zum ersten Mal auf Deutsch, veröffentlicht. Ich muss zugeben, Raymond Douglas Bradbury (geboren am 22. August 1920 in Waukegan, Illinois; gestorben am 5. Juni 2012 in Los Angeles hat mich maßgeblich beeinflusst. Und auch sonst kann man sagen: Kaum ein Autor hat das literarische und filmische Schaffen im Bereich der Science Fiction derart geprägt wie Ray Bradbury. Sein Roman FAHRENHEIT 451 (1953 erschienen) ist für mich immer noch DER Roman der SF. Erst danach kommen seine Mars-Chroniken (u.a. mit Maximilian Schell verfilmt).
Seine hier vorliegende Kurzgeschichten-Sammlung mit 16 Geschichten erschien bereits 1966 und wurde, wie so oft mit Kurzgeschichten, geflissentlich übersehen.

Vorwort
Stunde null
Der Mann
Auf den Schwingen der Zeit
Der Spaziergänger
Hallo und lebwohl
Feuersäule
Der unsichtbare Junge
Komm in meinen Keller
Der Kokon
Das Millionen-Jahre-Picknick
Die schreiende Frau
Das Lächeln
Dunkel waren sie und goldäugig
Die Straßenbahn
Die Flugmaschine
Ikarus Montgolfier Wright

Insgesamt enthält diese wunderbare Sammlung sechzehn Kurzgeschichten, die von Ray Bradbury selbst ausgesucht und zusammengestellt wurden. Ray ist bekannt dafür, dass seine Erzählungen selten den Boden des Planeten Erde verlassen. Um so interessanter, wenn er tatsächlich die eine oder andere Erzählung auf andere Planeten verlegt. Ray ist ein Autor, der es schafft, den Leser mit einem recht einfachen Stil gut zu unterhalten. Er ist einer der wenigen Autoren, die mir mit Kurzgeschichten, wie auch Romanen gut gefällt. 

Krimi / Thriller

Veit Etzold TRÄNENBRINGER
Titelbild: ZERO Werbeagentur
Knaur Verlag (09/2017) 476 Seiten 10,99 €
ISBN : 978-3-426-52069-7 (TB mit Klappbroschur)
www.knaur.de

TRÄNENBRINGER ist der fünfte Fall für Hauptkommissarin Clara Vidali, die als Expertin für Pathopsychologie beim LKA Berlin arbeitet. Auch wenn es sicher besser wäre die Reihe von Anfang an zu verfolgen ist es nicht zwingend nötig. Allerdings fehlen dadurch zwischenmenschliche Beziehungen die sich im Laufe der Bände aufgebaut haben.
Clara beobachtet einen Autounfall, bei dem ein ziemlich heruntergekommener Obdachloser schwer verletzt wird. Der Mann steht völlig unter Drogen und muss dringend in ein Krankenhaus. Durch sein wirres Gerede über einen Mord und weil er beharrlich an einem Paket festhält,macht er sich verdächtig. Im Paket befinden sich dann zwei abgeschnittene Füße. Zu wem diese gehören kann Clara Erstmal nicht zuordnen. Der Mann fällt ins Koma und kann daher nicht verhört werden. Es wird aber schnell klar das er nur als Bote fungierte.
Unterdessen bekommt ein Vater ein Paket zugestellt, in dem das Handy und die abgeschnittene Nase seiner Tochter sind. Völlig geschockt schafft er es erst am nächsten Tag, zur Polizei zu gehen. Clara und ihr Partner und Lebensgefährte Mc Death sind nun auf der Jagd nach einem brutalen Serienkiller, der seine Opfer quält und Teile von ihnen zerstückelt verschickt. Er nutzt dazu die Hilfe des Internets und filmt die Folter gegen Zahlung der Zuschauer. Diese können dann die Todesart bestimmen und live mitverfolgen. Mit diesen Snuffvideos verdient er viel Geld.
Clara hat aber auch eigene Probleme, als sie merkt dass sie schwanger ist. Da sie Bindungsängste hat, ist sie den Versuchen ihres Freundes, mit ihr zusammen-zuziehen, bisher immer ausgewichen. Nun macht MC Death ihr auch noch einen Heiratsantrag. Getrübt wird die Freude über die Schwangerschaft auch von Claras Vergangenheit, denn ihre Schwester ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen und Clara konnte dies nicht verhindern. Wie soll sie da mit einem guten Gefühl ein Kind in die Welt setzen?

Mir ist das Buch in mancher Hinsicht etwas zu brutal gewesen, was mich verwundert hat, da ich das ja eigentlich immer so mag. Was mir sehr gut gefallen hat, ist, dass der Autor die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln schreibt, so das man im Laufe des Lesens auch einen Einblick in die Vergangenheit des Täters bekommt und dadurch sein Handeln versteht. Mit seinen über 400 Seiten ist es recht lang, aber durchgehend spannend und fesselnd und, auch trotz der Abstecher in die Vergangenheit, gut verständlich geschrieben. Ich habe es auf einer Buchmesse gelesen und konnte es nur schwer aus der Hand legen. Auch das Cover ist sehr ansprechend, grauer Hintergrund mit bluttropfender Farbe.
Susanne Giesecke 
Jutta Maria Herrmann AMNESIA
Covergestaltung: init Kommunikationsdesign
Knaur Verlag (09/2017) 297 Seiten 9,99 €
ISBN 978-3-426-51997-4 (TB)
www.knaur.de

Helen bekommt mit knapp 40 Jahren die schreckliche Diagnose, dass sie unheilbar an Lungenkrebs erkrankt ist und trotz der erfolgten Chemotherapie sterben wird. Sie übersteht ihre Tage nur mit starken Medikamenten und dank ihres Freundes, der fest zu ihr hält. Aber eines Tages kommt sie nach Hause und findet einen Abschiedsbrief ihres Partners. Völlig frustriert, das er sie von heute auf morgen verlassen hat, flüchtet sie zu ihrer Mutter und ihrer Schwester. Obwohl sie zu beiden kaum noch Kontakt hat und mit ihrer Mutter nie richtig warm wurde will sie nicht alleine sterben. Die Familie ahnt jedoch nichts von der Erkrankung und dement- sprechend kühl ist die Begrüssung. Ihre Schwester Kristin hingegen freut sich umso mehr über den Besuch der grossen Schwester und bietet ihr an, bei ihr zu wohnen. Sie ist frisch verheiratet und schwanger. Ihr Mann Leon allerdings hat bei Helen einen schweren Stand, hat er doch vor vielen Jahren Helens beste Freundin vergewaltigt und brutal zusammen geschlagen, konnte aber mit viel Geld seinen Kopf aus der Schlinge ziehen. Kristin weiß von alldem nichts und vergöttert Leon. Als Helen mitbekommt, das Leon nun auch Kristin bedroht und schlägt, wünscht sie sich nur noch eines: seinen Tod.
Als Leon am nächsten Tag dann tatsächlich ermordet aufgefunden wird ist Helen ebenso geschockt wie ihre kleine Schwester. Aber Helen merkt nach und nach, dass die Indizien gegen sie sprechen und auch Helens Mutter verdächtigt sie des Mordes. Doch wegen der starken Medikamente und dem Alkohol der vergangenen Nächte fehlt Helen jede Erinnerung... ist sie fähig einen Menschen zu töten? Und hat sie auch ihren Freund getötet, weil er sie verlassen wollte? Helen erlebt immer wider bruchstückhafte Erinnerungen, weiß aber nicht was Realität und was Fantasie ist.
Diese Buch ist sehr flüssig und spannend geschrieben. Der Leser wird sofort in den Bann der Geschichte gezogen und ich konnte nicht aufhören zu lesen, bis ich es zu Ende hatte. Die Charaktere werden sehr gut beschrieben und ich baute sofort eine Sympathie für diese auf. Man ist hin und hergerissen zwischen Schuld und Unschuld. Auch wenn hier auf brutale Szenen und viele Opfer verzichtet wird baut sich die Spannung immer weiter auf. Ich litt genau wie Helen unter der eiskalten Mutter und hatte Mitleid mit der armen etwas naiven Kristin. Allerdings fand ich das Ende unglaubwürdig und zu schnell abgehandelt, das war wirklich schade. Ein zu empfehlendes Buch für eine kuscheliges Wochenende vor dem Kamin.
Susanne Giesecke 

Rachel Abbott DAS STUMME MÄDCHEN
Umschlaggestaltung: network Werbeagentur
Piper Verlag (8/2017) 376 Seiten 9,99 €
ISBN 978-3-492-31049-9
www.piper.de

Emma lebt mit Ehemann David und Baby Oliver etwas abgeschieden aber sehr glücklich auf dem Land. Für David ist es die zweite Ehe, seine damalige Frau kam bei einem Unfall ums Leben und die damals 6 jährige Tochter Natascha, genannt Tash,verschwand spurlos. Dies alles hat natürlich Spuren in Davids Leben hinterlassen, aber er versucht nach vorne zu blicken. Jahre später taucht Natascha dann wie aus dem Nichts plötzlich bei Emma und Davis wieder auf. David ist überglücklich, seine Tochter wieder bei sich zu haben, aber Emma spürt sich von Anfang an von dem verstörten und schweigsamen Teenager bedroht. Sie hat Angst, das Mädchen könnte ihrem kleinen Sohn etwas antun, da sie sich sehr feindselig ihm gegenüber verhält. Auch ihren Vater scheint sie zu hassen, was Emma ziemlich verstörend findet. David nimmt all dies nicht Ernst und setzt auf die Zeit, die alle Wunden heilt. Die Ehe der beiden leidet unter der Situation. Als David seiner Tochter erlaubt, mit Oliver alleine einen Spaziergang zu machen hat Emma ein zutiefst ungutes Gefühl, welches erneut zu einem Streit führt. Und dann wird Emmas schlimmster Alptraum wahr... Tash kehrt ohne Oliver zurück und stellt Forderungen an das Paar, ansonsten würden sie ihren Sohn nie wiedersehen. Das Haus ist verwanzt und wird beschattet. Während David wieder nur untätig bleibt, ruft Emma von einem alten Handy, welches sie noch im Schrank liegen hatte, den Polizisten Tom an, mit dessen Bruder Jack sie mal eine Beziehung hatte. Tom und seine Kollegin Becky fangen sofort mit den Ermittlungen an und kommen einer brutalen Organisation auf die Schliche. Und so nach und nach kommt heraus, das David viel tiefer in die Sache verstrickt ist als er zugibt. Um seine Haut zu retten ist ihm auch der Verrat an seinen Kindern recht. Emma erkennt, wie sehr sie sich in ihm getäuscht hat und will nun nicht mehr nur ihren Sohn, sondern auch Tash retten.
Das Werk ist von Anfang an spannend und mich gruselte vor Natascha, die ihre Psychospielchen mit der Familie treibt. Aber so nach und nach kann mach sie verstehen. Nach allem was sie in den letzten Jahren durchmachen musste kann sie nicht anders handeln als der Organisation zu gehorchen.
Auch Tom steckt tiefer in der Sache drin als ihm lieb ist. Die Fäden laufen bei seinem Bruder Jack zusammen, der bei einem Bootsunfall ums Leben kam. Jack und David hatten eine gemeinsame Vergangenheit, die der es Tom eiskalt den Rücken runterläuft.
Leider hat mir das Ende nicht gefallen, aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Ich habe das Buch so ziemlich am Stück durchgelesen, auch wenn ich immer mal wieder versucht habe es aus der Hand zu legen. Aber genauso schnell hatte ich es auch wieder in den Händen... ein gutes Zeichen.
Susanne Giesecke 

Hörspiele

Andreas Winkelmann DER GESANG DES TODES
Argon Verlag (10/2013) Spieldauer : 9 Std 55 min
Gelesen von Simon Jäger

„Ich bin wieder hier
in meinem Revier
war nie wirklich weg
hab mich nur versteckt"

Tom und Kristin suchen schon lange nach ihrem Traumhaus und glauben es in der Lüneburger Heide endlich gefunden zu haben. Zwar gruselt es Kristin in dem alten Kellerverlies, aber ansonsten ist das grosse Anwesen perfekt. Sie beschließen, den Keller einfach nicht zu benutzen und kaufen es. Von den Dorfbewohnern werden sie erst einmal misstrauisch beäugt und man tuschelt hinter ihrem Rücken, aber das findet das Ehepaar gar nicht so schlimm. Auch die 4 jährige Tochter Lisa findet das Landleben toll. Kurz nach dem Einzug allerdings wird Tom in Hamburg erschossen, als er auf der Bank in einen Überfall gerät. Kristin versinkt in tiefer Trauer und ihre Mutter kommt, um sie zu unterstützen.
Nachdem der Alltag wieder einkehrt freundet sich die junge Frau mit ihren Nachbarn an, die auch gerne auf Lisa aufpassen. Hier erfährt Kristin dann auch, das in ihrem Haus vor langer Zeit ein Mord passierte. Der Besitzerin wurde von einem Scherenschleifer die Kehle durchgeschnitten. Obwohl sich Kristin nun noch mehr fürchtet in dem Haus, beschließt sie, es trotzdem zu behalten. Nur weiß sie nicht,ob sie es finanziell überhaupt halten kann. Als dann ihre Mutter bei dem Versuch, etwas in den Keller zu tragen lebensgefährlich verunglückt und Kristin immer wieder eine Stimme flüstern hört: „Ich bin wieder hier“, beginnt sie an ihrem Verstand zu zweifeln. Aber noch bevor sie wieder klar denken kann, überschlagen sich die Ereignisse und Kristin muss nicht nur um ihr, sondern auch um Lisas Leben kämpfen.
Paralell zu der Handlung von Kristin beschreibt der Autor noch die Geschichte von Sven und Robert, die den Bankräubern, die Tom in der Bank erschossen hatten, das geraubte Geld klauen und nun selbst wieder gejagt werden, da ihr genial geglaubter Plan eben doch nicht so genial war. Der Showdown zu dieser Story findet auf dem Anwesen von Kristin statt...
Seit dem letzten Bücherbrief bin ich ja ein grosser Fan von Andreas Winkelmann und auch diese Story hat mich restlos überzeugt. Der Autor schafft es immer wieder, so anschaulich zu schreiben das meiner Fantasy kaum Grenzen gesetzt werden und ich in dem engen Kellerverlies die bedrückende Stimmung nur zu deutlich spüren konnte. Ich habe einen Teil des Hörbuchs nachts gehört als ich nicht mehr einschlafen konnte und es dann doch wieder abgeschaltet weil es mir plötzlich im Schlafzimmer zu dunkel wurde.
Die Stimme des Erzählers ist angenehm, aber nichts besonderes.
Ich habe die letzten Kapitel noch nicht gehört und bin sehr gespannt auf das Ende. Ist das Haus wirklich verflucht oder gibt es eine natürliche Erklärung?
Ich freue mich wirklich sehr auf weitere Werke des Autors.

Susanne Giesecke 



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