STARLIGHT UNION

Der phantastische
Bücherbrief


November 2017 unabhängig kostenlos Ausgabe 650


Deutsche Phantastik

Torsten Weitze Grayson Steel und der Verhangene Rat von London Acabus Verlag

Internationale Phantastik

Guy Gavriel Kay Am Fluss der Sterne Fischer Tor Verlag
Daniel Suarez Bios rororo Verlag
Star Wars
Caudia Gray Leia - Prinzessin von Alderaan Panini Verlag
Jaroslav Kalfař Eine kurze Geschichte der Böhmischen Raumfahrt Klett-Cotta Verlag

Jugendliteratur

Boris Pfeiffer Celfie und die Unvollkommenen Kosmos Verlag
Moira Young Ein Engel für Miss Flint Fischer Verlag
Armand Baltazar Retter der verlorenen Zeit cbj Verlag
Die dunklen Mächte 2
Cassandra Clare Lord of Shadows Wilhelm Goldmann Verlag
Fran Wilde Stadt aus Wind und Knochen Knaur Verlag

Krimi / Thriller

Sebastian Fitzek Flugangst 7a Droemer Knaur Verlag
Veronika Bicker Denn die Nacht bringt das Meer Acabus Verlag
Charlotte Link Die Entscheidung Blanvalet Verlag
David Whish-Wilson Die Ratten von Perth Suhrkamp Verlag

Hörspiele

H. G. Wells Das Imperium der Ameisen Folgenreich
Andreas Winkelmann Killgame Argon Verlag

Sekundärliteratur

Blätter für Volksliteratur Verein der Freunde der Volksliteratur


Deutsche Phantastik

NEBULA CONVICTO
Torsten Weitze
GRAYSON STEEL UND DER VERHANGENE RAT VON LONDON
Titelbild: Petra Rudolf
Acabus Verlag (07.09.2017) 400 Seiten 16 €
ISBN: 978-3-86282-525-7 (TB)
www.acabus-verlag.de

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als er den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.
Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.
Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden. (Verlagstext)

In seiner lebendigen Sprache erreicht Torsten Weitze eine durchaus breite Leserschaft. Man könnte also Krimi-Leser und Mystery-Leser gleichermassen ansprechen. Der Einstieg in das Buch lässt erahnen, was den Leser in Puncto Stimmung und Szenario erwarten wird. Und gerade dieser Teil ist es auch, der mir gefallen hat. Immer in der Hoffnung, etwas zu lesen, das sich zwar an anderen Büchern orientiert, aber doch etwas Eigenes darstellt. Leider sind Klischees nicht gerade selten. Vor allem das abgedroschene Klischee eines dunklen, kalten und nebligen Londons. Hier kommen wir dann auch schnell zum düster-mystischen und es verwundert kaum, wenn lebende Wasserspeier Ghule und andere auftauchen. Zu Beginn ist Detective Grayson Steel der abweisende Einzelgänger, mit dem keiner lange zusammenarbeitet / arbeiten will. Im Laufe der Handlung ergibt es sich aber, dass er ab sofort „Partner“ bekommt, ohne die er gar nicht in den Fällen weiterkommen wird. Ich schreibe hier extra Mehrzahl, denn es ist zu erwarten, ein wenig auch zu erhoffen, dass weitere Abenteuer stattfinden.
Die Geschichte erinnert sehr an die Reihe Flüsse von London mit Peter Grant von Ben Aaranovitch. In diesem Zusammenhang muss Torsten Weitze deutlich Abstriche hinnehmen. Sein Vorbild Ben Aaranovitch ist mit seinem sechsten und in der Reihe schlechtesten Band noch immer besser als er. Positiver wäre es gewesen, wenn der Lektor gesagt hätte, Junge: Lass es in Deutschland spielen und zeige so, dass Du unabhängig bist. Hamburg, Düsseldorf, Köln, Mainz, Frankfurt und ähnliche Städte an einem Fluss hätten hier besser gewirkt und ihm einen Pluspunkt in der Erzählung gebracht. So wirkt das Buch leider nur wie eine Nacherzählung. Eine Beschreibung des letztlich akzeptierten Londons fehlt. Mit den Hinweisen auf die üblich bekannten Schau- und Touristenplätzen, erschöpft sich die Beschreibung der Stadt und schon bin ich wieder bei Hamburg, Düsseldorf, Köln, Mainz, Frankfurt. Es hat eine nette Rahmenhandlung, ist flüssig geschrieben und von daher gute Unterhaltung. Die Idee eines Polizisten, der in einer magisch angehauchten ermittelt, ist nicht neu. Selbst der selige Lord Dunsany hatte einen Zauberer, der die Polizeiaufgaben durchführte, Fritz Leiber mit Fafhrd und dem Grauen Mausling und selbst Autoren wie Jens Schumacher und Jens Lossau haben ihre phantastischen Ermittler. Ein Vorteil ist es, dass der Autor phantastische Wesen erscheinen lässt, die in der Phantastik so nicht auftauchen.
Eigentlich freut es mich immer, Bücher eines deutschen Autors / deutscher Autorin zu lesen. Meist bin ich jedoch enttäuscht, weil Deutschland nicht als Erzählland dient. Ich kenne keinen Amerikaner oder Briten, der seine Geschichte in Deutschland spielen lässt. Auch wenn ich an dieser Stelle nicht „Haleluja ein neuer Autor“ rufe, denke ich es könnten weitere, bessere Romane geben. 

Internationale Phantastik

Guy Gavriel Kay AM FLUSS DER STERNE
Originaltitel: river of stars (2013) Übersetzung: Ulrike Brauns
Titelbild: Bilderdienst Karte: Markus Weber
FISCHER Tor (26.10.2017) 709 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-596-03572-4 (mit Klappbroschur)
www.fischerverlage.de

AM FLUSS DER STERNE ist der zweite Band, den Guy Gavriel Kay in Kitai spielen lässt. Hinter Kitai steht China, vor der Vereinigung zu einem grossen Reich unter der Han-Dynastie. Historisches Vorbild für den vorliegenden Band ist die Zeit der Song-Dynastie im 12. Jahrhundert. Wer mehr dazu sehen möchte, sei auf den Film HERO verwiesen, mit excellenten Bildern und einer interessanten Handlung. Die Handlung ist keine direkte Fortsetzung von IM SCHATTEN DES HIMMELS, sondern spielt mehr als 300 Jahre später. Die Verbindung zwischen den Romanen stellen zum Beispiel Shen Tai und Sima Zian dar, die in der Zeit des vorliegenden Bandes als nachahmenswerte Legenden gelten.
Kitai ist inzwischen ein Reich, welches im Niedergang begriffen ist. Die Hauptstadt ist, noch, Kaifeng, aber sicher nicht mehr lange. Die ewig gestrigen sind immer noch in der Vorstellung verhaftet, das das Reich weiterhin gross ist, eine Vormachtstellung inne hat und auch sonst der Vorzeigestaat ist. Dabei geht es mit dem Reich abwärts, ausgesaugt von den Bonzen erheben sich immer wieder Völkerschaften, um gegen die Vorherrschaft und die eigene Versklavung vorzugehen. Auf der anderen Seite stehen die Menschen die die Macht des Reiches unterschätzen. Aber welche Seite auch immer, beide sägen am Ast, auf dem sie sitzen. So geht das Reich dem Untergang entgegen. Und zum Schluss sind da noch die Menschen, die die wirkliche Lage richtig einschätzen, aber nicht den Einfluss besitzen, das Steuer herumzureissen. Es geht nicht nur um die Politik, sondern alle Bereiche des Lebens sind betroffen.

Ich will an dieser Stelle gar nicht so sehr auf die Handlung im Einzelnen eingehen und auch die Personen, wie Ren Daiyan und Lin Shan, bleiben aussen vor. Der Grund ist recht einfach. Ich möchte von dieser interessanten und imposanten Handlung nichts verraten. Guy Gavriel Kay verdient es, dass sein Buch erlesen wird und nicht vorschnell beurteilt. Denn obwohl ich ihm Wohlwollend gegenüber stehe, ist der Roman nicht für jeden geeignet und wird ebenso heftig Ablehnung wie Zustimmung finden.
Mich überzeugten nicht nur die glaubwürdigen Figuren. Die äusserlichen Beschreibungen helfen, sich in die Gedanken und Gefühle hineinzuversetzen. Sie sind überzeugend in ihren Handlungen.
Die Fantasy hält sich vornehm zurück und die reale Geschichte Chinas stellt den Hintergrund dar. Aus diesem Grund ist das Ende des Romans vorhersehbar, wie jedoch die beteiligen Personen damit umgehen, wie sie darauf zusteuern ist eine gelungene Beschreibung.
Ich war bereits ein paarmal in China, kenne einige der Orte von heute in der Beschreibung des Buches und erkenne sie durchaus wieder. Vielerorts ist trotz der Kulturrevolution und der nun folgenden Kapitalisierung der KP Chinas noch einiges erhalten. Guy Gavriel Kay Kitai mit der Hauptstadt Kaifeng ist ein sehr lebendiges Land. Die Persönlichkeiten gelungen dargestellt und die Beziehungen zwischen Kultur, Kunst, Politik, Herrschenden und Beherrschten wirklichkeitsnah dargestellt. 


Daniel Suarez BIOS
Originaltitel: change agent (2017)
Übersetzung: Cornelia Holfelder - von der Tann
Titelbild: Bilderdienst
rororo 29133 (17.11.2017) 538 Seiten 12,99 €
ISBN: 978-3-499-29133-3
www.rororo.de

Das Wild, das du jagst: Du bist es selbst. Im Jahr 2045 ist das Zeitalter der Technik Geschichte; die biologische Moderne ist angebrochen. Algen und Pilze bauen Autogehäuse, die Boomstädte Asiens werden nachts von Leuchtbäumen erhellt. Auch vor dem menschlichen Körper macht die Bio-Revolution nicht halt. Jeder will hochgezüchtete Designer-Babies, ob legal oder nicht. Die Zeche zahlen andere.
Kenneth Durand leitet bei Interpol den Kampf gegen diese Genkriminalität. Und ein Mann steht dabei im Fadenkreuz: Marcus Demang Wyckes, Kopf eines so mächtigen wie skrupellosen Kartells. Eines Tages erwacht Durand aus dem Koma. Man hat ihn entführt. Er sieht anders aus. Seine DNA ist verändert. Er ist Marcus Demang Wyckes. Der Mann, der weltweit gesucht wird. (Verlagstext)

Die Welt im Jahr 2046. Eine neue industrielle Revolution, nicht mit Maschinen, sondern Bionik veränderte sich die Welt wie wir sie kennen.
Längst ist China die wahre Führungsmacht, politisch gesehen, doch die eigentliche Macht halten die Kartelle in Händen. Die Triaden entwickelten sich zu Konzernen und diese arbeiten legal, halb legal und illegal. Die alte Weltordnung der USA und Europas ist längst in der Bedeutungslosigkeit versunken. Was hier einmal die Wirtschaft antrieb ist vorbei. Shanghai ist längst Mittelpunkt der Welt. Wer etwas auf sich hält und das Geld dazu hat, wohnt hier. Der Kapitalismus hat im alten China einen Vortrieb erhalten, der die heutigen Milliardäre wie Waisenknaben aussehen lässt. Die Wirtschaft stützt sich nicht nur auf Angestellte und Arbeiter, sie lebt vor allem von schlecht bezahlten Arbeitern und Wanderarbeitern mit einem Rückfall in die frühpubertäre industrielle Revolution der 1900er Jahre. Ein Heer von Klimaflüchtlingen und Wirtschaftsasylanten sorgt zudem um einen Arbeitsplatzkampf. Doch dies ist für die High Society weitaus weniger wichtig. Für sie zählt die Biologie. Zwar ist es in geringem Mas erlaubt, Genmanipulationen vorzunehmen um Erbkrankheiten auszuschalten, doch daran hält sich, wer Geld hat, nicht. Längst ist es Mode, sein Kind nach besonderen Genmanipulationen zu gestalten. Von Äusserlichkeiten wie Haarfarbe, Augenfarbe und Geschlecht, bis hin zu Intelligenz, Körperstärke und anderem mehr. Nichts ist unmöglich.
Gleichzeitig findet eine totale Überwachung statt. Wer Geld hat konsumiert, wer konsumiert wird überwacht. Es ist eindeutig jedem Menschen ein Verhaltensmuster zuzuweisen, nach dem er jederzeit und überall auf der Welt gefunden werden kann. Denn, wer konsumiert, gibt bereitwillig alle privaten Daten frei. Die gesamte Menschheit wird in riesigen Rechnerfarmen katalogisiert. Und hier haben wir unseren Ansatzpunkt. Mit Hilfe dieser Daten sollen Verbrechen verhindert bzw. aufgeklärt werden.
Kenneth Durand ist ein Datenanalysierer bei Interpol. Seine Aufgabe ist es, illegale Bio-Labore zu entdecken. Der Schwarzmarkt für genetische Modifikationen ist riesig. Kenneth Durand ist in seiner Arbeit zu erfolgreich. Daher wird das führende Genmanipulations-Kartell auf ihn aufmerksam. Es folgt ein Mordanschlag auf ihn, der dazu führt, dass er zwar überlebt, aber rein äusserlich dem Anführer des Kartells und den meistgesuchten Mann der Welt zum Verwechseln ähnlich sieht.
Im Körper des Feindes als Science Fiction Thriller ist gut gelungen, obwohl sich der Autor manchmal in seiner Logik verbiegt, damit das ein oder andere Teil seiner Handlung funktioniert. Natürlich wirkt einiges bekannt und vorhersehbar, wenn man viel Science Fiction liest. Der kulturelle und soziale Hintergrund erinnert an vielen Stellen an den in den 1980er Jahren bekannt gemachten Cyberpunk. Dies gilt ebenso für den Side-Kick Shadowrun, Cyberpunkt mit Fantasy.
Der neue Roman von Daniel Suarez ist beste Unterhaltung. Ein Action-spektakel, wenn man es hochtrabend bezeichnen will, mit hohem Tempo in der Erzählung und schon nahe daran ein sogenannter „pageturner“ zu sein. Böse Gegner, windige Helfer und Helfershelfer und ein mit allen Wassern gewaschener Meisterpolizist der Interpol. Bios besticht allerdings nicht mit einer neuen Geschichte, sondern nur einer bekannten Geschichte, neu erzählt. Zu viele Anklänge an andere SF und Krimis finden sich in diesem, ja sagen wir ruhig Technik-Krimi. Seine fantastische Zukunftsvision könnte jedoch morgen schon Wirklichkeit werden. 

STAR WARS
Claudia Gray LEIA – PRINZESSIN VON ALDERAAN
Originaltitel: leia, princess of alderaan (2017)
Übersetzung: Timothy Stahl
Titelbild: tib indivisuell
Panini Verlag (16.10.2017) 380 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-8332-3569-6 (TB mit Klappbroschur)
www.paninicomics.de

Claudia Gray ist bekannt dafür hauptsächlich Unterhaltungsliteratur für junge Mädchen zu schreiben. So ist es nicht verwunderlich, dass die Vielschreiberin den Auftrag erhielt, über die junge Prinzessin Leia Organa zu schreiben. Das Buch zeigt wie die junge Leia zur Rebellion gegen das Imperium kam und dies recht realistisch, zumindest aber nachvollziehbar. Weniger Nachvollziehbar ist ihre Position als Nesthäkchen. Sie vergöttert ihre Eltern und es ziemlich seltsam mitanzulesen, dass sie ihnen alles recht machen will. Keinerlei Ansätze einer „kleinen“ Rebellion, die
dazu führen könnte, später der Revolution beizutreten. In dieser Hinsicht ist der Roman für einen Freund zukünftiger und zünftiger Abenteuer etwas enttäuschend.
Das Abenteuer hätte etwas spannender werden können, wenn man auf ihre latente Machtbegabung eingegangen wäre oder aber auch die Visite des Planeten Naboo spannender gestaltet. Leia trifft dort auf den Gouverneur Quarsh Panaka. Selbiger erkennt in ihr sofort die Tochter Senator Naberries. Er spricht sie darauf an doch Leia ist gar nicht daran interessiert. Hier hätte ein kleiner Hinweis an Darth Vader genügt, aber auch das wird nicht gemacht. Stattdessen finden wir eine wunderschöne kitschig-tragische Liebesgeschichte zwischen Leia Organa und Kier Domadi.
Im Bereich des SF-Abenteuers ist diese Geschichte eher fehl am Platz. Es ist eine Liebesgeschichte die zufällig in der Zukunft spielt und zufällig die Prinzessin Leia in den Mittelpunkt stellt. Würde statt Leia ein anderer Name genannt, würde die Geschichte sehr schnell in die Bedeutungslosigkeit abfallen. Als Mann hat man wenig Freude an der Erzählung, als Frau oder Fräulein, sicher mehr. 

Jaroslav Kalfař
EINE KURZE GESCHICHTE DER BÖHMISCHEN RAUMFAHRT
Originaltitel: spaceman of bohemia (2017)
Übersetzung: Barbara Heller
Titelbild: Bilderdienst
Tropen Verlag (05.08.2017) 364 Seiten 22 €
ISBN: 978-3-608-50377-7 (gebunden mit Schutzumschlag)
www.klett-cotta.de

April 2018: Die JanHus 1, das erste Raumschiff in der tschechischen Geschichte, erhebt sich in den Himmel. Eine ganze Nation ist auf den Beinen, um den Start vom staatseigenen Kartoffelacker aus mitzuverfolgen. Die Besatzung besteht aus einem einzigen Raumfahrer: Jakub Procházka, Spross einer Kollaborateursfamilie und Professor für Astrophysik mit einschlägiger Erfahrung in der Erforschung interstellaren Staubs. Nach dreizehn eintönigen Wochen im All ist der Forscherdrang Jakubs jedoch beinahe erloschen. Einziger Lichtblick sind die wöchentlichen Video-Chats mit seiner Frau Lenka. Doch als die ihn verlässt, gerät Jakubs Leben im Orbit in Schieflage. Und als wäre das nicht genug, schleicht sich auch noch ein haariger, achtbeiniger Mitbewohner in Jakubs Raumschiff ein. (Verlagstext)

Jaroslav Kalfař geboren und aufgewachsen in Prag, migrierte mit fünfzehn Jahren in die USA. Er studierte Literatur, Politik und europäische Geschichte...
April 2018: Die JanHus 1, das erste Raumschiff mit Jakub Procházka, erster Raumfahrer der tschechischen Geschichte an Bord, erhebt sich majestätisch in den Himmel. Jakub Procházka, Professor für Astrophysik, träumt davon, seinem Land Ruhm und Ehre zu bringen, ganz im Sinne der alten sozialistischen Gesinnung. Die Zeit zieht sich, 13 Wochen im All sind nicht so ohne. Und dann ist es nicht nur aus mit den Videochats mit seiner Frau, sondern auch ganz, weil sie ihn verlässt. Da hilft es dem Helden nicht, dass die Nation ihn feiert, aber seine Frau nichts mehr von ihm wissen will. Mittlerweile ist sein Forscherdrang gegen Null angekommen und die geheimnisvolle lila Wolke zu erforschen, die sich vor die Venus geschoben hat, begeistert ihn auch nicht mehr. Und hat er plötzlich Besuch in seiner Kapsel. Ein haariger, achtbeiniger Mitbewohner macht sich in Jakubs Raumschiff bemerkbar. Der Ausserirdische, einer Spinne ähnlich, jedoch mit rot geschminkten Lippen und gelben schiefen Zähnen ist fortan sein Begleiter. Hatte Jakub eben noch eine Begegnung mit dem russischen ersten Astronauten, dem Hund Laika, so ist er nun mit jemanden Konfrontiert, der sich auf die Kunst des Gedankenlesens versteht. Dabei wühlt er in den Erinnerungen Jakubs. An seine regimetreuen Eltern, die mit der Wende in die Bedeutungslosigkeit stürzen und eines ungeklärten Todes sterben. An das Leben auf dem Bauernhof der Großeltern, die ihn aufziehen und durch ein Opfer seines Vaters davon verjagt werden.
Mit Jakub gewinnt das Land, was es am dringendsten braucht, ein Vorbild. Er wird zum Astronauten und zum Helden wider Willen. Als er durch eine Verkettung hanebüchener Zufälle dennoch gerettet wird, beschliesst er, sich nicht zu erkennen zu geben. Er kommt als einer der wenigen Menschen in die Lage, die eigenen Nachrufe lesen zu können. Auch ein Denkmal ist ihm gewidmet. Wer kann so etwas schon von sich behaupten, der noch lebt.

Jaroslav Kalfař Roman ist verrrückt. Zumindest der Protagonist. Ein ungewöhnlicher Roman mit zum Teil überraschenden Wendungen. Die fantastischen Elemente wirken dabei eher zufällig. Jakub ist ein sympathischer Raumfahrer, aber sein Leben ist eher langweilig, die Fahrt in den Weltraum eher eine Flucht vor der Ehe, die darin Gipfel, das seine Frau ihn verlässt, obwohl er mit dem Raumschiff sie bereits weit hinter sich gelassen hat.
Jaroslav Kalfař schuf mit EINE KURZE GESCHICHTE DER BÖHMISCHEN RAUMFAHRT einen Debütroman der den unglaublichen Sozialismus in sich weiterträgt. Obwohl nie genau beschrieben ist der absurd-realistische Sozialismus, die Unterdrückung durch Österreicher, Deutsche, Russen und wen auch immer, latent vorhanden.

Befriedigend ist der Ausgang der Erzählung nicht. Schon ab Mitte der Erzählung bin ich mit dem Fortgang nicht einverstanden, die Handlung zu dünn. Der Rest wird / wirkt in Sachen Humor, gepresst. Der Erzählstil gefällt wenig, er bleibt nicht bei der Sache, schweift ab und nimmt neue Wendungen und irgendwann einmal hat man den Anschluss verpasst, sofern es einen gab. Die erste Spannung, die aufkam wird totgeschrieben. Eine interessante Geschichte, die leider an Witz und Philosophie krankte, die aber grossartig propagiert wurde. eine tolle Romanidee, bis etwa zur Mitte des Romans. 

Jugendliteratur

Boris Pfeiffer CELFIE UND DIE UNVOLLKOMMENEN
Titelbild: Marcus Dörr
Franckh Kosmos Verlag (5.10.2017) 299 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-440-15194-5
www.kosmos.de

Boris Pfeiffer wurde 1964 in Berlin geboren, wo er auch seine Kindheit verbrachte. Er machte Abitur, wurde Buchhändler und Taxifahrer, studierte Sprachwissenschaften und Landschaftsplanung an der TU-Berlin und Drehbuch an der Berliner Filmhochschule. Anschließend arbeitete er als Regieassistent und Regisseur an verschiedenen Theatern. 1994 wurde sein erstes Theaterstück für Kinder am Berliner GRIPS Theater uraufgeführt. 2003 erschien sein erstes Kinderbuch: KIRA UND BUTTERMILCH. Inzwischen hat er über 80 Theaterstücke und Bücher geschrieben. Er erfand UNSICHTBAR UND TROTZDEM DA!, DIE AKADEMIE DER ABENTEUER und gemeinsam mit André Marx DAS WILDE PACK. Er schrieb über vierzig Bände der Kult-Reihe DIE DREI ??? KIDS. Von ihm stammen die Jugendromane BABY IM BAUCH? und ONE NIGHT STAND und mehrere, teils preisgekrönte, Theaterstücke, die im Kiepenheuer Bühnenverlag erscheinen. Seine Bücher haben in Deutschland eine Gesamtauflage von über einer Million Exemplaren erreicht und seine Geschichten wurden in bislang sieben Sprachen übersetzt. Boris Pfeiffer wird als guter und beliebter Vorleser häufig und regelmäßig an Schulen und Bibliotheken in ganz Deutschland eingeladen und hält Lesungen. Seine Bücher sind nahezu jedem Grundschulkind im deutschsprachigen Raum bekannt. 2012 benannte sich die Schulbibliothek der Karl-Sellheim-Schule in Eberswalde ihm zu Ehren in ,Boris-Pfeiffer-Schulbibliothek'. Boris Pfeiffer ist Mitglied im renommierten Friedrich-Bödecker-Kreis und arbeitet mit verschiedenen Institutionen in Berlin und auf Bundesebene für die Verbesserung der Lesefähigkeiten von Kindern und Schülern in Deutschland.

Celfie Madison ist ein ganz besonderes Mädchen. Dabei gelingt es Marcus Dörr, dieses Mädchen der Beschreibung nach gelungen auf das Titelbild zu bannen. Gerade die Augen sind es, die den möglichen Käufer in den Bann ziehen. Ihr sieht man nicht an, dass sie sich auf der Flucht aus dem Moonson Tower vor Glenn Single Despott befindet. Celfie kommt aus Farbek, wo sie von Glenn entführt wurde. In der Menschenwelt gelandet, hat sie erst keine Freund. Dann gelingt es ihr, weitere Freunde zu finden. Etwa die Maus Fluschfummel, Zittermesser und Kyle, der Keil. Sie alle leben in Farbek, sind aber in unserer richtigen Welt nichts anderes als Grafittis. Celfie kann diese in unserer Welt zum Leben erwecken. Und wie es der Titel bereits aussagt, sind diese nicht vollkommen, jeder hat seine Fehler, mit denen er leben muss. Aber niemand kann behaupten, diese Fehler seien lebensuntüchtig. Im Gegenteil, wer mit seinen Fehlern lebt, kann diese durch eigenes Zutun ändern. Celfies Talent ist jedoch ihre grösstes Problem, denn Glenn Single Despott will sich nicht nur die reale Welt, sondern auch Farbek untertan machen. Das kann nicht gut gehen und so sucht sich Celfie Hilfe in ihrer Welt, in die sie wieder zurück will und der richtigen Welt. Gemeinsam besteht man gegen den Bösewicht. In der Geschichte lernt man beide Seiten und sogar verstehen.
Die vielfältigen Wendungen sorgen für eine vielfältige andauernde Spannung, abgestimmt auf Jugendliche ab 11, 12 Jahren. Dazu trägt auch die Schrift bei. Groß lesegerecht. Viel Überraschendes und Vorhersehbares geschieht. Für einen Vielleser nicht gerade das interessanteste Buch, für Gelegenheitsleser jedoch sehr schön beschrieben. Ein paar neue / andere Ideen, die in den üblichen Phantastikbüchern nicht vorkommen, sorgen für bessere Unterhaltung.
Das Buch ermuntert seine eigene Fantasie auszuleben. Es ermutigt die jungen Leser für seine Belange einzustehen. Und wenn man etwas nicht allein machen kann, sucht man sich Freunde. Nur gemeinsam ist man stark. 

TIMELESS
Armand Baltazar RETTER DER VERLORENEN ZEIT
Originaltitel: diego and the rangers oft he vastlantic (2017)
Übersetzung: Tanja Ohlsen
Titelbild und Zeichnungen: Armand Baltazar
cbj Verlag (24.10.2017) 616 Seiten 19,99 €
ISBN: 978-3-570-17447-0 (gebunden)
www.randomhouse.de

Die Zeitkollision war eine Katastrophe kosmischen Ausmaßes, die Zeit und Raum aufspaltete und die Erde auseinanderriss. Die Überlebenden kommen aus den unterschiedlichsten Kulturen und Epochen. In dieser neuen Welt lebt Diego Ribera.
Doch nicht alle sind an einem friedlichen Zusammenleben in diesem neuen Zeitalter interessiert, und so wird Diegos brillanter Erfinder-Vater entführt. Er soll den Zeitbruch – und somit die letzten 15 Jahre – ungeschehen machen. Diego muss sich auf eine gefährliche Reise begeben, um seinen Vater, seine eigene Existenz und die Zukunft der Welt zu retten … (Verlagstext)

Das Buch beginnt mit dem Titelbild und wird mit vielen Zeichnungen des Autors, alle in Farbe, bestens aufgelockert und ergänzt. Und um es vorweg zu sagen, es ist das schönste Jugendbuch dass ich dieses Jahr in Händen hielt. Hier passt einfach alles, weil der nicht untalentierte Autor auch als nicht untalentierter Zeichner seine eigene Geschichte bildlich darstellte.

Der 13jährige Diego Ribera lebt in der Gegenwart des 23sten Jahrhunderts. Dies ist die Zeit nach der Zeitkollision, das war vor 15 Jahren. Dieser Unfall der Geschichte sorgte dafür, dass sich die Welt mit unterschiedlichsten Zeiten behelfen muss. Die Menschen verschiedenster Epochen leben nun zusammen und müssen irgendwie zusammenleben. Diegos Vater ist einer der besten Mechaniker seiner Zeit und natürlich der vorhergehenden Zeiten. Als sein Vater entführt wird, beschließen er, sein Freund Petey und die beiden Mädchen Lucy und Paige sich auf ein Abenteuer einzulassen, das ihr Leben verändern wird. Es gilt den Herrn Papa zu retten. Und mit der Rettung würde auch die eigentliche Welt vor ihrem Ende retten. Nur wäre es so schlecht, wenn die Zeitkollission nicht stattfinden würde? Diegos Vater soll gezwungen werden, diesen Zeitbruch ungeschehen zu machen. Wenn dies gelingt sind aber Diego und seine Freunde Geschichte, denn sie werden in dieser Art sicherlich nicht wieder zusammen kommen.
TIMELESS – RETTER DER VERLORENEN ZEIT ist Band eins der Timeless-Reihe geschrieben von Autor Armand Baltazar. Mit seiner Idee, der Kollission zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat er zwar nichts Neues geschaffen, aber seine Geschichte ist einer der interessantesten in diesem Jahr. Wie überhaupt das ganze Buch das schönste Jugendbuch des Jahres ist. Dazu gehören nicht nur das phantastische Titelbild, sondern auch die vielen farbigen und grossformatigen Zeichnungen. Die grosse Schrift sorgt zudem dafür, dass das Buch für die Lesegewohnheiten der Jugendlichen ausgerichtet wurde. Die Charaktere, die auf den Innenseiten des Umschlages abgebildet wurden, sind sympathisch ausgearbeitet.
Diego ist die Hauptfigur und als 13jähriger Jugendlicher eine starke Persönlichkeit. Manchmal habe ich jedoch den Eindruck hier keinen 13jährigen vor mir zu haben sondern einen 16jährigen. Die Geschichte selbst überzeugt und ihre wundersamen Wendungen, ewig neue Ideen und Ereignisse, sorgen für viel Abwechslung. Der Spannungsbogen hält sich über das ganze Buch, was es für mich einfach machte es an einem Stück und schnell durchzulesen. Der Schreibstil ist flüssig, wodurch man nicht merkt das man liest. Das Kopfkino ist dabei ständig eingeschaltet. 

DIE DUNKLEN MÄCHTE 2
Cassandra Clare LORD OF SHADOWS
Originaltitel: Lord of Shadows (2017)
Übersetzung: Franca Fritz und Heinrich Koop
Titelbild: Cliff Nielsen
Wilhelm Goldmann Verlag (09.10.2017) 828 Seiten 19,99 €
ISBN: 978-3-442-31425-6 (gebunden mit Schutzumschlag)
www.goldmann-verlag.de

Im vorliegenden Band dreht sich um die einzelnen Handlungsträger. Die Handlung der Geschichte, das was eine Erzählung ausmacht, vermisste ich. Ich hatte eher den Eindruck einer Doku-Soap des amerikanischen Fernsehens wo die Handlungsträger und deren Entwicklung und ebenso die Beziehungen untereinander im Vordergrund stehen. Vergangenheitsbewältigung wäre dann der nächste Schritt. Allein durch den Eindruck einer Doku-Soap wurde es mir an einigen Stellen zu kitschig und melodramatisch. Das liegt auch sicherlich daran, dass ich ein Mann und kein junges Mädchen bin. Die Welt der Schattenjäger ist sicherlich faszinierend. Die ihr eigene, atmosphärisch dichte Welt mit Magie und Mystik, angesiedelt im modernen Los Angeles, wirkt in jedem Fall faszinierend. Die Autorin Cassandra Clare folgt den seit langen eingetretenen Pfaden der Fantasy-Literatur. Es bietet wenig Neues, dafür aber abwechslungsreich. Bekannte und vertraute Muster sorgen dafür, dass man das Buch schnell lesen kann und es nicht langweilig wirkt, auch wenn es hauptsächlich um Personen wie Emma Carstairs geht und nicht um die Weiterführung einer Handlung. Für manche ist die verbotene Liebe zwischen Emma und ihrem Parabatai Julian, also zwischen den Kampfgefährten eine interessante Handlung, für andere eher nicht. Der junge Kit, dessen Vater verstarb, sucht immer noch seinen Platz in der neuen Welt. Das sind zwei Punkte die in den Vordergrund treten. Machtkämpfe, die intern entbrennen und mit zunehmender Härte ausgeführt werden, sind da schon interessanter, aber leider nicht so häufig und vor allem ausführlich dargestellt. 

Fran Wilde STADT AUS WIND UND KNOCHEN
Originaltitel: updraft (2016) Übersetzung: Marie-Luise Bezzenberger
Titelbild: Jorge Jacinto
Knaur Verlag (11/2017) 394 Seiten 12 €
ISBN: 978-3-426-52063-5 (TB)
www.knaur.de

Mit STADT AUS WIND UND KNOCHEN hat die amerikanische Debüt-Autorin Fran Wilde einen epischen High-Fantasy-Roman vor einer atemberaubenden Kulisse geschaffen
Mit der Magie ihrer Stimmen haben die Sänger vor langer Zeit Chaos und Krieg beendet. Seitdem herrschen sie unangefochten in der Stadt der beinernen Türme hoch über den Wolken. Sie sind Hüter des Gesetzes, Bewahrer der Traditionen und die Einzigen, die die Knochentürme weiterwachsen lassen können.
Als die junge Kirit die Aufforderung erhält, sich den Sängern anzuschließen, ahnt sie nicht, dass im Inneren der geheimnisvollen Knochennadel ihr Weltbild ins Wanken geraten wird – und mit ihm alles, was der Stadt der beinernen Türme Frieden und Sicherheit garantiert.
Die faszinierende Geschichte der jungen Sängerin Kirit in der STADT AUS WIND UND KNOCHEN wurde 2015 mit dem Andre Norton Award ausgezeichnet. (Verlagstext)
Ein bemerkenswerter Jugendroman in gelungener Übersetzung. Fran Wilde erschafft ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, die manches Mal wünschenswerter ist, als die eigene, aber im Grunde genommen die Härten des Erwachsenwerden in einer Gesellschaft des Mangels beschreibt. Im Mittelpunkt stehen Kirit und Nat. Sie leben in Densira der Stadt der knöchernen Türme. Die beiden Nachbarskinder leben gemeinsam mit ihren Müttern in einem knöchernen Turm. Jeder Turm und jede Etage hat seine Besonderheit. Der höchste der Türme, der sogenannte Spire, steht im Mittelpunkt aller und ist so etwas wie das Wahrzeichen.
Er ist gleichzeitig der Sitz der Regierung, repräsentiert durch die Sänger, die in allem hart durchgreift. Die Sänger regeln die Gesetze und achten die Traditionen. Aber auch eine hart regierende Oberschicht hat Feinde, vor allem in Form der sogenannten Himmelsschlünde. Es ist die 17jährige Kirit, die mit einem lauten Schrei einen dieser Himmelsschlünde in die Flucht schlägt.
Sänger Wik konnte diese Szene beobachten. Er hofft, Kirit wegen dieser wundervollen Gabe sich zu einer Sängerin ausbilden zu lassen. Dazu muss sie aber in den Spire. Daher weigert sie sich und als Strafe erfolgt, trotz bestandener Flugprüfung, ein Verbot des Fliegens. Die Menschen können nicht wirklich fliegen, sie besitzen jedoch spezielle Anzüge, mit denen sie fliegen können. Damit sind aber ihre Träume, wie ihre Mutter als Händlerin zu arbeiten, dahin. Eine Grund-voraussetzung ist, dass man fliegen kann und vor allem, darf. Diese erfüllt Nat leider nicht, er fällt durch die Prüfung. Das eigentliche Abenteuer beginnt, als sich die beiden Freunde auf machen, unerlaubt und ungesehen in den grössten Turm einzuschleichen. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie einen alten Mann im eigenen Turm treffen, der Nats Vater gekannt hatte. Bei den Sängern des Spire-Turmes in Ungnade gefallen, wurde er vom höchsten Turm zu Tode gestürzt. Jener alte Mann mit geheimnisvollen Nachrichten, ist der eigentliche Auslöser für das Abenteuer.
Die Handlung ist bildhaft, lebendig und recht glaubhaft dargestellt. Die Charktere sind sympathisch und vor allem Kirit ist die treibende Kraft. Sie wird in ihrer Gefühlswelt in Höhen gejubelt und Depressionen gestürzt, vor allem als sie der Meinung ist, ihren Freund Nat getötet zu haben. Kirit ist selbstbewusste und freundlich, versucht, ihren eigenen Weg zu gehen. Mal mit, mal ohne ihren Freund, jedoch nie gegen ihn, bis auf eine Ausnahme. Die Geschichte erzählt ihren Weg von der Sängerin zur Retterin der Stadt. Die ungewöhnliche Erzählung hat ihren besonderen Reiz, auch wenn sie in vielen Dingen unglaubwürdig und wenig logisch dargestellt wird. Aber dafür ist es Phantastik, da drücke ich schon mal ein Auge zu. 


Krimi / Thriller

Sebastian Fitzek FLUGANGST 7A
Droemer Knaur Verlag (25.10.2017) 400 Seiten 22,99 €
ISBN: 978-3-426-19921-3
www.knaur.de

Als der Psychiater Mats Krüger vor 4 Jahren fluchtartig Deutschland verlässt um nach Argentinien abzuhauen, hat er eigentlich nicht vor, wieder zurück zu kommen. Er hat seine todkranke Ehefrau am Sterbebett zurückgelassen, weil er es nicht ertragen konnte, ihr beim Sterben zu zusehen. Dadurch hat er den Kontakt zu seiner Tochter Nele auch verloren. Nun bittet Nele ihren Vater, ihr bei der Geburt ihres Kindes beizustehen und Mats fliegt nach Berlin. Auf den Flug hat er sich lange und ausgiebig vorbereitet, leidet er doch unter extremer Flugangst. Er kennt alle Statistiken von Abstürzen und bucht gleich 4 Sitzplätze, damit er im Extremfall auf einen sicheren Platz wechseln kann. Sitzplatz 7 a hat z. B. die geringsten Über-lebenschancen. In der Hoffnung, alles unter Kontrolle zu haben, begibt er sich auf den Weg. Aber schon kurz nach dem Start wird er eines besseren belehrt. Er bekommt einen Anruf, dass seine Tochter Nele entführt wurde und noch in dieser Nacht entbinden wird. Schafft es Mats nicht, das Flugzeug bis zur geplanten Landung in Berlin zum Absturz zu bringen, wird seine Tochter sterben. Zum Beweis erhält er auch gleich ein Video seiner gefesselten Tochter, auf dem sie gefoltert wird. Der Auftrag lautet, Mats soll seine frühere Patientin, Katja, die auch an Bord ist, dazu bringen, den Amoklauf auszuführen. Katja hat als Schülerin erst einen Amoklauf überlebt, dann, psychisch völlig labil, selbst einen verüben wollen. Mats konnte sie in vielen Sitzungen therapieren, nun soll er innerhalb weniger Stunden diese Therapie und damit Katjas Seele zerstören. Und mit ihr das Leben von hunderten Unschuldigen gleich mit. Mats ist hin und hergerissen und sucht fieberhaft nach einem Ausweg. Er telefoniert heimlich mit einer früheren Kollegin aus Deutschland, Felicitas Heilmann. Mit ihr hatte er in der Todesnacht seiner Frau eine kurze Affäre. Das Feli ausgerechnet heute heiraten will konnte Mats nicht wissen. Er bittet sie dennoch, schnellstmöglich Informationen zu Neles Aufenthaltsort zu sammeln und Feliciatas macht sich tatsächlich auf die Suche. Dabei begibt sie sich in immer größere Gefahr und muss ihren Bräutigam auch noch irgendwie besänftigen. Unterdessen leidet Nele Höllenqualen.

Wie alle Bücher von dem Autor ist auch dieser Fall mehr als spannend und es fällt einem schwer, das Buch aus den Händen zu legen. Man kann sich sehr gut in das Dilemma hineinversetzen, in dem Mats sich befindet. Das Leben seiner Tochter gegen das aller Passagiere an Bord? Oder muss er Nele ein weiteres Mal im Stich lassen? Wie aber soll er dann damit weiterleben? Etwas unglaubwürdig wird die ganze Geschichte am Ende, aber bis dahin hat man als Leser genug Gänsehaut erfahren. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Story aus der Sicht der handelnden Personen erzählt wird und diese auch immer mit Namen über den Kapiteln stehen. So kann man der Geschichte besser folgen als es in anderen Büchern oft der Fall ist. Leider blieben am Ende für mich ein paar Fragen unbeantwortet.
Susanne Giesecke 

Veronika Bicker DENN DIE NACHT BRINGT DAS MEER
Titelbild: Annelie Lamers
Acabus Verlag (09/2017) 275 Seiten 14 €
ISBN 978-3-86282-500-4
www.acabus-verlag.de

„Schlafe, Kind, schlafe, denn die Nacht bringt das Meer und das Meer bringt den Schlaf“

Marit hat sich lange für ihr Hotel aufgeopfert und hatte nur wenig Zeit für ihre Tochter Janna. Einzig einen Urlaub an der Nordsee gönnte sie sich mit der damals Neunjährigen. Und dieser Urlaub endete fast in einer Katastrophe, als Janna ein Boot klaut und aufs Meer hinaus paddelte. Sie konnte in letzter Sekunde gerettet werden. Janna erzählte vorher viel von ihrem imaginären Freund Tomme, den sie im Urlaub erfand. Dies tut Marit als Spinnerei der Tochter ab und merkt erst viel später, dass sie es ernster hätte nehmen müssen.
13 Jahre danach übernimmt Janna das Hotel und ihre Mutter zieht auf die Nordseeinsel Nordersiel, der damaligen Urlaubsinsel. Von einem ehemaligen Hotel-gast hat sie das Angebot bekommen, vorerst in seinem alten Leuchtturm zu wohnen und sich auf der Insel erst mal einzuleben. Der Turm soll anschließend verkauft werden. Janna findet den Plan ihrer Mutter völlig verrückt und die beiden geraten in Streit.
Am Leuchtturm angekommen bekommt Marit plötzlich auch weiche Knie, will ihren Traum vom Leben am Meer aber unbedingt durchziehen. Aber schon in der ersten Nacht erscheinen ihr mysteriöse Gestalten und sie hört Stimmen. Erstmal tut sie diese Vorkommnisse als Hirngespinste ab, aber irgendwann kann sie nicht mehr leugnen dass es bei ihr spukt und sie beginnt zu recherchieren. Dabei findet sie heraus, dass es vor vielen Jahren tatsächlich einen Jungen namens Tomme gab und er ertrunken ist. Damals wurde sein Vater verdächtigt, seinen Sohn umgebracht zu haben und wurde verurteilt. Im Dorf glauben viele Bewohner an den Geist von Tomme. Marit ruft ihre Tochter im Schwarzwald an und möchte mir ihr über Tomme reden. Diese aber reagiert ungewohnt eisig und verbietet ihrer Mutter weitere Nachforschungen anzustellen. Das macht Marit noch mißtrauischer und sie will unbedingt hinter das Geheimnis der Beiden kommen. Von den Dorfbewohnern bekommt sie einige Informationen und bringt noch mehr Geheimnisse ans Licht. Als dann eine weitere Jugendliche auf dem Meer ums Leben kommt, gerät auch Marit in Lebensgefahr, zusammen mit dem Inselbewohner Peer, mit dem sie sich angefreundet hat und der ihr gerne behilflich ist.

Ich fand das Buch unheimlich spannend gerade weil es nie ganz klar war, ob es wirklich den Geist von Tomme gibt und wer da nachts im Leuchtturm spukt. Ich hätte es in diesem abgeschiedenen Turm keine 5 min ausgehalten. Die Landschaft und das Dorf sind so anschaulich beschrieben das ich mir alles lebhaft vorstellen konnte. Sicher auch, weil ich ein Fan der Nord- und Ostsee bin. Die Autorin hat einen flüssigen Schreibstil dem ich gut folgen konnte. Auch das Titelbild hat mich überzeugt, da es genau die düstere Stimmung ausdrückt, die der Nordsee Krimi beschreibt.
Veronika Bicker wurde 1978 geboren und schreibt seit ihrer Schulzeit Kurzgeschichten und Romane. Sie studierte Ökologie und widmet sich seit Abschluss des Studiums ganz dem Schreiben. DENN DIE NACHT BRINGT DAS MEER ist ihr erster Mysterythriller. Sie lebt mit ihrer Familie in Stolberg.
Vielen Dank an Björn für dieses sehr gelungene Geburtstagsgeschenk auf dem BuCon in Dreeich. Susanne Giesecke 

Charlotte Link DIE ENTSCHEIDUNG
Umschlaggestaltung: buerosued
Blanvalet (10/2017) 575 Seiten 9,99 €
ISBN 978-3-7341-0522-7
www.blanvalet.de

Der geschiedene Familienvater Simon plant, das Weihnachtsfest im Ferienhaus seines Vaters in Frankreich zu verbringen. Dorthin lädt er seine zwei kleinen Kinder ein. Da die beiden Kids nichts von seiner neuen Freundin wissen sollen muss diese zu Hause bleiben. Dies stinkt ihr gewaltig, ist sie doch eh der Meinung, dass Simon sich von seiner Exfrau immer rumschubsen lässt und er sich endlich mal durchsetzen sollte. Als die beiden Kinder kurz vor Antritt der Reise absagen bittet Simon seine Freundin, nun doch mit ihm zu fahren, aber statt sich darüber zu freuen macht sie Schluss mit ihm.
Nun sitzt er ihm verregneten Frankreich und hadert mit seinem Schicksal.
Bei einem Strandspaziergang trifft er auf die junge, völlig verzweifelte Nathalie, die am Ende ihrer Kräfte scheint und gerade mächtig Ärger mit einem Hausmeister hat, in dessen Wohnungsblock sie illegal genächtigt hat. Simon beobachtet den Streit und nimmt das junge Mädchen mit in das Strandhaus. Kaum sind sie dort, bereut er auch schon was was er getan hat und möchte Nathalie schnellstmöglich wieder loswerden, aber das gestaltet sich als äußerst schwierig. Sie ist nicht nur vor der Polizei auf der Flucht, sondern auch vor einer skrupellosen Mädchenhändlerbande, die über Leichen geht um Nathalie zu finden. Warum die hinter ihr her sind kann sich die junge Frau aber auch nicht erklären. Ehe sich Simon versieht ist er in die Geschichte verstrickt und muss auch um sein Leben fürchten.
Auch dieses Werk von Charlotte Link baut wieder mehrere Handlungsstränge auf welche sich nach und nach zusammenfügen. Den Überblick verliert man dadurch zum Glück nicht, auch wenn es die eine oder andere Reise in die Vergangenheit gibt.
Neben der Story um Simon und Nathalie suchen in Bulgarien die verzweifelten Eltern Kiril und Ivana ihre Tochter Ninka. In einer Notsituation hatten sie diese an eine Modelagentur „verkauft“, in dem Glauben, ihr ein besseres Leben zu ermöglichen. Aber schnell merken sie, dass es die Agentur gar nicht gibt und sie auf Menschen-händler reingefallen sind. Können sie Ninka aus den Fängen der Verbrecher noch vor der drohenden Prostitution retten?

Mich überzeugen die Bücher von Fr. Link immer wieder. Einmal angefangen fällt es sehr schwer sie zur Seite zu legen. Der Schreibstil fesselt mich von der ersten Seite an und zieht mich immer weiter in seinen Bann.
Die Protagonisten werden anschaulich beschrieben und ich fand vor allem Simon sehr sympathisch. Der arme Kerl stolpert von einer Scheiße in die nächste und lässt sich von jedermann auf der Nase herumtanzen, aber daran wächst er auch und zum ersten Mal in seinem Leben muss er Verantwortung für sein Handeln übernehmen und Entscheidungen selber treffen.
Nathalie hingegen ist ziemlich nervig, aber auch sie ist ein Opfer der Liebe und gänzlich unschuldig in die Sache hineingeschlittert.
Ich kann DIE ENTSCHEIDUNG mit gutem Gewissen weiter empfehlen und wünsche jedem dabei so viel Vergnügen wie ich es hatte. Macht es euch mit Tee und Keksen vor dem Kamin gemütlich und freut euch auf ein paar unterhaltsame Stunden. Susanne Giesecke 


David Whish-Wilson DIE RATTEN VON PERTH
Originaltitel: Line of Sight Übersetzung: Sven Koch
Titelbild : zero-media.net
Suhrkamp (2017) 298 Seiten 9,99 €
ISBN : 978-3-518-46805-0

1975 wird in Perth die Chefin eines Luxusbordells hingerichtet. Es besteht kein Zweifel, dass Polizisten dies getan haben. Die Ermittlungen dazu verlaufen aber im Sande. Superintendent Frank Swan ermittelt daraufhin auf eigene Faust und sein Ruin scheint beschlossene Sache zu sein. Gegen ihn läuft ein aufwendiges Verfahren um John aus dem Verkehr zu ziehen. Swan aber schlägt zurück und gefährdet dabei nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Familie. Gleichzeitig will er das Verschwinden einer seiner Töchter aufklären.

So leid es mir tut, ich konnte dem Buch überhaupt nicht folgen und habe es nach mehreren Anläufen aufgegeben. Die Story ist düster und deprimierend geschrieben. Ich mag auch keine Geschichten die in der Vergangenheit spielen, das hat mir das Lesen sicher auch erschwert und dafür kann der Autor natürlich nichts. Es war einfach nicht meine Story und ich bin während des Lesens immer wieder mit den Gedanken abgeschweift. Die vielen Namen der handelnden Personen,von denen immer Neue hinzukamen, konnte ich mir auch nicht merken. Ich werde dieses Buch nicht bewerten und hoffe das es bessere Rezensionen bekommt von Lesern, die mit diesem Genre mehr anfangen können als ich. Der Trilogie folgen demnächst noch die Bände ZERO AT THE BONE und OLD SCORES.

Daniel Whish-Wilson wurde 1966 in Newcastle geboren und wuchs in Singapur auf. Er lebte auch in Europa, Asien und Afrika, jobbte als Barkeeper, Straßenverkäufer, Kammerjäger, Schauspieler und Testpatient. Zur Zeit lehrt er an der Curtin University Creative Writing.


Hörspiele

H. G. Wells DAS IMPERIUM DER AMEISEN
Originaltitel: The Empire of the Ants
Buch, Schnitt und Regie: Oliver Döring
Sprecher: Julien Haggége, Carlos Lobo, Douglas Welbat, Oliver Stritzel, Boris Tessmann, Daniel Montoya und Joachim Kerzel
Folgenreich (24.11.2017) 1 CD = 56 Minuten 7,49 €

Herbert George Wells wird als Autor hauptsächlich mit DER KRIEG DER WELTEN und DIE ZEITMASCHINE in Verbindung gesetzt. Dass H. G. Wells in Deutschland vor allem für seine Science-Fiction-Bücher bekannt ist, vernachlässigt, dass er auch zahlreiche realistische Romane verfasste.
Da die Rechte an seinen Werken inzwischen frei geworden sind, steigt die Zahl der Veröffentlichung und auch unbekanntere Werke in Deutschland erhalten nun ihre Chance. Dies gilt für die am 24.11. erschienene Erzählung EMPIRE OF THE ANTS das hier den deutschen Titel DAS IMPERIUM DER AMEISEN trägt.

Beginnen wir doch einfach mal mit einem Zitat aus dem Buch:
"Seit die Menschen damit begonnen haben, den Regenwald aus reiner Gier Stück für Stück zu vernichten, glauben viele hier, dass sich die Natur eines Tages rächen wird. Dass der Regenwald ein Wesen erschaffen wird, das die Menschen für ihren Frevel bestrafen wird.”
Gerilleau (Zitat aus der 1905 veröffentlichten Kurzgeschichte DAS IMPERIUM DER AMEISEN)

Christiane Henkel schrieb fast hundert Jahre später (18.11.2004) einen Artikel für Zeit Online unter dem Titel SCHÄTZE AUS DEM URWALD. Darin greift sie die Gier der Pharmakonzerne nach den Schätzen des Urwaldes auf. Auch Sandra Henke nimmt sich dieses Themas bei National Geographic im Heft 11 von 2012 an. Die Pharmakonzerne gehen inzwischen sogar soweit, dass sie Pflanzen und Pflanzenteile aus dem Urwald patentieren lassen wollen.
In dieser Erzählung THE EMPIRE OF THE ANTS, speziell in diesem Hörspiel geht es jedoch noch nicht um Rechtesicherung, sondern das Auffinden besonderer Tiere. Im speziellen eine neue Ameisenrasse.
Lukas Holroyd, seines Zeichens Biologe, fliegt im Auftrag seiner Firma nach Südamerika. Hier fand man eine neue Ameisenrasse, die ein besonders gefährliches Gift in ihren Drüsen herstellt. Herr Holroyd ist nicht gerade begeistert. Als Grossstädter ist ihm der Urwald, fernab jeglicher Zivilisation eher fremd und abschreckend. Für einen kleinen Karrierekick nimmt er es jedoch auf sich, die schwüle Hitze eines undurchdringlichen Urwaldes zu ertragen. Ebenso eine unbekannte Fauna und Flora, die immer noch mit neuen Überraschungen aufwartet.
Der mächtige Amazonasregenwald erstreckt sich über grosse Teile Südamerikas und ist eine Gegend die sehr schwer zu erreichen ist. So besitzt seine Firma eine kleine Station in Loreto, aber es meldet sich keiner mehr. Der Kontakt zu den Menschen vor Ort ist abgebrochen. So ist Holroyd ziemlich auf sich selbst gestellt, als er mit Kapitän Gerilleau und dessen Kanonenboot zur Forschungsstation mitten im Urwald aufbricht. Nicht lange, und sie machen Bekanntschaft mit den Ameisen.
Wer den Text liest, wird sicherlich an Filme wie FORMICULA erinnert, nur dass hier als Biotop die Wüste herhält oder Bert I. Gordons 1977 gedrehten Film IM BANN DER RIESENAMEISEN. Basierend auf der Kurzgeschichte von H.G. WELLS präsentiert Oliver Döring mit diesem Öko-Mystery-Thriller ein spannendes und furchterregendes Hörspiel. Er zeigt damit aber auch, dass H. G. Wells visionäres Werk bis heute aktuell geblieben ist. Ja möglicherweise sogar aktueller als damals.
DAS IMPERIUM DER AMEISEN stellt hohe Ansprüche an seine Sprecher. Dabei versammelte er sehr bekannte Stimmen für diesen Öko-Thriller, der zu Wells Zeiten nicht so genannt werden konnte. Heute ist das Hörspiel beklemmend, weil die Idee immer noch funktioniert. Es könnte ja sein, dass ... Gut, wir fliegen zum Mond, kennen sogar seine Rückseite, aber grosse Teile der Urwälder und vor allem die Tiefsee sind noch unerforscht. Die Entdeckermentalität aus der Zeit von Wells, als Afrika und andere Kontinente erforscht und erobert wurden kommt nicht ganz zum Tragen. Aber der Ökologische Aspekt, die Vernichtung der Wälder durch den Menschen, und Mutter Natur, die sich langsam wehrt, kommen gut zur Geltung. 

Wer sich für die Erzählung etwas mehr interessiert, der folge dem Hinweis auf:
GRUSELKABINETT136: DAS KÖNIGREICH DER AMEISEN, welches am 27. April 2018 bei Titania Medien erscheinen wird.

Moira Young EIN ENGEL FÜR MISS FLINT
Originaltitel: the road to ever after (2016)
Übersetzung: Alice Jakubeit
Titelbild: Ji-Hyuk Kim
Fischer Verlag (11/2017) 219 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-29836-5
www.fischerverlage.de

Moira Young, geboren und aufgewachsen in British Columbia im Westen Kanadas, trat als Schauspielerin und Opernsängerin in Kanada und Europa auf. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin in Bath, England. Ihre DUSTLANDS-Trilogie erschien in zahlreichen Ländern und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet.
Davy David, ein 13-jähriger Waisenjunge, lebt in Brownvale, einer Stadt der harten Herzen, die von einem strengen Pastor beherrscht wird. Davy ist künstlerisch begabt und liebt es, heimlich Renaissance-Engel in den Staub auf Straßen und Höfen zu zeichnen. Er ist allein, abgesehen von einem kleinen Hund, der ihm überall hin folgt, jobbt und verbringt viel Zeit in der Bücherei, um sich Anregungen für seine Engelbilder zu holen. Eines Tages begegnet er einer älteren Dame, die einen besonderen Auftrag für ihn hat: Er soll sie mit ihrem alten Auto zu ihrem Elternhaus fahren, wo sie am ersten Weihnachtsfeiertag zu sterben gedenkt. Und so brechen Davy, der Hund und Miss Flint zu einer unvergesslichen Reise auf. (Verlagstext)

Im Roman von Moira Young geht es um den 13-jährigen Jungen Davy David, der in der deprimierenden Stadt Brownvale lebt. Davy ist Vollwaise. Er lebt in einem Dorf, wo der Pfarrer das Sagen hat. Er hat kaum Freunde, dafür umso mehr Widersacher, die ihn drangsalieren. Er jobbt ein wenig, um Geld zu verdienen und verbringt seine ziemlich grosse Freizeit damit, Engelsbilder in die Erde zu malen. Im ganzen Dorf sind seine Erzengel zu finden. Und damit dem gutgläubigen aber ebenso ungemein fiesen Pfarrer Fall ein Dorn im Auge, denn ein 13jähriger Davy ist kein Michelangelo.
Ein fantastischer Roman mit liebevoll beschriebenen Personen ja, Persönlichkeiten. Moira Young gab sich mit der Entwicklung sehr viel Mühe. Die starke Figur, die Davy darstellt, konnte voll und ganz überzeugen. Er ist hilfsbereit, was man bei einem Kind nicht unbedingt findet, da geht es eher um Selbstsucht statt Selbstlosigkeit. Das Leben für Davy ist nicht einfach, trotz seines sonnigen Gemüts. Dass er Miss Elizabeth Flint trifft, ist für ihn ein Glücksfall. Sie verhilft Davy zu einem besseren Leben. Damit scheint das Happy End der Erzählung vorhersehbar.
Der Schreibstil der kanadischen Autorin ist flüssig und gut zu lesen. Die Übersetzerin hat hier eine tolle Arbeit geleistet. Der Schreibstil und die Sprache stellen keine hohen Anforderungen. Schön zu lesen. 

Andreas Winkelmann KILLGAME
Sprecher : Simon Jäger
Argon Verlag (03/2016) Spieldauer 11 Std 45 min 9,99 €

Ein junges Mädchen wird in einem Erdloch gefangen gehalten und mehrfach brutal vergewaltigt. Als sie endlich frei gelassen wird geht aber der Horror erst richtig los. Sie rennt in einem abgelegenen Wald um ihr Leben, gejagt von Jägern, die nur ein Ziel haben: den Spaß am Töten zu genießen.
Die 18 jährige Mia haut kurz nach ihrem Geburtstag von zu Hause ab. Sie kann es nicht länger ertragen, mit ihrer toten, wunderschönen Mutter verglichen zu werden. Ihr Vater hat sich nach dem Tod seiner Frau dem Alkohol zugewandt und interessiert sich nicht sehr für Mia. Mias Großeltern hingegen machen sich Sorgen und engagieren Mias Onkel Dries mit der Bitte, die Enkelin zu finden. Dries ist ein gescheiterter Ex Polizist und auf das Auffinden vermisster Personen spezialisiert. Dabei geht er nicht immer zimperlich mit den Leuten um. Zu seiner verstorbenen Zwillingsschwester Jessica hatte er immer eine enge Verbindung, auch nach ihrem Tod. Er verspricht ihr, Mia zu finden.
Diese hat in Deutschland den Italiener Franco kennen gelernt und lebt einige Zeit bei ihm. Gemeinsam lernen sie den alten Mann Walter Busch kennen, der gerne noch einmal zu seinem Haus nach Kanada fliegen möchte, sich dies aber mit seiner angeschlagenen Gesundheit nicht mehr alleine zutraut. Mia ist hin und weg von der Idee, Walter zu begleiten. Franco ist etwas zögerlicher, möchte Mia aber den Gefallen nicht abschlagen, zumal er gerade seinen Job verloren hat. Aber Mia wartet am Tag des Abflugs vergeblich auf ihren Freund und fliegt allein mit Walter nach Kanada. Und wacht wenig später in einem Erdloch auf....
Die erfolgreichen Jungunternehmer Julia, Sebastian, Olaf und Lukas wollen für viel Geld das Abenteuer ihres Lebens erleben und fühlen, wie es ist, einen Menschen zu jagen und zu töten. Das kennen sie sonst nur aus ihren Videospielen, die sie erfinden und mit denen sie reich geworden sind. Nun suchen sie nach neuen Ideen, denn die Konkurrenz ist ihnen auf den Fersen. Sie reisen nach Kanada und werden in der Jagd geschult. Dabei stellen sie sich ziemlich arrogant an, müssen aber schnell lernen, dass ihr vieles Geld in der Wildnis nicht viel Wert ist. Außerdem verfolgen sie nicht ein gemeinsames Ziel und werden so nicht nur für andere, sondern auch für sich selbst zur größten Gefahr.
Dries ist unterdessen der Gruppe und seiner Nichte auf den Fersen...

Auch diese Story von Andreas Winkelmann hat mich wieder gefesselt und ich staune immer wieder, wie abwechslungsreich der Autor schreibt. Die Geschichte ist aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben und auch wenn man schnell ahnt, wer hier Täter und wer Opfer ist, nimmt sich der Autor doch viel Zeit, die Protagonisten vorzustellen und kennen zu lernen. Das Buch nimmt immer mehr an Spannung auf und lebt auch durch die ausführliche Beschreibung der Landschafts Kanada.
Susanne Giesecke 

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