STARLIGHT UNION

Der phantastische
Bücherbrief
für Phantastik / Krimi / Thriller / Jugendbücher



Mai 2017 unabhängig kostenlos Ausgabe 643


Deutsche Phantastik

Die Geheimnisse der Klingenwelt
Ju Honisch Seelenspalter Knaur Verlag
Angelika Diem Drei Tropfen Dunkelheit Machandel Verlag
Herausgeberin Anke Brandt Dark Creature Romantruhe
Michael Peinkofer Tote Helden Piper Verlag
Jutta Ehmke Twilight Zoo Verlag Saphir im Stahl
Herausgeber Marc Hamacher Yo-Ho Piraten Leseratten Verlag
Matthias Oden Junk Town Wilhelm Heyne Verlag
Harald Kaup 2133 A. D. – KOR - Noel-Verlag

Internationale Phantastik

Big Time 1
Jennifer Estep Karma Girl Piper Verlag
Xeelee
Stephen Baxter Vakuum Diagramme Piper Verlag
Brandon Sanderson Schatten über Elantel Piper Verlag
Cassandra Kresnov Trilogie
Joel Shepherd Die Androidin auf der Flucht Fischer Tor Verlag
Timothy Zahn Star Craft - Evolution Panini Books
Wesley Chu Die Wiedergeburten des Tao Fischer Tor Verlag
Rob Boffard Enforcer Wilhelm Heyne Verlag
Ezekiel Boone Die Brut - Sie sind da Fischer Verlag

Jugendliteratur

Charlie Jane Anders Alle Vögel unter dem Himmel Fischer Tor Verlag
Eleanor Herman Göttertochter Fischer Jugend Buch
Liz Jensen Das neunte Leben des Louis Drax dtv Verlag

Star Wars
Lebensschuld
Chuck Wendig Nachspiel Blanvalet Verlag
James Luceno Der Auslöser Blanvalet Verlag
Ben Acker & Ben Blacker Komm zum Widerstand Panini Verlag

Fanzine / Magazine

Follow 434 Fantasy Club e. V.
Comic

Robbie Thompson Venom Space Knight Panini Comics


Deutsche Phantastik

DIE GEHEIMNISSE DER KLINGENWELT
Ju Honisch SEELENSPALTER
Titelbild: Arman Akopian
Knaur Verlag 806 Seiten 12,99 €
ISBN: 978-3-426-51844-1 (TPB mit Klappbroschur)
www.knaur.de

Es sind acht Fürstentümer die sich in ständig wechselnden Koalitionen seit Generationen bekriegen. Ein dauerhafter, stabiler Frieden, von vielen gewünscht, von den Entscheidern unbeachtet, ist nicht in Sicht. Die Welt versinkt in einem Chaos, wo jeder jedem Misstraut. Wissen und Kenntnisse aus der friedvollen Vergangenheit eines grossen Reiches, gehen immer mehr verloren. In diese Welt voller Gewalt lernen wir Maleni kennen, ein kleines Mädchen, in einem bis dahin friedvollem Dorf. Sie muss mit ansehen, wie Soldaten den Heimatort überfallen und ihre ganze Familie vor ihren Augen niedergemetzelt wird. Sie wird von einer Fremden gerettet und bringt sie in Sicherheit. Die Sicherheit ist der geheimnisvolle Orden der Xyi. In der Gemeinschaft des Ordens findet Maleni eine neue Familie. Mit seinen Spionen und Assassinen greift der Orden insgeheim in den endlosen Krieg ein um die eigenen Interessen oder die bezahlten Interessen durchzusetzen. So erhält auch Maleni eine jahrlange Ausbildung zur Assassinin. Dabei spaltet sich in einem geheimen Ritual des Ordens ihre Seele in zwei Teile, die fortan Maleni und Taryah genannt werden und sich Malenis Körper teilen. Taryah ist eine skrupellose Persönlichkeit, die immer dann die Kontrolle über den Körper übernimmt, wenn ein Auftrag erledigt werden muss. Als Maleni eine eigenmächtige Entscheidung trifft, stellt sich ihr Leben auf den Kopf. Als erotische Tänzerin verführt und vergiftet Taryah einen Feldherrn. Bbei der Flucht aus der Festung zögert Maleni, als sie bemerkt, wie Wachen zwei Mädchen vergewaltigen. Sie kann nicht anders, sie muss den Mädchen helfen. Dieser nicht geplante Aufenthalt kostet sie wertvolle Zeit auf ihrer Flucht. Maleni muss kurzentschlossen die Pläne ändern und nun führt ihre Flucht in die Berge. Von den Soldaten des Fürsten eingeholt, scheint ihr Leben ein Ende zu nehmen. Unverhofft erhält sie jedoch Hilfe von einem blauäugigen Fremden, der ihr zu Hilfe eilt und die letzten Soldaten tötet.

Ju Honisch lässt die Hauptdarstellerin Maleni/ Taryah nicht allein und gibt ihr einige weitere Personen an die Hand. Mal positiver mal negativer Natur ergänzen sie die Hauptfigur nicht nur sehr gut, sondern manchmal geheimnisvoll oder originell. Zwar ist die Handlung sichtlich auf Maleni/ Taryah ausgerichtet, wird aber auch aus Sicht ihrer Reisebegleiter und Verfolger erzählt. Dies hat zudem den Effekt, das man Maleni aus unterschiedlichen Sichtweisen kennenlernt.
Die Handlung ist fesselnd und spannend, auch wenn sich diese manchmal recht viel Zeit nimmt. Die Charaktere sind vielschichtig und wirklichkeitstreu gezeichnet. Der Schreibstil passt zur erzählten Zeit und Gesellschaft, daher liest sich das locker und flüssig.
Mit den Rückblicken in die Vergangenheit, mit dem Fokus auf Malenis Ausbildung wurden einige Geheimnisse gelüftet und Ereignisse erklärt.
Gegen Ende des Buches ging es etwas schnell. Es treten neue Figuren auf und spielen eine entscheidende Rolle. Die Rolle passte aber irgendwie nicht ins Gesamtbild. Es schien, als müsste die Autorin fertig werden. Daher überzeugte mich das Ende leider nicht gänzlich.
Das Buch enthält zusätzlich ein Register mit Personen, Orten und Begriffen.


Angelika Diem DREI TROPFEN DUNKELHEIT
Titelbild: Katharina Brand
Machandel Verlag (2017) 284 Seiten 11,90 €
ISBN: 978-3-95959-049-5 (TB)

Drei Tropfen Dunkelheit ist der dritte Teil einer Reihe und ist daher etwas schwer zu lesen, weil die Informationen aus den ersten beiden Bänden nicht vorhanden sind, andere jedoch als Wissen vorausgesetzt werden. Daher ist das Buch als „Alleinstehender Roman“ nicht lesbar. Es fehlt einfach zu viel Wissen über die Welt. Zwar erfährt man ein wenig mehr, doch bleiben Lücken.
Hauptperson ist Caitlynn die viel Wissen über Heilung besitzt und auf deren Ausbildung zur Heilerin immer wieder hingewiesen und zurück geblickt wird. Dafür ist Caitlynn gut beschrieben und wer es mag, kann sich auch mit ihr identifizieren und sich in Caitlynns Denkweise hineinversetzen.

Der Roman stellt sich schnell als eine Art Fantasy-Krimi heraus, der im Ansatz sofort überzeugt. Für einen Krimifan war es natürlich schnell herauszufinden, wer denn der Übeltäter war. Hier hätte ich ein paar falsche und überzeugende Spuren gewünscht um das Ergebnis nicht vorweg zu nehmen. Letztlich blieb es dabei, wie Caitlynn Beweise und Spuren findet und interpretiert.
Auf die Handlung will ich an dieser Stelle nicht eingehen, denn ich würde wahrscheinlich zu viel verraten und damit den Lesern den Spaß verderben. Die Figuren, die Idee und die Umsetzung überzeugen. Allerdings sind manche der handelnden Figuren nicht ganz sauber ausgearbeitet, bleiben ein wenig oberflächlich. Wenn sie in späteren Bänden nicht mehr vorkommen ist dies aber kein grosses Manko. In wieweit sie bereits aus den vorherigen Bänden der Reihe bekannt sind kann ich nicht sagen.
Zusammenfassend ist es ein ansprechender Fantasy-Krimi, ein guter Plot, eine gute Handlungsträgerin. Da macht man nichts falsch, wenn man den Krimi lesen möchte und sich nicht scheut, in der Fantasy die Handlung zu finden. 

Herausgeberin Anke Brandt DARK CREATURE
Titelbild: Anke Brandt
Romantruhe 03/2017 227 Seiten 10,95 €
ISBN: 978-3-86473-277-5
www.romantruhe.de
www.geisterspiegel.de

Ich beteiligte mich an dieser Ausschreibung und hätte es auch fast geschafft, genommen zu werden. Als Anke jedoch von mir den Schluss meiner Geschichte erklärt haben wollte, sagte ich, sie möchte diese Geschichte draussen lassen. Denn ein Ende das erklärt werden muss, ist nicht gut. Daher war ich natürlich gespannt auf das Buch, das auf der Leipziger Buchmesse, und die war jetzt schon im März, erschien. Wie immer überzeugt es durch ein hübsches Titelbild, ein echter Hingucker, für manchen jedoch nicht so sehr der Kaufanreiz, wie ich inzwischen bei verschiedenen Gesprächen feststellen musste. Aber als Kurzgeschichtensammler ist mir ein solches Werk wichtiger als verschiedene Romane. Natürlich ist ein Titelbild wichtig, aber ich bin Leser und kein Bilderstürmer.

Die Sammlung mit ihren historischen Gestalten, die als Vorlage dienten, enthält gute, gruselige und vor allem interessante bis beklemmende Geschichten in denen ich natürlich gern vertreten gewesen wäre. Ja, ich Jammer schon wieder, aber ich hätte ja eine bessere Geschichte schreiben können. Die Erzählungen fesseln den Leser, mal mehr, mal weniger und manchmal auch gar nicht.
Anke hat die Geschichten in die Sammlung aufgenommen, weil sie ihr gefallen haben und diese Entscheidung muss man als Leser der Herausgeberin zugestehen. Vielerorts wird immer über die Kurzgeschichten gemeckert, dabei ist gerade das Schreiben einer Kurzgeschichte die beste Methode sich langen Texten zu nähern. Jemand der Romane schreiben kann, ist nicht immer in der Lage, auch Kurzgeschichten zu verfassen. Anders herum schon eher.

Markus K. Korb Der nächtliche Besucher
Ellen Lowrie Kitsune – Blutrot und silberweiß
Hannah Wölfl Der Fall des Rafael Schabauer
Dr. Utz Anhalt Der MacDonalds Poltergeist
Sarah Beicht Das Aufzugspiel
André Geist The Hound of a Basque Village
Lyakon Der Andere
Lea Hohmann Hunger
Oliver Müller Enongeschmor
Olaf Lahayne An-em-hor
G. Arentzen Hrothgars Fluch
Frank Irle Nachtraben
Doreen Doose Tümpeltief
Maria Loy Bakeneko
Torsten Scheib Schattenschwarz
Martin Beyerling Die Wyver zu Falkenstein
Nicholai Joschka Stratokorev Der Leibesser
Violetta Leiker Der Knochentänzer
Zora Malkajewna Medusa
Andreas Dörr Tineidae
Fabian F. Williges Der Knappe von Schloss Chamtocé

Ein ganz besonderes Lesevergnügen findet sich jedoch am Schluss des Sammelbandes. Anke weicht vom üblichen Schema ab und veröffentlicht eine Ballade. Dies ist relativ schwierig und die letzten Veröffentlichungen dieser Art waren 2009 in dem Band Balladen und Bänkelsänger des Arcanum Verlags zu lesen.
Daher ist dieser Band nicht nur empfehlens- und lesenswert, sondern auch etwas ganz Besonderes. 


Michael Peinkofer TOTE HELDEN
Titelbild: Loic Denoual (abgemalt von Frank Frazetta)
Piper Verlag (2017) 526 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70342-0 (TPB mit Klappbroschur)
www.piper-fantasy.de

TOTE HELDEN ist ein interessanter Titel, vor allem weil Volkmar Kuhnle gerade eine Kurzgeschichtensammlung zusammenstellt, in der die Helden vor Ende der Erzählung, oder gar zu Beginn der Erzählung, tot sind.
In dieser Hinsicht finde ich die Idee von Michael Peinkofer wirklich toll und neu. Michael Peinkofer entführt uns in seine neue Fantasywelt Astray. Ein schwerwiegendes Ereignis spaltete die Welt Astray tiefgehend in die beiden Reiche Westray und Ostray. Was mich von vornherein interessiert ist, eine Trilogie die aufeinander aufbaut oder eine Reihe mit in sich abgeschlossenen Romanen, die in derselben Welt spielen. Letztere Idee setzt zum Beispiel Michael Schenk um Im Arcanum Verlag erschienen seine Pferdelords in zwölf Bänden und nun die Zwerge der Meere mit seinem zweiten Band. Es sind andere Handlungsträger, aber die gleiche bekannte Welt und daher interessant, weil neue Aspekte auftreten. Wenn der Start der Legenden von Astray ähnlich wäre, könnte mich das schneller begeistern als andere Erzählungen. Ähnlich wie die Erde mit ihren unterschiedlichen Kontinenten und Kulturen die sich gänzlich anders entwickelten, wäre dies mit jeder anderen Fantasywelt auch möglich. Vor allem die Leser hätten dann einen „Aha“-Effekt und man könnte Figuren auftauchen lassen, die in anderen Roman einfach aus der Handlung verschwanden.
Bei Michael Peinkofers TOTE HELDEN geht es hauptsächlich um den fahrenden Sänger Rayan. Ihn suchen immer wieder Visionen heim, die kurz danach in der Wirklichkeit so eintreten. Eine seiner Visionen beunruhigt ihn sehr stark. Eine fürchterliche Gefahr bedroht das Land Astray die sich aus dem Abyss hervorarbeitet. Sänger Rayan macht sich auf den Weg näheres in Erfahrung zu bringen. Er ist der einzige, der die alten Legenden noch kennt und die Erinnerung an sie in seinen Liedern und Versen am Leben erhält.
Andere Handlungsträger sind der Halbling Lorymar und der Exekutor Thorgon-Syn. Letzterer will Rayan zur Rechenschafft ziehen, da er am Tod eines Ordensbruders verantwortlich gemacht wird. In dieser Hinsicht ist dieser ein weiterer Alptraum für Rayan, als ob dessen erschütternden Visionen nicht Strafe genug wären. Von ebensolchen Alpträumen geplagt ist auch der Halbling Lorymar. Er hat jedoch ein Ziel, denn eine geheimnisvolle Sie könnte ihm Hilfe sein.

TOTE HELDEN ist ein Werk, wo die grossen Schlachten längst geschlagen, eine Entscheidung herbeigeführt wurde. Sie sind so etwas wie ein vergessenes Erbe. Ja quasi Legenden, die man am Lagerfeuer oder den Kindern und Enkeln erzählt. Michael Peinkofers Schreibstil und seine einfallsreichen Handlungen und Personen bereiteten mir schon sehr oft ein grosses Lesevergnügen. So auch hier, mit einer durchdachten Erzählung, der ich gerne auf den unterschiedlichen Handlungsebenen folgte. In kurzen Kapiteln werden die Begebenheiten erzählt und machen mit erwarteten und unerwarteten Wendungen innerhalb der Erzählung ein spannendes Werk aus. Mir gefallen vor allem Michaels Charakterstudien. Die Handlungsträger und die Nebenfiguren sind gut ausgearbeitet. Manch ein Leser wird, wie inzwischen üblich, Verbindungen und Ähnlichkeiten zu bereits bekannten Figuren suchen. Und finden. Soll ich euch etwas sagen, das ist mir inzwischen egal. Bei der Vielzahl der Veröffentlichungen und Veröffentlichungsmöglichkeiten bleiben Ähnlichkeiten nicht aus. Solange diese Figuren, und das ist jede einzelne bei Michael, eigenständig sind, bin ich mit der Erzählung zufrieden. Er verzichtet zudem erfolgreich auf das klassische Böse – Gut – Schema, sondern seine Figuren haben ihre Stärken und Schwächen.
Eine Bitte zum Schluss. KEINE Trilogie. Mach eine Reihe, zu der Du immer wieder zurückkommst, erzähle aus anderen Bereichen der Welt, von anderen Bewohnern und gib den Lesern so viel mehr von deiner Phantasie, ohne neue Welten zu erfinden. Danke. 

Jutta Ehmke TWILIGHT ZOO
Titelbild: Alexandra Knickel
Verlag Saphir im Stahl (01.04.2017) 178 Seiten 12,95 €
ISBN: 978-3-943948-83-7 (TB)
www.saphir-im-stahl.de

Der neue Roman von Jutta Ehmke ist ein Zeitreiseroman. Er baut sich auf wie ein Tagebuch, beginnend mit Montag 14. Mai 2007. Die Zeitangabe über den einzelnen Kapiteln ist wichtig, damit der Leser weiß, zu welcher Zeit die Handlung gerade spielt. Dabei fängt die Geschichte erst einmal ganz harmlos an, mit der Beschreibung, wie Peggy Sue Liebknecht auf einen geheimen Stützpunkt fährt. Die Sprache ist sehr schön, ein gemütlicher Plauderton und man ist sofort in der Erzählung. Und vor allem erst mal ohne lange Erklärung. Wir fahren dahin und gut ist. Erst mal. Eine Freundin, Dr. Antonia Baumgaard, hat sie eingeladen und in dem wenigen Small-Talk der zu Anfang geführt wird, erfährt man schon recht viel über die Protagonisten. Und dann geht es gleich zur Sache. Es geht um das TTR und diese drei bedeutungslosen Buchstaben erhalten gleich darauf eine tiefergehende nämlich Time Travel Research.
Dann erfolgt der erste Zeitsprung. 1989, der Zeitpunkt, da Frank, Peggy Sues grosse Liebe, ermordet wird. War bereits im ersten Kapitel immer wieder die Rede von Frank, so geht es nun zur Sache. Wir erfahren mehr über ihn und gleichzeitig über Peggy Sues Verlust. In vielerlei Hinsicht ist dies ein Roman, der eine Liebesgeschichte aufarbeitet. Doch nicht umsonst nennt er sich Zeit-Reise-Krimi. Denn mit der Möglichkeit, in die Vergangenheit zu reisen, hätte die kleine Detektivin von der Hafenkante, das Verbrechen aufzuklären. Und damit wird der Roman richtig spannend. Das hin und her in der Zeit ist nicht so schlimm, wie man glaubt, es entspricht dem Wechsel von Schauplätzen in normalen Romanen.
Jutta Ehmke schreibt gut, ob Jugendbuch wie Eulenland (ebenfalls bei Saphir im Stahl) oder Erwachsenenliteratur. Ob Krimi oder Fantasy. Man nimmt ihr ab, das das, was sie schreibt auch so geschieht, nicht nur geschehen könnte. Die Kombination zwischen Zeitreise und Krimigeschichte ist gelungen. Es macht Spass, dieser Erzählung zu folgen. 
Herausgeber Marc Hamacher YO-HO PIRATEN
Titelbild: Tanja und Marc Hamacher
Leseratten Verlag (2017) 256 Seiten 13 €
ISBN: 978-3-945230-24-4 (TB)
www.leserattenverlag.de

Diese Kurzgeschichtensammlung befasst sich mit Piraten aller Art. Es ist eine sehr gute Kurzgeschichtensammlung, deren BESTE Geschichte nach Einschätzung des Rezensenten von Erik Schreiber stammt, mit sehr viel Abwechslung.

Muna Bering Die Nachfolge
Martin Frohmann Der kleine Pirat feiert Geburtstag
Thomas Heidemann Das Feuersturm-Fiasko 2: Käp’t Bad Axe – Geißel
der Galaxis
Vanessa Hirth Goldzahn Murphy
Jürgen Höreth Wie ich durch meine bloße Existenz zwei Mal Käp’tn Kirbys Leben rettete
Tanja Kummer Carpe diem
Torsten Low Der Tod im Pelz
Jürgen Nabel Klaus Störtebeker – der Echte?
Alisha Pilenko Reise mit Hindernissen
Patricia Rieger Fiddler’s Green
Kim Rylee Die unbezwingbare Seele
Erik Schreiber Mal kurz gefeiert
Marc Zoellner Die Kaperfahrt der Moroz Volkov

Wie bereits in der Aufzählung zu erkennen, beginnt Muna Bering die Samm-lung mit ihrer Erzählung: Die Nachfolge. Sie darf deshalb anfangen, weil die Sammlung alphabetisch nach Nachnamen sortiert ist. Bei Muna geht es aber weniger um die Nachfolge eines Piratenkapitäns, sondern vielmehr um ein Schmuckstück. Selbiges ging verlustig. Die Hauptperson, ein Mädchen, für das kein Lösegeld gezahlt wird, mit Namen Kratzbürste, hat mir dabei sehr gefallen.
Martin Frohmann beschreibt eine ganz andere Geschichte. Sein Pirat Paul ist noch jünger als die Kratzbürste der ersten Erzählung und für einen Piraten untypisch, sesshaft. Das ist dem kleinen Paul aber gar nicht recht. Er sitzt nämlich unter seinem Lieblingsbaum und ihm ist sooooooo laaaaaangweiiiiiiiiilig. Natürlich muss Martin Frohmann für Abwechslung sorgen und schon erlebt Paul einen wunderbaren Tag, Schatzsuche inbegriffen.
Mit Thomas Heidemann machen wir einen Abstecher in den Weltraum, denn dort soll es von Piraten nur so wimmeln. Hört man. Käp’t Bad Axe ist weder Käp’t noch Bad, sondern Hilfskoch und zuständig für das Auftauen und backen von Pizza. Und durch eine HASI (HalbAutomatische SteuerInstanz) zum Chef des Raumschiffs befördert, gibt es ein amüsantes Abenteuer. Weniger amüsant, dafür mit einem Alptraum beginnend geht es bei Vanessa Hirth mit Goldzahn Murphy weiter. Die Erzählung zeigt, dass man als Boss einer Piratenclique so seine Probleme hat. Jürgen Höreths Erzählung hat einen ellenlangen Titel, dafür ist die Kurzgeschichte kurzweilig. Die Lebensdauer des Protagonisten ist hingegen länger, beginnt die Erzählung doch im zarten Alter von 4 Wochen. Kennen Sie Tanja Kummer? Warum nicht, sie hat schon Fantasy geschrieben, als sie liebe Leser, noch an den Torten der gelernten Konditorin naschten. Um sich einen Einblick in das Wirken zu verschaffen, müssen sie nicht gleich die Fantasy-Trilogie im Schuber kaufen. Diese Kurzge-schichte jedenfalls ist ein guter Einstieg und Bildungslektüre für jeden angehenden Piraten. Torsten Low hat mit seiner Erzählung Der Tod im Pelz, die kürzeste Erzählung abgeliefert. Das trifft ganz gut, denn er ist selbst Verleger von Kurzgeschichten. Wessen Pelz das ist und warum DER TOD im Pelz rumläuft, sollte man selbst erlesen. Etwas länger ist die Geschichte von Jürgen Nabel. Klaus Störtebeker – der Echte? Ist eine Geistreiche Erzählung, die sich dem alten Griesgram und Freiheitskämpfer von anderer Sicht nähert. Alisha Pilenko Reise mit Hindernissen könnte nicht besser beschrieben sein. Kim Rylee beschreibt in Die unbezwingbare Seele das harte Leben an Bord. Beginnt die Geschichte doch gleich mit „Verzweifelte Schreie …“ und macht die Geschichte gleich interessant zum Weiterlesen. Endlich kommen wir zu der Erzählung von Erik Schreiber. Mal kurz gefeiert ist, wie bescheiden bereits vom Rezensenten angemerkt, die beste Geschichte. Mit einer Mischung aus Figuren von R. L. Stevensons Schatzinsel und tatsächlichen Piraten gelingt eine interessante Erzählung. Marc Zoellner beschliesst mit Die Kaperfahrt der Moroz Volkov den Reigen der Piratengeschichten. Während die meisten Erzählung in der südlichen Hemisphäre angesiedelt sind, muss sich der Held der Erzählung im eisigen Polar vergnügen. Selbiges fällt aber weniger vergnüglich aus.

Damit kommen wir zum FAZIT: Vor uns liegt, kurz vor Start des neuen Seeräuberfilms im Kino, eine neue Sammlung mit Piratengeschichten vor. Lediglich eine Geschichte spielt im Weltall, alles anderen entsprechen den üblichen Klischees. Das ist in diesem Fall nicht abwertend gemeint. Auch Mal kurz gefeiert, entspricht diesen Klischees, holt sich die Namen der Schatzinsel um damit mehr Aufmerk-samkeit zu erreichen und zeigt mit den tatsächlich existierenden Piraten, dass er sich in der Materie fit gemacht hat. Alle Geschichten sind in sich gelungen, treffen den Nerv unterschiedlichen Publikums und Alters, so dass jeder seinen Spass haben kann.
Wir könnten die Geschichten natürlich auch mal Mathematisch ansetzen und wie Hermann Ritter einmal sagte: Pi raten. Alsdann gute Unterhaltung. 

Matthias Oden JUNK TOWN
Titelbild: Das Illustrat
Wilhelm Heyne Verlag (2017) 389 Seiten 12,99 €
ISBN: 978-3-453-31821-2 (TPB mit Klappbroschur)
www.heyne.de

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist? (Verlagstext)

Der Roman Junk Town von Matthias Oden ist ein Krimi, der in der Zukunft spielt. Das gesellschaftliche Verhalten ist etwas auf den Kopf gestellt, den Drogen sind gesetzlich vorgeschrieben und ein stetiger Konsum ist Pflicht. Die Welt erinnert ein wenig an Shadowrun und Cyberpunk, ein wenig an Krimi und Thriller, mit etwas Science Fiction Hintergrund a la Eric Blair, aber an nichts Eigenständiges. Manche Ideen sind nicht schlecht, dafür gelingt es wieder mal nicht die Anglizismen aus einem deutschen Roman rauszuhalten, dafür mit Fremdwörtern um sich zu werfen und die den Einstieg in die Erzählung zu erschweren.
Inspektor Solomon Cain ist ein Mitarbeiter der Geheimen Maschinenpolizei. Eher die Art gescheiterter Polizist, der seine Unfähigkeit nicht wahrhaben will und letztlich doch noch etwas schafft. Die Handlung und der Hintergrund zeigen gleichwohl, dass eine Elite die Maschinen beherrscht, die wiederrum den normalen Bürger. In Junktown wird Cain zu einem Mord-Tatort gerufen. Das Opfer ist jedoch kein Mensch, sondern ein höheres Maschinenwesen. Dieses Wesen ist eine sogenannte Gebärmutter. Sie ist es, die in diesem Staat für die Bevölkerung zuständig ist. Cain ist überrascht, dass ein Maschinenwesen getötet wird. So erweisen sich seine Ermittlungen nicht sehr einfach und von verschiedenen Stellen werden ihm die berühmten Knüppel zwischen die Beine geworfen.
Die Handlung hat mich nicht sehr überzeugt, einer von vielen Krimis in einer zukünftigen Welt. Drogenkonsum und Überwachung, Intrigen und ähnliches habe ich in dem Comic Transmetropolitan, einer Cyberpunk-Comicreihe des Autors Warren Ellis und des Zeichners Darick Robertson besser umgesetzt gelesen. diese erschien erstmals 1997 und beschreibt den Kampf des Journalisten Spider Jerusalem gegen die Auswüchse einer wahnwitzigen Metropole der Zukunft, gegen Machtmissbrauch und Gleichgültigkeit der normalen Bevölkerung.
Die Handlung hätte durchaus mehr Gesellschaftskritik vertragen, wenn man es schon darauf anlegt, darüber zu schreiben. Die Krimihandlung hält dann auch eine Liebesgeschichte bereit, die jedoch so normal wirkt, dass sie in dieser Geschichte fehl am Platz ist. Die Figuren waren eher blass, ihnen fehlte die Menschlichkeit bei Menschen und zu aufgepfropft wirkte die Menschlichkeit bei Maschinen.
Fazit: Ein Buch, das mich nicht ganz überzeugen konnte, ein paar nette Wortspiele und Ideen. 

Internationale Phantastik
BIG TIME 1
Jennifer Estep KARMA GIRL
Originaltitel: Karma Girl (2007) Übersetzung: Vanessa Lamatsch
Piper Verlag (2017) 394 Seiten 12,99 €
ISBN 978-3-492-28037-2 (TB)
www.piper.de

Der Tag der Hochzeit sollte der schönste Tag im Leben einer Frau sein. Wie enttäuschend jedoch für die Reporterin Carmen Cole. Nicht so bei Carmen. Sie erwischt ihren zukünftigen Ehemann in flagranti mit ihrer besten Freundin und Trauzeugin in einer eindeutigen Szene - im Bett! Nicht nur das ist für sie ein herber Schlag, sie erfährt in diesem Zusammenhang noch ein weiteres Geheimnis. Beide erweisen sich als mit Superkräften ausgestattete Menschen, er als Held und sie als Schurkin.

Carmen ist sehr verärgert (um es einmal höflich auszudrücken) und beginnt einen Rachefeldzug. Als Journalistin ist es ihr möglich einen Enthüllungsbericht über ihre früheren Freunde zu schreiben und zu veröffentlichen. Ihr Ziel, die Superhelden zu enttarnen und sie in das Licht der Öffentlichkeit zu zerren und bloss zu stellen. Und so werden die Superhelden ihrer Geheimidentität beraubt, jeder einzelne dieser Helden verliert sein bisheriges Leben, das so weit geht, dass einer der enttarnten Helden Selbstmord begeht.
Die Sache wird gefährlich, als ein paar Superschurken sie zwingen, die Identität der städtischen Superhelden aufzudecken. Wenn es ihr nicht innerhalb eines Monats gelingt den Anführer der Fearless Five zu enttarnen, wird sie einem der Schurken für dessen Experimente, nicht freiwillig natürlich, zur Verfügung gestellt. Damit wären die „Guten“ auf der Strecke und die Schurken könnten die Stadt übernehmen. Carmen wollte ihr Leben als Enthüllungsjournalistin hinter sich lassen. Mit der Zwangsmaßnahme wird aber auch ihre Neugierde geweckt. Allerdings ist sie nicht gewillt, ihre Erkenntnisse den Superschurken mitzuteilen und schmiedet einen raffinierten Plan.
Da nicht alles so läuft, wie es soll, benötigt sie Hilfe, die ihr ausgerechnet Striker, dem Anführer der Fearless Five, angedeihen lässt.

Jennifer Estep ist bei Piper so etwas wie eine Haus- und Hof-Autorin, deren Figuren-Charakterisierung immer gut gelingt und sehr gern gelesen wird. Gerade ihre SPINNEN-REIHE bzw. ELEMENTAL ASSASSINS-REIHE ist sehr erfolgreich. Sie verlässt die Welt der übernatürlichen Horrorwesen und wendet sich den übernatürlichen Science Fictionwesen zu. Der letzte Roman, der sich um Superhelden drehte, war Brandon Sandersons STEELHEART. Mir persönlich sagen die Superhelden in Romanform nicht so zu, sie sind für mich seit den ersten Supermanheften der Innbegriff amerikanischer Comics.
Daher hatte ich Mühe, in die Handlung einzutauchen. Meine Lesart war eher oberflächlich. Hinzu kam, dass sich hier die Stereotypen der Comics wiederfanden, allerdings nicht sehr gut beschrieben sind. Die Autorin spielt hier mit den typischen Klischees, wobei ich mir nicht sicher war ob sie sich nicht doch darüber lustig macht.
Allein die Handlung um die Journalistin, die hier als Ich-Erzählerin fungiert, und ihre Superhelden konnte mich nicht wirklich fesseln.
Weil sich die Geheimnisse um Helden und Schurken sehr schnell abzeichnen bleibt die Überraschung aus. Insgesamt werden die Erzählung und die Handlung etwas überzogen dargestellt. Aber im Buch gefällt mir dies nicht. Dann lieber die bunte Bilderwelt. Einzige Abwechslung boten die neue Romanze (sie hat sich ziemlich schnell von ihrem Verlust des Ex-Verlobten erholt) und die erotisch angehauchten Szenen. Es ist ein Buch für alle Liebhaber von Superhelden, besonders für Fans der Autorin zu empfehlen.

Xeelee
Stephen Baxter VAKUUM DIAGRAMME
Originaltitel: Vakuum Diagrams (1997) Übersetzung: Martin Gilbert
Titelbild: Bilderdienst
Piper Verlag (04/2017) 649 Seiten 15 €
ISBN: 978-3-492-70433 (TPB mit Klappbroschur)
www.piper.de

Vakuum Diagramme ist der Abschluss von Stephen Baxters Xeelee Zykluses. In 21 Kurzgeschichten werden die Romane aus diesem Zyklus, durch eine episodenartige Rahmenhandlung mit einander verbunden.

Eve– Epilog
Die Achte Kammer
Die Baryonischen Lords
Blauverschiebung
Blinder Passagier
Geheime Geschichte
Die Goedel’schen Sonnenblumen
Goldwimper
Held
Lieserl
Der Logik-Pool
Mehr als Zeit und Raum
Pilot
Planck-Null
Das Quagma-Datum
Schale
Der Schalter
Das Sonnenvolk
Spinnweben
Die Tyrannei des Himmels
Vakuum-Diagramme
Die Xeelee-Blume
Xeelee-Sequenz Zeitlinie
Eve – Prolog

Die Handlung beginnt mit der Menschheit, als es ihr gelingt, den ersten Schritt in den Weltraum zu tun und die ersten Schritte auf die Planeten des eigenen Sonnensystems lenken. Die Menschen finden überall Leben, manches Mal eher grotesk und seltsam anmutend, und wird selbst gefunden. Die unterlegenen Menschen dienen kurzerhand als Dienerrasse. Wie die Menschen so sind, lassen sie sich die Unterdrückung nicht gefallen und finden Mittel und Wege sich zu wehren. Hier hätte durchaus Joe Haldemanns „Der ewige Krieg“ titelgebend sein können. Stattdessen halten wir ein Buch mit dem Titel „Vakuum Diagramme“ in den Händen, der sich mir auf den ersten Blick nicht erschliesst. Oder aber auch der Titel „Der Millionen Jahre Traum“ von Brian Wilson Aldiss, denn in den vielen Episoden geht es um einen Millionen Jahre dauernden Weg der Menschheit. Auf diesem Weg treffen sie mehrfach auf die Xeelee, die ihren eigenen Traum haben, nämlich dem Todgeweihten Universum zu entkommen. Dennoch entwickelt sich die menschliche Rasse immer weiter, bis sie schliesslich (wie sollte es auch anders sein) zur beherrschenden Rasse des Universums wird. Hinter den Xeelee. Denn im Vergleich sind die Xeelee die Meister und die Menschen lediglich Grundschüler. In der Regel sind die Xeelee aber mit sich selbst beschäftigt und beachten die Menschen nicht. Sind diese aber wieder mal zu aufdringlich, wird ihnen, bildlich gesprochen, auf die Finger geklopft. Das Problem der Xeelee sind nämlich die Lebewesen aus Dunkelmaterie, Photino-vögel genannt, die das sichtbare Universum sehr viel schneller als der eigentliche Alterungsprozess zu absterben bringen wollen. Zu diesem Zweck lassen sie Sonnensysteme schneller altern, als vorgesehen. Der Kampf scheint jedoch aussichtslos und eines Tages geben die Xeelee auf und verschwinden aus dem Universum.
Nicht jeder, der Romane schreiben kann, ist auch in der Lage, Kurzgeschichten zu schreiben. Stephen Baxter gehört dazu. Während mir seine Romane, mit ihrem langen Handlungsspielraum sehr gut gefallen, gelingt es ihm nicht, trotz interessanter Charaktere, jede Geschichte glücklich zu beenden. Mit glücklich beziehe ich mich nicht auf ein Happy End, sondern auf ein Ende überhaupt, denn oft sind die Enden offen, ohne überraschenden, ja sogar ohne Abschluss. Zugleich sind sie vorhersehbar.
Die wechselnden Schauplätze und Personen entführen uns immer wieder aufs Neue in Bereiche, die sich schwer vorstellen, dafür umso neugieriger zurück lassen. Die vielen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Erklärungen machen die Handlung recht schwierig, manchmal unverständlich, was aber auch an der Übersetzung liegen kann, die ich mir nicht sonderlich einfach vorstellte. Dennoch wurde hier gute Arbeit geleistet. Was mir bei Stephen Baxter immer wieder gefällt sind seine überwältigenden Ideen, die er wortgewaltig verpackt. Er ist bereit, den Menschen als dummen Schuljungen mit den Wundern des Universums zu konfrontieren und staunend und sabbernd einfach dort stehen zu lassen. Seine grosse Stärke sind die metaphysischen Beschreibungen komplizierter physik-kalischer Phänomene. Hier stehe ich immer wieder staunend davor und muss nicht nur mein Allgemeinwissen herauskramen, bzw. neues Wissen aneignen. Er bringt mich dazu, Naturwissenschaft neu zu lernen. Danke. 


Brandon Sanderson SCHATTEN ÜBER ELANTEL
Originaltitel: Shadows of Self. A Mistborn Novel
Übersetzung: Karen Gerwig
Titelbild: bürosüd
Piper Verlag (03/2017) 528 Seiten 16,99 €
ISBN: 978-3-492-70435-9 (TPB mit Klappbroschur)
www.piper.de

Waxilium Landrian, seines Zeichens Verbrecherjäger und Gesetzeshüter bietet seinen Vorgesetzten ziemliches Kopfzerbrechen. zwar ist er Gesetzeshüter mit Leib und Seele, aber sein Einsatz ist nicht immer „Resourcenschonend“. Bei seinen Einsätzen geht schon einmal etwas zu Bruch. Ausserdem ist er mit seiner Fähigkeiten als Münzwerfer eine Berühmtheit in Elantel. Wie jeder guter Mann benötigt er Hilfe, die er in Person des diebisch veranlagten Wayne und der Polizistin Marasi erhält. Er hat es wieder einmal mit Gegner zu tun, die nicht so sehr darauf aus sind, ein wenig Gewalt auszuüben oder gar Eigentumsübertragungen der illegalen Art durchzuführen. Im Gegenteil, diesmal wird es richtig politisch, denn er muss eine Revolution verhindern, zerschlagen, bevor diese etwas zerschlägt.
SCHATTEN ÜBER ELANTEL ist der zweite Band der Wax-and-Wayne-Reihe von Brandon Sanderson, und gleichzeitig der fünfte Band der Nebelgeborenen-Reihe. Die ersten Bücher erschienen im Wilhelm Heyne Verlag, bevor die Reihe bei Piper fortgesetzt wurde. Die gelungene Mischung aus Gangster- und Super-heldengeschichte, Detektiv- und Fantasyerzählung wurde von Karen Gerwig sehr gut übersetzt. Zumindest, was ich sagen kann, da ich die Romane nicht im Original lese. Ich hatte auf der Leipziger Buchmesse einige Fragen an Brandon Sanderson, die Einladung in der Tasche und dann lief einiges nicht so, wie geplant. So musste ich, was mir sehr Leid tat, die Interviewmöglichkeit sausen lassen. Mit dem vorliegenden Band bin ich zwar mehr als zufrieden und entschädigt, doch hatte ich den Roman bereits vor dem eigentlichen Erscheinungsdatum lesen und daher wäre das Treffen mit Brandon der Höhepunkt der Messe für mich geworden. Hoffentlich noch ein andermal.
Die Westernelemente in dieser Beschreibung der Welt Scadrials sind deutlich zurückgenommen, spielt der Roman doch Hauptsächlich in der Stadt Elantel. Der Schatten über Elantel bietet innerhalb des Auftaktes einen Rückblick in die Rauland-Zeiten, als Wax und Wayne noch dort unterwegs waren, ihre Abenteuer erlebten und diverse Probleme mit in die Stadt brachten. Es geht auch hier wieder um Böse Buben, selbsternannte korrupte Herren der Stadt, auf beiden Seiten des Gesetzes und einer Menge Arbeit. Mit von der männerbeherrschten Partie ist auch die Polizistin Marasi. Die Stadt entspricht einer europäischen Metropole am Ende des 19. Jahrhunderts mit ihren Problemen der Industrialisierung und Ähnlichkeiten der Weber-Aufstände. Klar, dass durch Industriealisierung die Zahl der Arbeitslosen steigt, da Maschinen deren Platz einnehmen und kostengünstiger herstellen können. Die Armut steigt und es verwundert nicht, dass arme Menschen nichts kaufen (können). Im Roman ist der Arbeiterkampf eine Wiederholung eines Kampfes um soziale Gerechtigkeit, die in den Vereinigten Staaten von Amerika wieder ansteht. Brandon Sanderson geht hier kritisch mit der sozialen Struktur seines Heimatlandes um. Er lässt einen Stellvertreterkrieg stattfinden, den man in den USA längst ausgetragen glaubte mit Präsident Trump aber wieder neu ausfechten muss. Aber auch Glaubensfragen stellen einen wichtigen Teil dar, mit denen sich Wax auseinandersetzen muss. Und dann ist da noch eine, seine Hochzeit. Wax selbst zeigt keine übermäßigen Emotionen und die geplante Hochzeit überlässt er in der Planung lieber anderen und nimmt lieber eine neue Aufgabe an. Ihm zur Seite steht Wayne, der an der Seite von Wax kämpft, und ab und zu mal versucht ist, Sachen zu finden, bevor sie verloren gegangen sind. Die beiden geben sich gern mal mit bissigen, manchmal plumpen Witzen, dafür aber sehr interessanten Dialogen ab. Diese ermöglichen es den Lesern, die beiden Personen besser kennenzulernen. Besser als in allen Beschreibungen. Ähnliches gilt für Marasi. Sie hat es nicht einfach in der Männerwelt, wird oft ignoriert, aber das ist für sie als Polizistin eher ein Vorteil. Kaum einer achtet darauf, was sie tut.

Ich gebe zu, dass mir Sandersons Superheldenroman nicht sonderlich zusagte. Diese Welt ist viel interessanter. Man landet in einem Sumpf aus Korruption und Vorteilnahme, gelangt in den Kreislauf von Armut und Arbeitslosigkeit, bis man sich an der Seite den Hauptfiguren wiederfindet. Diese sind auch nicht immer das REINE und GUTE. Aber man kann sich mit ihnen Identifizieren, wobei mir Marasi sogar am Besten gefiel. Doch die eigentlichen Helden waren die Männer und Frauen des Aufstandes, die gegen die korrupte Elite anstand und Missstand anprangerte.
Stellenweise gab es für mich Verständnisprobleme, die ich mal auf die schwierige Übersetzung schiebe. Karen Gerwig hat gute Arbeit geleistet, doch manchmal fehlte mir der Fluss der Geschichte, stockte und warf mich zurück. Und dennoch ist das Buch eines, dass ich mit guten Gewissen weiterempfehle. 




CASSANDRA KRESNOV TRILOGIE
Joel Shepherd DIE ANDROIDEN AUF DER FLUCHT
Originaltitel: crossover (2001) Übersetzung: Maike Hallmann
Fischer Tor (2017) 27. April 2017 569 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-29728-3 (TPB)
www.tor-online.de

Irgendwann in der Zukunft siedelte die Menschheit auf interstellaren Planeten. Es bildeten sich zwei unterschiedliche Lager. In beiden sind die unterschiedlichsten Formen einer künstlichen Intelligenz im Einsatz. Während zum Beispiel die Liga Androiden mit künstlicher Intelligenz in den Krieg gegen die Föderation schickt, ist diese von derart Kriegsführung nicht angetan. Hier setzt die Geschichte an. Cassandra Kresnov ist die Androidin, kurz Sandy, und führte lange Zeit die Aufträge ihrer Erbauer aus. Sie stellte ihre Aufträge nie in Frage. Sie ist eine künstliche Soldatin und als experimentelles Modell einer langen Reihe künstlicher Soldaten etwas Neues. Sie steht am Anfang von vielen Nachfolge-Androiden, ist sich aber ihrer Person und ihres Zustandes als künstliche Person bewusst. Mit der Zeit werden ihr die Ziele der Liga sehr suspekt. Eingesetzt im kalten Krieg mit der Föderation zweifelt sie an ihren Aufgaben, weniger an der Existenzberechtigung ihrer selbst. Nach einigem Nachdenken entschliesst sie sich, ihren Abschied von der Liga zu nehmen, was aber nur durch Flucht möglich ist. Ausgerechnet in der Metropole Tanusha auf dem Planeten Cally findet sie Unterschlupf. Hier lebt sie einige Zeit ungeschoren, denn die Föderation, zu der dieser Planet gehört, kennt sie nicht. Noch. Eine Zeitlang geht es gut, sich ein eigenständiges Leben aufzubauen, doch irgendwann gerät ihre Tarnung in Gefahr, wird gelüftet. Cassandra wird zum Spielball gleich mehrerer Fraktionen, die an ihr Interesse haben.

Joel Shepherd ist mit seiner Androidin-Reihe ein erfolgreicher Science Fiction Autor. Zwar bereits 16 Jahre alt, wirkt der Roman, dessen Debüt nun auf Deutsch erscheint, recht jung. Zumal, wenn man bedenkt, was in den letzten Jahren an Digitalisierung und künstlicher Intelligenz geschah. In Japan wird ein Androiden-Kind entwickelt und Google schleicht sich mit KI ins Wohnzimmer.
Der Australier Joel Shepard schreibt einen Roman mit weitschweifigen Gedankenspielen, die Anbetracht dessen, dass in nächster Zeit BLADE RUNNER 2 in den Kinos gespielt wird, das Thema Androiden neu und aufgefrischt aufnimmt. Joel Shepards Roman erinnert dann auch sehr oft dann Philip Kendred Dicks TRÄUMEN ANDROIDEN VON ELEKTRISCHEN SCHAFEN? Oft steht das Wesen und Verständnis künstlich erschaffener Menschen im Vordergrund, wirkt dann zu theoretisch, wenn philosophische und ethische Diskussionen und Überlegungen dominieren. Wer sich jedoch darauf einlässt, wird einen spannenden Roman und Start einer Reihe lesen. Im Gegensatz zum Roman von Philip K. Dick dreht es sich nicht um eine Polizeitruppe, die Jagd auf Androiden macht, sondern um die politischen Gruppierung in Tanusha, die die Androidin einsetzen wollen. Des Autors Universum ist komplex. Er beschreibt er die ganze Umwelt, das politische System, die Kultur, Technik mit grossem Einfallsreichtum und in vielen Einzelheiten etc. sehr genau. Der Roman entpuppt sich als ein Konglomerat aus Politik-Thriller mit Krimielementen und Cyberpunkt-Roman mit Sozialkritik. Die Mischung ist gelungen und ich hoffe, das alle Romane in Deutschland erscheinen werden. Zumal ich mir in den Jahren der Erscheinung auch eine Entwicklung verspreche, die man nur erhält, wenn über einen längeren Zeitraum an den Geschichten geschrieben wird. 

Timothy Zahn STARCRAFT EVOLUTION
Originaltitel: star craft evolution (2016)
Übersetzung: Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo
Titelbild: tab indivisuell
Panini Books (2017) 409 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-8332-3447-7 (TPB mit Klappbroschur)
www.paninibooks.de

Dieses Buch knüpft an Legacy of the Void an. STARCRAFT ist ein Echtzeit-Strategiespiel, welches es schon seit 1998 auf dem Markt ist. Hier spielt man unterschiedliche Rassen, die sich nun in dieser Erzählung wiederfinden. In Evolution sind neben den Menschen die Zerg, Tierähnliche Wesen und die hochentwickelten Protoss. Letztere sind die eigentlichen Beherrscher des Universums, denn sie durchschtreifen seit Äonen das Universum und werfen ein wachsames Auge auf alles.
Zu Beginn der Erzählung befinden wir uns auf einem Stützpunkt der Menschen. Hier lernen wir die unterschiedlichsten Einheiten wie Space Marines, Rächer und andere kennen, sowie den Protoss Ulavu.
Die eigentliche Geschichte, recht spannend erzählt, spielt sich auf einem Planeten, der von den Protoss vernichtetet worden war, ab. Dabei muss man wissen, dass dort, wo die Protoss vernichten, nichts mehr leben kann. Das Wunder geschieht jedoch, denn den Zerg gelingt etwas, das vorher niemandem gelang. Sie bauen den Planet wieder auf. Flora und Fauna, also das Leben überhaupt, hat den Planeten zurückerobert und sie gedeihen wie noch nie zuvor. Unter der Königin Zagara ist dieses Wunder geschehen. Und ein neues soll folgen, denn die Königin des Schwarms möchte Frieden mit allen Kontrahenten schließen. Und dies kommt ausgerechnet von den Zerg, die sonst alles und jeden übernehmen. Königin Zagara will den Friedensprozess mit Protoss und Terraner vorantreiben. Daher lädt sie Imperator Valarian, der Anführer der Menschen und Hirarch Artanis ein, nach Gystt. dem Planeten, wo das Wunder des wieder Aufblühens gelang. Menschen wie Protoss staunen nicht schlecht, als sie den Planeten sehen und sind noch überraschter, weil die Zerg anbieten, auch andere Planeten wieder zum Leben zu erwecken.
Aber was steckt wirklich dahinter? Wer sich auf diesen Roman zum Spiel einlässt, macht keine Fehler. Es ist, auch ohne Kenntnisse des Spiels, als Military-SF gelungen. 




Wesley Chu DIE WIEDERGEBURTEN DES TAO
Originaltitel: the rebirths of tao( 2015)
Übersetzung Andreas Heckmann
Titelbild: Bilderdienst
Fischer Tor (03/2017) 462 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-03489-5 (TB)
www.tor-online.de

Ich habe Band zwei nicht gelesen und nach diesem Buch kann ich sagen, ich habe ihn auch nicht vermisst. Das ist leider das Schicksal der meisten Bücher einer Trilogie.
Es geht also voll rein in das Thema. Den Menschen ist die Existenz der beiden ausserirdischen Quasing, den Prophus und den Genjix, bekannt. Jetzt jagen fast alle Regierungen der Erde die Wirte. Ebenso ist die Auseinandersetzung und der Machtkampf zwischen den Ausserirdischen, dessen Preis ist die Menschheit ist, bekannt und als Preis nicht akzeptabel. Den Menschen kann es egal sein wer von den beiden verfeindeten Quasing-Fraktionen gewinnt, sie sind die Verlierer.
Wesley Chu ist mit seiner Geschichte gewachsen, der dritte Band bietet vergnügliche Unterhaltung und ist von der Idee und Umsetzung besser als Band 1. Die Weiterentwicklung der bekannten Figuren gelang sehr gut, vor allem Tao hat mich wieder überzeugt. Dazu gehören auch die Gespräche der Handlungsfiguren unter einander, die auch in den schwierigsten Situationen überzeugen und gar eine kleine und feine Menge Humor erkennen lassen.

Nicht so wichtig fand ich Zoran und seinen Wirt Enzo die versuchen in Russland ihren Einfluss und ihre Macht weiter auszubauen. Ihr Ziel ist immer noch der grosse Plan. Gleichzeitig kommt es zu einem Machtkampf innerhalb des Rates der Genjix. Für die Prophus eine grosse Chance doch noch als Sieger aus der Auseinandersetzung heraus zu kommen.
Während der Prophus Roen für eine Aufgabe nach Kanada reist, muss sich seine Frau Jill um eine Gruppe von Flüchtlingen kümmern. Als die Genjix einen Angriff auf die abgelegene Farm, den Stützpunkt der Prophus verüben, gelingen einigen die Flucht. Dabei wird Cameron mit Tao von der Gruppe getrennt. Er ist es, der nun beweisen muss, als Agent seinen Mann zu stehen. Sehr spannend und actionreich, mit teils sehr brutalen Kampfszenen geht die Erzählung weiter, vor allem wenn Fiesling Zoran sich durchsetzt. Andererseits steht den Quasings die neu gegründete internationale Ermittlungseinheit IKSA gegenüber und macht beiden Seiten das Leben schwer. Wer als Wirt enttarnt wird, wird verhaftet. Wer sich widersetzt, oft getötet.

DIE WIEDERGEBURTEN DES TAO ist ein würdiger Abschluss dieser Trilogie. Die Geschichte besticht durch jede Menge Spannung, unerwarteter Wendungen und aussergewöhnlichen Charakteren. Das Buch um die letzten Quasings, vor allem jedoch um Tao der in den 15jährigen Cameron wechselte, ist gut gelungen. Spannend bis zum Schluss steht nicht nur die Action im Vordergrund, sondern auch das Leben der Menschen und Wirte, sowie die sozikulturellen Beziehungen. Wenn man nun nicht wüsste, dass die Trilogie lange vor dem USA-Konzernboss Trump geschrieben wurde, könnte man sagen, dass hier einiges von der jetzigen Politik mit Einfluss genommen hat. Andererseits ist es ein sehr gutes Buch, dessen Unterhaltungswert ich schätzen gelernt habe. 

Rob Boffard ENFORCER
Originaltitel: Zero-G (2016) Übersetzung: Bernhard Kempen
Titelbild: Bilderdienst
Wilhelm Heyne Verlag (10. April 2017) 557 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31773-4 (TPB)
www.heyne.de

Nach einer globalen Katastrophe haben die wenigen Überlebenden auf der Raumstation Außenerde Zuflucht gefunden. Doch nun droht die Raumstation zur tödlichen Falle für ihre Bewohner zu werden: Ein unbekanntes Virus breitet sich mit rasender Geschwindigkeit aus und fordert ein Todesopfer nach dem anderen. Wenn es Riley Hale – Ex-Tracer und jetzt im Enforcer-Team der Raumstation – nicht gelingt, rechtzeitig ein Gegenmittel zu finden, sind die letzten Menschen im Universum zum Tode verurteilt … (Verlagstext)

Betrachtet man die jetzige politische Lage, dann kann ich den letzten Satz des Verlagstextes nur mit „Warum nicht“ beantworten. So gut sind die Menschen nicht. Aber es gibt immer wieder welche, die an das Gute im Menschen glauben und das Böse bekämpfen.
Das Zweite was mich irritiert ist der logistische Aufwand. Wer ist, oder war in der Lage, vor, während, nach einem Atomkrieg, eine riesige Raumstation mit Platz und vor allem Lebensraum für 1 Million Menschen zu bauen? Nehmen wir die Lage als gegeben, wie bereits in den 1950er und 1960er Jahren als die Erde ständig durch Atomkriege in der Zukunftsliteratur verwüstet wurde. Da stellte man auch nicht diese Frage. In dieser Hinsicht ist der vorliegende Roman eine Hommage an die Zeit vor 60 Jahren. Damals aktuell, heute eher hausbacken. Ähnliches gilt für die Virusepidemie. Als BSE, Vogelgrippe u.a. aktuell waren, hätte der Roman noch funktioniert, mit der Angst der Menschen gespielt. Heute ist es eher ein „na ja“. Bedenkt man die Geschwindigkeit mit der ein Virus auf beengten Raum sich ausbreitet, dann ist eine Lösung des Problems sehr dringend, aber eher zu langsam als rechtzeitig. Wenn dann der Mensch noch hinter der Infektion steckt, fragt man sich warum macht man das? 1 Million Menschen sind keine Zahl, um die Population zu erhalten.
Wir haben einen Held, der gegen die Bösen antritt, gegen deren Machenschaften kämpft und versucht, ein Gegenmittel zu finden, die Menschen zu impfen und damit als Enklave im Weltall am Leben zu erhalten. Über die Handlung und die Handlungsträger kann man durchaus die Schablone legen. Leider bin ich nicht so begeistert, weil alles dem Schema F entspricht. Die Handlungsträger sind nicht besonders gut beschrieben, die Handlung bleibt jederzeit vorhersehbar. Das ist etwas, was mir gar nicht gefällt. Zur Spannung gehört auch das ungewisse Etwas, die Möglichkeit einer unvorhergesehenen Handlungswendung, eines neuen Handlungsträgers. Dies habe ich diesmal vermisst. Zwar liess sich das Buch, wenn auch an einigen Stellen langatmig, gut lesen. Dennoch war ich letztlich nicht zufrieden gestellt. 

Ezekiel Boone DIE BRUT SIE SIND DA
Originaltitel: the hatching 2016 Übersetzung: Rainer Schmidt
Titelbild: bürosüd
fischer Verlag ( 24.05.2017) 395 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-596-03553-3 (TB)
www.fischerverlage.de

Liebe Leser,
wenn ich ihnen dieses Buch ans Herz lege, sollten sie sich merken, wo selbiges ist. Nach der Lektüre könnte es durchaus möglich sein, dass sie ihr Herz in der Hose oder noch tiefer suchen müssen. Freunde einer gepflegten Arachnophobie, der Angst vor Spinnen, können sich hier masochistisch selbst kasteien. Es gibt in diesem Roman nicht nur eine Spinne, nicht ein Haufen Spinnen, sondern fast NUR Spinnen. Ezekiel Boone beschert uns mit Die Brut - Sie sind da den Auftakt einer Trilogie, die dem Leser das Fürchten lehrt. Vornehmlich den erstgenannten Lesern. Hätten die Gebrüder Grimm gewusst, was sie hier verpassen, hätten sie das Märchen Von einem der auszog, das Fürchten zu lernen, anders geschrieben. Michel, der Sohn eines Töpfers hätte hier seine Freude daran gehabt.
Die Geschichte handelt hauptsächlich vom Mike Rich, einen Agenten aus Minnesota. Ein Flugzeug stürzt ab und er findet in dem Wrack eine Leiche, aus der etwas sehr Lebendiges hervorkommt. Die zweite Hauptperson ist die Biologin Melanie Guyer aus Washington. Die erhält, von wem auch immer eine Sendung zugeschickt, die ihr sehr viel Arbeit und Kopfzerbrechen bereitet. Die Spinnenforscherin steht vor dem Erfolg ihres Lebens. Wenn sie überlebt. Das Paket enthält einen Jahrhunderte alten Kokon. Plötzlich platzt dieser und etwas kriecht daraus hervor. Beide Charaktere waren mir sofort sympathisch und sind gut beschrieben. Da auch auf ihre Vergangenheit eingegangen wird, lernt man sie besser kennen, andere Figuren sind nur blasse Nebenfiguren.
Der Schreibstil ist flüssig, ja geradezu schnell, die Kapitel kurz gehalten. Mit den vielen Kapiteln wo auf Peru, China, Indien etc. eingegangen wird, baut sich eine Spannung auf, die ständig sehr hoch gehalten wird. Viele der Figuren tauchen nur einmal auf. Notgedrungen, wenn ihre Lebensspanne abrupt unterbrochen wird. Endgültig.
Die Erzählung besteht aus sehr vielen, fast zu vielen Handlungssträngen. Es gelingt dem Leser den Überblick zu behalten und die bildhafte Sprache zu geniessen. Das ist wichtig. Wenn das nicht der Fall wäre, würde der Thriller an Spannung und Interesse verlieren. Der unter Pseudonym schreibende Autor, warum auch immer, versteht es, selbst mit Kleinigkeiten noch Spannung zu erzeugen. Im Vordergrund steht dabei die Angst vor Spinnen, eine der häufigsten Phobien und der Roman passt dazu in das entsprechende Horrorgenre. Allerdings lassen sich viele Beispiele aus Filmen aufzählen, in denen die Thematik vorkommt, und wo die eine oder andere anleihe getätigt wurde. Bis auf die oben genannten Persönlichkeiten sind die restlichen Personen des Buches eben nur Personen. Ihnen fehlt das, was eine menschliche Person ausmacht, wirken oft nur als Abziehbilder, die auf einem beliebigen Torso geklebt werden können und so eine Zeitlang zum Leben erwachen. 
Harald Kaup 2133 A. D. - KOR -
Titelbild: Gabriele Benz
Noel Verlag (02/2017) 353 Seiten 16,90 €
ISBN: 978-3-95493-192-7
www.noel-verlag.de

Auf der Buchmesse in Leipzig schliesst man eine Menge Kontakte und natürlich folgt ein Gespräch dem nächsten. Dieses Jahr war ich mit einer Frage unterwegs. „Wer ist euer erfolgreichster Autor und was schreibt er“. Alle Verlage, die ich ansprach, antworteten Bereitwillig.
So möchte ich heute ein Buch von Harald Kaup vorstellen. Es ist der mittlerweile zehnte Band seiner Reihe und der erfolgreichste Autor bei Noel. Seine SF-Romane scheinen den Geschmack der Leser zu treffen. Sonst wäre er nicht so weit gekommen.
Als ich in den Band startete, verstand ich erst mal nichts. Die Einführung in den Band sorgte nicht für die gewünschte Klarheit, sondern brachte mich nur noch mehr durcheinander. Auch die Technik verstand ich nicht recht, denn da war u.a. von klickenden Relais die Rede. Im Vergleich, die Apollokapseln hatten schon Transistoren, die Weiterentwicklung davon. Und als auf Seite 97 eine Art Indianer auftauchte, war ich vollends konfus.
Die Erzählung ist SF-Abenteuer bzw. Space Opera. Damit trifft er genau den Geschmack der Leser. Nachdem ich etwas länger gebraucht habe, um in die Geschichte zu kommen, fand ich die Erzählung gut. Ein paar Ideen, die neu sind, allerdings auch viele Dinge, die mich an Karl May und Perry Rhodan erinnerten. Ob nun bewusst oder unbewusst, sorgen die Anleihen für einen Aha-Effekt. Auf diese Weise bleibt der Leser länger dran. Ehrlich gesagt, nachher las ich das Buch in einem Ruck durch.
Ganz allgemein gesagt muss man an der Einführung arbeiten, so hatte sie keinen Sinn gemacht. Ist man erst mal in der Erzählung drin, folgt man geistig leichtfüssig und hat eine Menge Spass dabei. 


Jugendliteratur

Charlie Jane Anders ALLE VÖGEL UNTER DEM HIMMEL
Originaltitel: all the birds in the sky (2016)
Übersetzung: Sophie Zeitz
Titelbild: Will Staehle
Fischer Tor (2017) 411 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-596-03696-7
www.tor-online.de

Alle Vögel unter dem Himmel von Charlie Jane Anders handelt von Patricia Delfine. Patricia bemerkt sehr früh in ihrem Leben, das man, in diesem Fall sie, mit Tieren, speziell Vögel, reden kann. Daher ist der Start in das Leseabenteuer auch weit in der Vergangenheit von ihr angesiedelt.
Die zweite Hauptperson ist Laurence Armstead. Als Highschool-Schüler erfindet er eine Zeitmaschine, die ihn befähigt, mit ihr zwei Sekunden in die Zukunft zu reisen. Er ist der typische Eigenbrödler der von seinen Mitschülern gehänselt wurde und viel Spott über sich ergehen lassen musste.
Patricia und Laurence freunden sich an, verlieren sich nach der Schulzeit jedoch aus den Augen. Wie es der Zufall will, treffen sie sich einige Jahre später in San Francisco. Die Welt wie wir sie kennen ist jedoch verändert und eine Katastrophe folgt der vorherigen. In dieser Welt haben sich Hexen mit den Wissen-schaftlern arrangiert, beide sind daran interessiert, die Welt zu retten. Allerdings ist eine Einigung zwischen beiden Lagern nicht die Tatsache, die man für ein geeinigtes Handeln benötigt. Patricia und Laurence, kurz Larry genannt, finden sich daher in den unterschiedlichsten Lagern und dürfen somit keine Freunde sein. Aber dennoch ist es wichtig, dass beide zusammenarbeiten.

Die Autorin Charlie Jane Anders führt die hauptsächlich weiblichen Lesern kurz in ihre Welt und die der Handlungsträger ein, indem sie einen Blick auf die Jugend wirft. Gleich darauf befinden wir uns in der Jetztzeit der handelnden Figuren und nehmen an deren Leben teil. Allerdings sind die beiden Hauptfiguren zu Klischeehaft, die allgegenwärtige Liebesgeschichte manchmal zu aufdringlich. Möglich, das ich das etwas anders sehe als die angesprochene Leserklientel. Man liest gern von Aussenseitern, die es der Allgemeinheit zeigen. Sie, die Ausgestossenen, finden zueinander, haben ihre Liebe und sind für die Gesellschaft doch von unschätzbarem Wert. Denn gerade die Sicht von aussen auf die Probleme führt schneller zu Lösungen. Die Hexe und der Nerd freunden sich an. Aus Freundschaft wird Liebe. Und wie in allen Liebesgeschichten gibt es die Prüfung, ob die Liebe hält.
Charlie Jane Anders schreibt so, dass der Mystery-Fan und der SF-Fan, die weibliche Leserin und der männliche Leser ihren Spass an diesem Buch haben kann. Sie schreibt sehr eindrucksvoll und auch die Nebenfiguren überzeugen. Die Handlung wird von nicht unbedingt erwarteten Wendungen geprägt, die das Lesen interessanter gestalten. Neben all dem ist der Hintergrund einer Katastrophe auch sehr sozialkritisch anzusehen. Zwar ist es kein erhobener Zeigefinger, aber auf diese Weise werden die Lesenden auf die Problematik der Umweltzerstörung aufmerksam gemacht. 

Liz Jensen DAS NEUNTE LEBEN DES LOUIS DRAX
Originaltitel: The ninth life of Louis Drax (2004)
Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
Titelbild: Katharina Netolitzky
dtv 21621 (2016) 311 Seiten 9,95 €
ISBN: 978-3-423-21621-0 (TB)
www.dtv.de

Louis Drax, du bist nicht normal. Hochintelligent, sicher, eingebildet, wahrscheinlich, denn mit deinem Intellekt bist du manch einem Erwachsenen in dieser Erzählung überlegen und vor allem bist du mit Gleichaltrigen gelangweilt. Keiner kann dir das Wasser reichen. So zumindest ist meine Einschätzung von dir. Du bist ein Einzelgänger, der in der Schule als Spinner gilt. Dein Ankerpunkt ist die Mutter, weil der Papa als Pilot eh nicht zu Hause ist. Und dann sind da noch deine seltsamen Unfälle. Bis zu dem an deinem 9ten Geburtstag. Als du bei einem Picknick mit den Eltern in eine Schlucht stürzt und im Koma liegst, der Papa verschwindet und Onkel Doktor, Herr Dannachet, ein Auge auf Deine Mama Natalie wirft.

„Ich bin nicht wie die meisten Kinder.“ Wenn Du mit diesem Satz Deine Erzählung beginnst, wirst Du sicherlich Recht haben. Wir erkennen aus Deiner Sicht wer Du bist. Aber nur solange, bis Dich der Doktor in der Mangel hat, denn dann sieht seine Sicht anders aus. Denn der Psychologe spiegelt in seinem Teil der Erzählung erschreckende Eindrücke aus den Abgründen der menschlichen Psyche wieder. Mit eher unkonventionellen Methoden dringt er immer tiefer ins Bewusstsein von Louis ein. Dass zudem noch eine Beziehung zwischen ihm und Deiner Mama entspinnt, macht die Geschichte noch interessanter. Eine, oder besser DIE Frage lautet: „Warum, mein Junge, ziehst Du das Pech an?“

Das Buch bietet eine Krimihandlung, bietet Spannung und etwas Geheimnisvolles. Liz Jensen erzählt aus wechselnder Perspektive, über Menschen mit ihren Gefühlen und Gedanken. Gleichzeitig versucht sie, das Geheimnisvolle um Louis‘ seltsame Unfälle zu klären. Dennoch bin ich nicht der Meinung, einen Krimi zu lesen, eher eine geheimnisvolle aber spannende Erzählung. Als ich 2004 das Buch zum erstenmal bei Bloomsbury sah, hat mich das Titelbild gar nicht angesprochen und den Klappentext fand ich dann in diesem Zusammenhang etwas dröge. Das neue Titelbild finde ich viel ansprechender.
Die Geschichte ist insofern spannend, da langsam auf das Geheimnis hingearbeitet wird und nicht das Geheimnis bekannt ist und die Lösung gesucht wird. Aus diesem Grund ist das Buch auch kein Krimi.
Und für diejenigen, die nach dem Lesen noch mehr wollen, seit dem 17. April soll es die entsprechende DVD gaben. 


Eleanor Herman GÖTTERTOCHTER
Originaltitel: empire of dust (2016) Übersetzung: Anna Julia Strüh
Titelbild: bürosüd
Fischer Jugend Buch (27. April 2017) 552 Seiten 19,99 €
ISBN: 978-3-8414-2231-6 (gebunden mit Schutzumschlag)
www.fischerverlage.de

Die Jugend von Alexander dem Grossen ist nun langsam zu Ende. Das Jugendliche wird abgestreift, aber die Magie und die Mysterien, die vergessen und verloren geglaubt scheinen erstarken mit der neuen Erzählung. Es gibt die ersten Hin- und Beweise die alte Macht der Magie und seltsame Geschöpfe treten auf. Prinzregent Alex sieht sich einem Verräter und einem weiteren Kampf mit den Aesariern gegenüber. Heph und Kat ziehen nach Ägypten, immer auf der Suche nach Lösungen und Antworten. Doch nicht nur sie sehen sich Gefahren gegenüber. Jacob und Zo finden nicht nur Hinweise darauf.

Eleonor Hermann hat mich mit der Mischung aus bekannter Geschichte und unterschwelligem Mysterium überzeugen können. Die Geschichte um Alexander den Grossen ist bekannt, so dass hierauf gar nicht eingegangen werden muss. Die Möglichkeit, Magie und Geheimnisse auftreten zu lassen, sind in einer historischen Fantasy eigentlich ein muss. Wer die Geschichten von 1001 Nacht kennt, wird sich diesen beiden Büchern nicht entziehen können. Mal ist es das märchenhafte und magische, dann wieder das historische Flair, das den Leser in den Bann zieht. Dann wieder ist es die Schlacht und der Kampf, die nicht mehr phantastisch daherkommen sondern harte Wirklichkeit zeigen. Letztlich ist es die Spannung zwischen den Elemente der Geschichte, die wechselnden Handlungsorte und die langsame Entwicklung der Charaktere, die diese wundervolle Geschichte am Laufen halten. Intrigen und Machtspiele, Verrat und Magie sind die Zutaten, die eine düster Fantasy am Leben halten, die die Würze einer historischen Geschichte darstellen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und die Lebendigkeit überzeugt, auch wenn ich der Meinung bin, hier hätte ein wenig mehr in den Beschreibungen hinein gepasst. 
Star Wars

LEBENSSCHULD
Chuck Wendig NACHSPIEL
Originaltitel: life debt (2016)
Übersetzung: Andreas Kasprzak und Tobias Toneguzzo
Titelbild: Isabelle Hirtz
Blanvalet Verlag 6105 (2017) 572 Seiten 14 €
ISBN: 978-3-7341-6105-6 (TPB)
www.blanvalet.de

Dies ist der zweite Teil der Nachspiel-Trilogie. Im Mittelpunkt stehen die Wookies und damit Han Solo und sein Lieblings-Wookie Chewbacca. Nun gut, nicht lange, aber immerhin. Der Hintergrund ist die gerade erst ausgerufene neue Republik, deren grösster Erfolg die Vernichtung des zweiten Todessterns ist. Die Republik ist jedoch noch schwach und das Imperium zersplittert. Einige unentwegte glauben noch an einen Endsieg und so sind einige der Splittergruppen weiterhin in Kämpfe mit der neuen Republik und auch untereinander, verwickelt. Die neue Republik ist aber auch noch nicht in sich gefestigt, so dass weitere Kämpfe gegen das ehemalige Imperium vermieden werden. Aus diesem Grund ist eine Befreiung des Planeten Kashyyyk nicht geplant. Dies ist der Heimatplanet der Wookies. Der Planet wurde durch das Imperium erobert, die Wookie versklavt. Da der Planet seine Freiheit immer noch nicht wiedererlangte und Han Solo Chewbacca noch einen gefallen schuldig ist, machen sich die beiden auf den Weg, den Planeten zu befreien. Dafür legt Han Solo sein Offizierspatent ab, sonst könnte er diese Mission nicht durchführen. Dummerweise landet er direkt in einer Falle und ein Trupp loyaler Republikaner macht sich auf den Weg. Also: Rettung naht. Die Rettung ist die bereits aus dem vorherigen Band bekannte Truppe um die Pilotin Nora Wexley und ihren Sohn Temmin. Dazu kommt dessen Droide Mr. Bones und Sinjir, ein ehemaliger Imperialer Offizier, Alkoholiker und schwul und die Zabrak Kopfgeldjägerin. Diese Abenteurergruppe, spezialisiert auf imperiale Kriegsverbrecher fällt auch Prinzessin Leia auf. Und da liegt es nahe, dass diese, die Kriegsverbrecher aufspüren können, es auch mit dem verschwundenen Ehemann schaffen.

Der zweite Handlungsstrang kümmert sich um Admiralin Rae Sloane. Sie befehligt eine der grössten Teilflotten und versucht herauszufinden, wer denn der Puppenspieler ist, der versucht an Raes Fäden zu ziehen und sie so zu manipulieren und im Sinne des unbekannten Grossen zu agieren.

Die Erzählung wird immer wieder unterbrochen von einzelnen Kapiteln die nicht zur Handlung gehören. Hier wird versucht, etwas mehr über das Universum und dessen Hintergrund zu erzählen, wirken jedoch für mich las Leser eher als Lückenfüller.
Die eigentliche Erzählung ist jedoch flott geschrieben, hält ein gutes Tempo und man fühlt sich gut unterhalten. Dabei ist es nicht wichtig, Star Wars Fan zu sein, da die Geschichte auch ohne diesen Hintergrund funktioniert. Mit etwas Humor, manchmal tiefschwarz, bietet Chuck Wendig zudem etwas mehr Unterhaltung und Abwechslung. Warten wir also den nächsten Band ab. 



STAR WARS
James Luceno DER AUSLÖSER
Originaltitel: Catalyst (15.11.2016) Übersetzung: Andreas Kasprzak
Titelbild: Isabell Hirtz
Blanvalet 6118 (15.05.2017) 437 Seiten 13 €
ISBN: 978-3-7341-6118-6 (TPB)
www.blanvalet.de

Jahrelang haben sich die Republik und die Separatisten mit tödlichen Technologien bekämpft, doch der anhaltende Krieg fordert nun immer stärkere Waffen. Als Mitglied von Imperator Palpatines geheimem Projekt um den Bau des Todessterns ist Orson Krennic entschlossen, eine vernichtende Superwaffe zu entwickeln und dem Feind somit zuvorzukommen. Der Schlüssel hierfür könnte Krennics alter Freund sein, der brillante Wissenschaftler Galen Erso, doch Erso ist strikter Pazifist. Um seinen Plan, den Todesstern zu realisieren, endlich mit aller Macht durchzusetzen, beginnt Krennic ein Netz aus Lügen und Täuschungen zu spinnen, das nicht nur Galen Erso in Gefahr bringt, sondern die gesamte Galaxis … (Quelle: Blanvalet)

Das Buch, ein Vorspiel zur Filmhandlung Rogue One, setzt ein Jahr nach den Ereignissen von Episode II ein. Es geht um die Vorgeschichte des Todessterns. Unter der Führung von Orson Krennic werden die Entwicklung und der Bau des Todessterns begonnen. Orson Krennic holt sich dazu den genialen Wissenschaftler Galen Erso. Dieser ist wenig erbaut, an dieser Todesmaschine mitzuarbeiten. Durch Lügen und Intrigen Orson Krennics wird auch Galen jedoch dazu gebracht, sich daran zu beteiligen. Dessen Arbeit soll es sein, einen „Superlaser“ zu entwickeln. Zusammen mit seiner Frau Lyra und seiner Tochter Jyn zieht er nach Coruscant, um die Forschungen dort zu beginnen. So gelangt Galen zum Projekt. Ihm geht es darum, durch Versuche mit den Kyberkristallen die benötigte Energie für den Superlaser zu erhalten. Die Kyberkristalle sind das Herz der Lichtschwerter und besitzen eine immense Energie. Es geht aber nicht nur darum. Orson Krennic will seinen direkten Gegenspieler Wilhuff Tarkin ausstechen und in der Machtpyramide des tyrannischen Imperiums nach oben steigen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht. Für den Leser wird Orson damit immer unausstehlicher. Geradeso wie er auch im Film dargestellt wird. Gleichzeitig sind wir aber wieder bei Lyras Versuchen, hinter Krennics Machenschaften zu kommen.

Der Schreibstil des Autors James Luceno ist sehr flüssig und er hatte mich von Anfang an. Genau so wie bei seinen bei Panini erschienen Romanen. Er gehört zu der Sorte Autoren, die man gern liest. STAR WARS – DER AUSLÖSER ist die spannende Vorgeschichte des Films und mit den vielen Handlungssträngen und oft nur angedeuteten Rätseln bereitet er weiteren Büchern und Filmen den Weg. James Luceno beschreibt die Handlung vom Ende der Alten Republik bis hin zum ersten galaktischen Imperium. Der Leser ist somit mitten drin, wenn es darum geht den Todesstern zu entwickeln und zu bauen. Wie üblich bei James Luceno sind seine Handlungsträger sehr gut ausgearbeitetet. Sein flüssiger Stil und eine überzeugende Handlung, die sich hauptsächlich mit den Gefühlen und Gedanken befasst, hält den Roman dennoch spannend. 

STAR WARS
Ben Acker & Ben Blacker KOMM ZUM WIDERSTAND
Originaltitel: Join the Resistance (07.03.2017)
Übersetzung: Andreas Kasprzak
Titelbild: tab indivisuell Zeichnungen: Annie Wu
Panini Books (24.04.2017) 231 Seiten 12 €
ISBN: 978-3-8332-3364-7 (TB)
www.paninicomics.de

Im ersten Teil der actionreichen Jugendroman-Reihe begleiten wir eine bunt zusammengewürfelte Truppe junger Kämpfer des sogenannten Widerstands, einer von Leia Organa gegründeten Geheim-Organisation, auf der spektakulären Flucht vor der bedrohlich-mysteriösen Ersten Ordnung, die wiederum bereit ist, das imperiale Vermächtnis anzutreten, um die Galaxis erneut mit eiserner Faust zu unterdrücken. (Verlagstext)

Im Mittelpunkt dieses Jugendromans steht eine Gruppe von Teenagern. Die Hauptperson, der vierzehnjährige Mattis Banz, verlässt das Waisenhaus, in dem er bislang aufwuchs. Auf Grund seines positiven Lebenswandels wird er vom Widerstand für würdig empfunden, aufgenommen zu werden. Snap Wexley, der Rekrutierer, nimmt ihn daher auch gleich mt auf die ganz geheime Basis auf D’Qar. Welch ein Vertrauensbeweis. Er wird Mitglied der J-Staffel, geführt von Jo Jerjerrod. Dort lernt er Dec kennen, einen Jungen, bei dem man sich fragt, wie er überhaupt in diese Gruppe Eingang fand. Er ist immer wieder zu Streichen und unüberlegten Handlungen bereit, um so die Gruppe zu gefährden. Mit dabei ist der Droide AG-90, ein Schatten von Dec oder auch Bruder. Je nachdem wie man es sieht und wie die Autoren diesen Umstand beschreiben. Weiter Handlungsträger sind Sari, der Rodianer Klimo und das Mädchen von Zeltron, Lorica. So ergibt sich schnell eine interessante Gruppe, die bald darauf dem Staffelführer Jo Jerjerrod und seinen seltsamen Machenschaften auf die Schliche kommt.
Als Jugendroman funktioniert dies prima, wenn da nicht der etwas langatmige Start wäre. Hier kann ich mir vorstellen, dass Jugendliche schnell die Lust verlieren, andere Erwachsene hingegen die Seiten im 10erPack überschlagen. Ein weiterer guter Einfall war es, viele Zeichnungen mit in das Buch zu nehmen. Die Einfachheit dieser Strichzeichnungen zeugt jetzt nicht von einem überzeugenden Stil, aber gibt den jugendlichen Lesern die Gewissheit: „Das kann ich auch“. Auf diese Weise wird der Leser angesprochen, selbst etwas zu malen oder gar zu schreiben. Liest man weiter und die Handlungsträger kommen auf die Idee, Jo Jerjerrod führt etwas Verbotenes im Schilde, wird die Handlung spannender und schneller. Allerdings gibt es einige Dinge die mir nicht so gefallen. Kinder für den Krieg ausbilden (und dann die Bilder von Manchester im Kopf) ist ein SO NICHT. Ich habe da echt Bauchschmerzen.
Letztlich ist zu sagen, dass das Buch, ohne wirklichen Tiefgang ist, sich recht schnell durchlesen lässt. Die Hinwendung zu einem sehr jungen Publikum bei Star Wars ist sicherlich nicht verkehrt, wenn man die Maschinerie am Laufen halten will. Allerdings kommen mir die beiden Namen vor, als seien sie Pseudonyme. Für mich gibt es nur eine Filmtrilogie, die ersten, die jetzt die mittlere ist. Und ein paar wenige gute Bücher von James Lucano oder Joe Schreiber. 

Fanzine / Magazine

FOLLOW 434
Titelbild: Kirsten Scholz
Fantasy Club e. V. / Follow 405 Seiten Mitgliedsbeitrag
ISSN 1439 1716

Alle drei Monate erscheint innerhalb des Fantasy-Vereins mit seiner Untergruppe Follow ein neues Magazin in DIN A 5-Taschenbuchformat. Follow besteht aus vielen Gruppen, die eine eigene Kultur leben, immer aufbauend auf der Literaturgattung Fantasy. Diese Gruppen präsentieren ihre Beiträge, von Fotos über selbst gezeichnetes bis hin zu Texten aller Art in dem Magazin, dass ebenfalls den Gruppennamen Follow trägt. Der Verein in seiner wandelnden Geschichte wurde 1965 gegründet und daher ist es nicht weiter verwunderlich, wenn wir nun über 400 Ausgaben des Magazins herausbringen konnten. Je nach Gruppierung ist man mal mehr, mal weniger aktiv, aber durch die vielen Beiträge immer attraktiv. 

Comic

Robbie Thompson VENOM SPACE KNIGHT
Der letzte Kampf 1 – 7 Venom Space Knight 7 – 13 (2016)
Übersetzung: Bernd Kronsbein
Titelbild und Zeichnungen: Ario Anindito, Kim Jaciton, Ariel Olivetti, Gerardo Sandoval, R. A. Silva
Panini Comics (18.04.2017) 156 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-7416-0141-5
www.paninicomics.de

Dies ist die Geschichte von Flash Thompson, der mit einem Symbionten ausgestattet, die Welt, nein, das Universum retten soll. Er ist Mitglied der Agenten des Kosmos und in dieser Eigenschaft unterwegs. Allerdings nicht allein, sondern mit der Ruu‘lto Hilla und Pik Rollo, die wie zu grosse intelligente Panda-Bären aussehen, aber nicht so friedfertig. Dann ist das noch die Kriegerkönigin Iqa. Sie ist eine waschechte Matriarchin, deren Anerkennung er gewinnt und sie ihm sogar einen Platz in ihrem Männerharem anbietet. Eine grössere Ehre könnte er nicht bekommen. Dann ist da noch der Selbstmordgefährdete Roboter 803, der mich an Marvin von Per Anhalter durch die Galaxis erinnert. Die letzte im Bund, ebenfalls mit einem Symbionten ausgestattet ist die Skrull Tarna. Sie sollte Flash eigentlich ausbilden, aber im Laufe der Abenteuer passiert alles Mögliche, nur keine geplante Ausbildung und so muss Flash wieder und wieder improvisieren.
So kommt es, dass sich Flash und seine Crew in immer tiefer in eine Auseinandersetzung hinein manövrieren, die für ihn auch zu einer Art Selbstfindung wird. Allerdings ist nicht alles so ernst. Er bekommt zum Beispiel ein neues Raumschiff mit dem sinnigen Namen USS Enter Prize. (Kein Schreibfehler). Andererseits geht es wieder hart zur Sache.
Der Leser lernt mehr über Venom und Flash kenne, versteht plötzlich Zusammenhänge und auch die Nebenfiguren erhalten mehr Raum. Flash hat etwas Ärger mit dem Klyntar und in diesem Zusammenhang kommt es zu einer sehr innigen Begegnung denn das innerste wird zum äussersten gekehrt.
Die im Original 7 US-Ausgaben kann ich wärmstens empfehlen. 
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