STARLIGHT UNION

Der phantastische
Bücherbrief


Juli 2017 unabhängig kostenlos Ausgabe 646


Internationale Phantastik

G. A. Aiken Dragon Night Piper Verlag
Peter F. Hamilton Der Neutronium-Alchimist Piper Verlag
Ian McDonald Luna - Wolfsmond Wilhelm Heyne Verlag
Ray Bradbury Vom Staub kehrst Du zurück Edition Phantasia
John Shirley In der Hölle Edition Phantasia
Michael J. Sullivan Rebellion Knaur Verlag
Robert Charles Wilson Netzwerk Wilhelm Heyne Verlag
John Gwynne Macht - Die Getreuen und die Gefallenen Blanvalet Verlag
Die Paradoxa-Saga 2. Band
Rachel Bach Söldnerehre Wilhelm Heyne Verlag
Tom LLoyd Söldnerfluch Wilhelm Heyne Verlag


Krimi / Thriller

Jenny-Mai Nuyen Heart Ware rowohlt polaris

Comic

Mirka Andolfo Contro Natura Panini Comic Verlag
Claudio Nizzi Tex - Der Mann aus Atlanta Panini Comic Verlag

Sekundärliteratur

Blätter für Volksliteratur Verein der Freunde der Volksliteratur

Internationale Phantastik

DRAGON KING 8. Band
G. A. Aiken DRAGON NIGHT
Originaltitel: feel the burn (2015) Übersetzung: Michaela Link
Titelbild: Alex Malikov
Piper Verlag 8098 (07/2017) 375 Seiten 10,99 €
ISBN: 978-3-492-28098-3 (TB)
www.piper.de

Diese Drachen mögen es heiß!
Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. So heißt es zumindest. Gaius Domitus der Einäugige hat jedoch die Erfahrung gemacht, dass es genau andersherum ist. Erst recht, wenn man als Drachenkönig über die Provinzen herrscht. Um Recht und Ordnung zu wahren und sich seine blutrünstige Verwandtschaft vom Hals zu halten, muss er sich mit einer waschechten Barbarin zusammentun. Die will jedoch nichts von ihm wissen. Kachka ist nicht nur wild, sondern auch gnadenlos – und genau so stellt sie sich ihren Partner vor. Mit einem verzogenen Drachen wie Gaius kann eine stolze Tochter der Steppen wie sie nichts anfangen. Zugegebenermaßen ist dessen Augenklappe irgendwie verwegen. Fragt sich nur, ob auch Gaius selbst verwegen genug ist, um Kachkas Leidenschaft zu entfachen. (Verlagstext)


G. A. Aiken hat einen flüssigen Schreibstil, einen spannende Handlung und viele unterschiedliche Figuren, die sich mal mehr oder weniger in den Vordergrund drängen. Manchmal ist es bei ihr eher so, dass die Nebenfiguren die sym-pathischeren sind. Dieses Mal fehlte mir das fesselnde Element. Die Geschichte war gut geschrieben, logisch aufgebaut, aber sie plätscherte nur vor sich hin. Wirklich grosse Spannungsbögen fand ich leider nicht. G. A. Aiken verarbeitete hier ein das Katz und Maus Spiel, welches mich nicht vollständig überzeugte. In ihrem neuen Band über die Drachenwandler geht es wieder um einen altbekannten und übermächtigen Feind. Einige Jahre nach Dragon Flame spielend, ist der Frieden unter Annwyls Herrschaft gefestigt. Manche der bekannten Charaktere sind gestorben, neue nachgewachsen. Kachka Shestakova von den Schwarzbärenreitern lebt seit gut sechs Monaten bei ihrer Schwester Elina und im Schutz von Königin Annwyl. Das Leben dort ist ihr nicht aufregend genug, so dass sie nach Abenteuern Ausschau hält.
Da kommt es gelegen, dass sie von der Königin ausgesandt wird, dem neu auftretenden Chramnesind – Kult entgegen zu treten. Zu viele Tempel und unschuldige Leben wurden von dem Chramnesind – Kult geopfert. Der brutale Kult will alle zu seinen Anschauungen bekehren, oft auf grausamste Art und Weise. Während der Auseinandersetzungen mit dem Kult kann Kachka Shestakova dem Drachenkönig Gaius Lucius Domitus das Leben retten. Daraus ergibt sich eine Situation, die Kachka erst einmal nicht so angenehm ist. Für sie sind Männer nur zur Befriedigung der fleischlichen Gelüste gut. Und ein paar andere Kleinigkeiten. Gaius ist fasziniert von ihr, denn die Kriegerin lässt sich nicht gerne zum Spielzeug eines Mannes machen, und daher eine Herausforderung. Der Drachenkönig geht einen Pakt mit der Kriegerin Kachka ein, die weiß wie sie mit einer Waffe umzugehen hat.
Ich will nicht zuviel von der weitreichenden und in mehreren Handlungssträngen gehaltenen Handlung erzählen. Viele bekannte Charaktere treten kurz auf, oder werden erwähnt, so dass der Bogen in die Vergangenheit der Welt geschlagen wird. G. A. Aiken packte erneut alles in den Roman, was ihre Leser lieben.
Zwar hat man ab der ersten Seite das Gefühl wieder dabei zu sein, aber wie eingangs erwähnt, fand ich die Handlung diesmal nicht so spannend. 

Peter F. Hamilton DER NEUTRONIUM-ALCHIMIST
Originaltitel: the neutroniumalchimis 2 (1996)
Übersetzung: Axel Merz
Titelbild: Stephanie Gauger
Piper Verlag 8144 (07/2017) 891 Seiten 12,99 €
ISBN: 978-3-492-28144-7 (TPB)
www.piper.de

Der vierte Band (eigentlich der zweite Teil von Band 3, das Buch wurde geteilt) des Armageddon-Zyklus von Peter F. Hamilton: Die Besessenen breiten sich immer weiter im Universum aus. Auf Planeten und Asteroiden kämpfen die Menschen um das nackte Überleben gegen die fremdartigen und erbarmungslosen Mächte, die mit Chaos und Tod die bevölkerten Welten bedrohen. Verzweifelt stellt man Armeen gegen die Bedrohung auf, doch niemand scheint ihr gewachsen zu sein. Für Joshua Calvert jedoch geht der Wettlauf mit der Zeit weiter. Er muss Dr. Alkad Mzu finden, die fest entschlossen ist, den Alchimist einzusetzen. Sie will ihre dreissig Jahre alte Rache zu vollziehen und eine Sonne zu vernichten. Allerdings ist Joshua, im Auftrag von Ione Saldana, ist nicht der einzige, der sich an die Verfolgung macht. Dr. Alkad Mzu zieht quer durchs All, einen Rattenschwanz an Geheimdienstlern der unterschiedlichsten Fraktionen hinter sich herziehend. Und auf allen Seiten gibt es Menschen mit ganz eigenen Vorstellungen über den Einsatz der ultimativen Weltuntergangswaffe mit fürchterlicher Zerstörungskraft: Alchimist.

Ich kannte die ersten beiden Teile, die damals im Bastei Verlag erschienen und bin mit den Büchern im Piper Verlag wieder eingestiegen. Es war wie „nach Hause kommen“. Eine phantastische Welt voller Abenteuer und mit neuen Ideen. Wer dieses Buch lesen will, sollte die ersten Bände gelesen haben. Geübte SF-Leser und Fans von Peter F. Hamilton werden sich jedoch schnell in die Welten des britischen Autors einlesen. DER NEUTRONIUM-ALCHIMIST ist der vierte Teil des insgesamt 6 Bände umfassenden Armageddon-Zyklus. Der Armageddon Zyklus fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, der direkt aufeinander aufbauenden Reihe. Die schöne heile Welt wird in seinen Grundfesten erschüttert. Die Menschheit trifft auf Fremde in einer zufälligen Begegnung.
Der schlimmste Alptraum der Menschen beginnt jedoch als die Toten aus dem Jenseits zurückkehren.
Unzählige Seelen von Verstorbenen treiben bei vollem Bewusstsein durch das jenseitige Nichts. Als sie endlich eine Möglichkeit entdecken in die Welt der Lebenden zurückzukehren nutzen sie die. Dabei werden die Körper der lebenden Menschen übernommen. Für die Menschheit ein Problem, denn jeder Tote kann auf die gleiche Weise zurückkehren. Der Krieg gegen die Besessenen ist voll entbrannt. Über die Galaxis hinweg hat sich das Problem ausgebreitet und die Menschen schmieden verzweifelt Allianzen.
Das Habitat „Valisk“ wird in die Auseinandersetzungen gezogen. Rubra, die „Persönlichkeit“ des Habitats setzt sich mit aller Macht gegen die Besessenen zur Wehr. Die Anführerin der Besessenen im Körper der Lalonde-Kolonistin Marie Skibbow, versucht leichtgläubige Teenager anzulocken. Ihr Vater Gerald Skibbow, selbst ein Ex-Besessener, macht sich auf den Weg das Töchterchen zu retten.

Peter F. Hamilton baute gekonnt die verschiedenen Handlungsstränge aus und entwickelte perfekte Spannungsbögen. Als Leser erwartet man nun die Fort-setzung dieser Perle der Science Fiction. 

Ian Mcdonald LUNA – WOLFSMOND
Originaltitel: luna - wolf moon (2017) Übersetzung: Friedrich Mader
Titelbild: Malcolm Park
Wilhelm Heyne Verlag 31796 (06/2017) 484 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31796-3 (TPB)
www.heyne.de
www.diezukunft.de

Achtzehn Monate sind seit dem Tod Adriana Cortas vergangen. Die Corta Helio Corporation ist zerschlagen und die mächtigste Familie des Mondes ruiniert. Die vier verbliebenen Drachen, wie die einflussreichen Clans auf dem Mond genannt werden, wittern ihre Chance und liefern sich einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung in der High Society des Mondes – es ist ein Machtspiel voller Verführung, Lügen und Intrigen. Ein Spiel, das die Menschen auf dem Mond schon bald an den Rand eines Krieges bringen wird ... (Verlagstext)

Vor eineinhalb Jahren starb Adriana Cortas, von der einflussreichsten und reichsten Mondgesellschaft. Nun ist die Familie ruiniert und Dynastie-Erbe Lucas Corta auf der Flucht, die Gesellschaft Corta Helio Corporation ist zerschlagen. Das Spiel der Intrigen verlor die Gesellschaft im unausgesprochenen Krieg gegen die anderen Drachen, wie die Mond-Multis genannt werden. Lucas Corta flieht auf die Erde wo ihm die WTO Schutz bietet. Allerdings hat er weiter Probleme. Als Mondgeborener ist er die Schwerkraft der Erde nicht gewohnt. Dennoch gibt er nicht auf, schliesslich geht es nicht nur um seinen Körper, sondern um die Zukunft der Familie. Die zweite Generation Mondgeborener der Cortas, Luna, Lucasinho und Lousika fand auf dem Mond in Twé, der Residenz der Asamoahs Unterschlupf. Als Nahrungsmittellieferant gelten die Asamoahs in der Mond-Gemeinschaft als neutral.
Die Mackenzies, eine andere Familie der Drachen, muss neue Wege einschlagen. Bryce Mackenzie gründet eine neue Tochterfirma, die Mackenzie Helium. Die Grundlage ist die zerstörte Corta Hélio, Sein Bruder Duncan ist strikt dagegen, denn diese Firma widerspricht dem Hauptgeschäft Mackenzie Metals. Bryce spielt ein gefährliches Spiel, bei nicht nur die Firma sondern auch die Familie gespalten wird.
Die vier verbliebenen Gesellschaften auf dem Mond, sehen ihre Chance und liefern sich einen erbitterten Kampf um die Vormachtstellung. Dies gilt nicht nur wirtschaftlich sondern auch gesellschaftlich. In der High Society beginnt ein Machtspiel voller Verführung, Lügen und Intrigen, die schon die Familie Cortas vernichtete. Allerdings ist diese Auseinandersetzung bereits soweit gediehen, dass auch ordinäre Gewalt angewendet wird, um die Gegner zu demütigen und zu schädigen.
Die ganze Geschichte entwickelt sich zu einem heftigen Überlebenskampf auf dem Mond. Die Entwicklung und die Konflikte brechen in einen Krieg aus. Die reichen Familien mit ihren Konzernen fallen in sich zusammen wie Kartenhäuser.

Manche Leser mögen ihre Schwierigkeiten mit den vielen Charakteren und Erzählsträngen haben. Wer sich mit Band eins jedoch eingelesen hat, wird hier wieder seinen Spass und die gute Unterhaltung finden. Allerdings sollte man sich nicht zu sehr an eine Figur binden und sich mit ihr identifizieren, den manch eine stirbt, manchmal unerwartet einen brutalen und würdelosen Tod. Dabei sind die Charaktere sehr wirklichkeitsgetreu und in vielen Einzelheiten beschrieben. Wie ihr Leben ist auch das Ableben. Wenige sterben altersbedingt, die meisten durch Gewalteinwirkung. Alles zusammen, Arbeitsleben, privates Leben und letztlich der Tod ergibt ein für den Leser interessanten Charakter. Die Gesellschaft auf dem Mond erinnert jedoch eher an die Gesellschaft des Mittelalters. Reiche, Bürger und viele die die Position der Leibeigenen und Sklaven einnehmen.
Wer als Neuleser die SF-Romane von Ian McDonald als erste SF aussucht, hat sich einen schweren Text ausgesucht. Vorteil ist jedoch, dass die Science Fiction Elemente nicht sehr stark in den Vordergrund treten, und obwohl in der Zukunft spielend, lediglich den Mond als Handlungs- und Tatort betrachtet.
Ein Nachteil bei der Erzählung von Ian Mcdonald sind jedoch die Kapitel. Sie sind relativ lang und mittendrin erfolgt ein Perspektivwechsel. Oft weiss man nicht, aus wessen jeweiliger Perspektive gerade berichtet wird und muss sich erst wieder rein lesen.
Die Beschreibungen sind ausführlich, wie bereits bei den Charakteren erwähnt, zieht sich die auch auf die Umgebung und die ganze soziale Struktur hin. Ian McDonald schafft es zudem neue Charaktere wie aus dem Nichts zu erschaffen und logisch in die Handlung einzufügen.
Die Erzählung ist gut, viele Wendungen, oft überraschend. Sehr viel passiert schnell und vor allem viel. Es besteht durchaus die Gefahr, den Faden zu verlieren.
Luna Wolfsmond, der zweite Band und nicht der typische Lückenfüller, liefert eine spannende und actionreiche Handlung. 

Ray Bradbury VOM STAUB KEHRST DU ZURÜCK
Originaltitel: from the dust returned (2001)
Übersetzung: Joachim Körber
Titelbild: Lillian Mousli
Edition Phantasia - Horror 07/2004 165 Seiten 13,90 €
ISBN: 978-3-937897-02-X (TPB mit Klappbroschur)
www.edition-phantasia.de

Seit Jahrtausenden steht das merkwürdige alte Haus auf seinem einsamen Hügel in Illinois, und seine seltsamen Bewohner schlafen und warten - bis ein Ruf um die Welt geht und die verstreuten Mitglieder der Familie zu einem Treffen einbestellt. Es ist der Abend vor Allerheiligen, und alle kommen, die lebenden Mumien, die Vampire, die Werwölfe, die geflügelten Onkel und Nichten, die schlafend im Geiste die Welt durchstreifen, die Untoten, die aus ihren Särgen steigen ... und inmitten des bunten Treibens unheimlicher Gestalten der kleine Timothy, ein menschliches Findelkind, das so gerne wie seine unnatürlichen Ziehverwandten sein möchte. Aber dem kleinen Timothy ist ein ganz anderes Schicksal vorherbestimmt.

Mit seinem neuen Roman hat der mit dem National Book Award ausgezeichnete Ray Bradbury ein weises, großes Alterswerk über die Macht der Phantasie und den Zauber der Literatur geschrieben. Er greift auf Motive seiner frühen, längst zu Klassikern gewordenen unheimlichen Erzählungen zurück und spannt mit neuen Geschichten einen Bogen über eine fast sechzigjährige, beispiellose Schriftstellerkariere. (Verlag)

Ray Bradbury schuf mit FAHRENHEIT 451 ein Werk, bei dem ich mich fast in den Staub zu seinen Füssen legen würde. Damit hat er ein Werk geschaffen, das in seiner Art und Weise die Menschen berührte und rund um den Globus nachdenklich zurück liess. Mit seinem neuen Roman in der Edition Phantasia erschienen, VOM STAUB KEHRST DU ZURÜCK, stellt er die Verbindungen des heutigen Zeitalters zu seinen früheren schriftstellerischen Wurzeln her.
Persönlich zähle ich den vorliegenden Band deswegen zum Horror, weil die entsprechenden klischeehaften Figuren auftreten. Es ist jedoch kein Buch bei dem man sich ängstigen muss, zumal der Held, der kleine Timothy, so angelegt ist, dass man den Roman auch als Jugendbuch lesen kann. Das gleiche gilt für das einsame Haus.
Die sogenannten Monster in diesem Buch sind eher liebevolle Wesen, nicht unähnlich einer treusorgenden Mutter. Allerdings ist die Erziehung nicht ganz das, was einem normalen Menschenkind zukommt. Ob nun Vampir oder Mumie oder anderes Gruselwesen, jeder hat seine eigene Ansicht, wie ein Junge wie Timothy erzogen werden soll. Weil die Erziehung und der Umgang miteinander eher liebevoll ist, kann man Timothys Wunsch verstehen, ebenso zu werden wie sie.
Das Buch, 2001 geschrieben, geht auf frühe Entwürfe des Autors zurück. VOM STAUB KEHRST DU ZURÜCK ist ein Episodenroman, indem die Kurzgeschichten aufeinander aufbauen oder ergänzen. Ähnlich dem Buch von Hermann Ritter PEDROR RA YS aus dem Arcanum Fantasy Verlag.
Ray Bradbury ist ein toller Autor, doch mit VOM STAUB KEHRST DU ZURÜCK wird er keine Preise gewinnen. Die Kurzgeschichten wirken oft ein wenig distanziert, der Aufbau des Werkes nicht zeitgemäss. Auf diese Weise wird er nicht viele Leser gewinnen. Dabei ist der Junge Timothy ein sehr ansprechender Charakter. Ähnlich den anderen Charakteren. Manche sind ständige Begleiter, dann wiederum tauchen sie nur kurz auf und verschwinden wieder, ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Weitere Gestalten oder besser Formen sind wieder neu, unverbraucht und teilweise urkomisch, wenn man die Dinge nimmt, wie sie gegeben werden.
Zusammenfassend kann man bemerken, das Buch ist lesenswert, macht Spass an den richtigen Stellen und gehört für mich zu den ungewöhnlichen Büchern. 

John Shirley IN DER HÖLLE
Originaltitel: the view from hell (2001) Übersetzung: Joachim Körber
Titelbild: Frank Fiedler
Edition Phantasia - Horror (07/2007) 151 Seiten 12,90 €
ISBN: 978-3-937897-22-6 (TPB mit Klappbroschur)
Preis: 12,90 EUR

H, V und Z sind Wesen einer höheren Dimension, die unerkannt die Erde beobachten. Grausam wie Kinder, die Spinnen die Beine und Fliegen die Flügel ausreißen, führen sie schreckliche Experimente mit den Menschen durch und zwingen sie zu irrsinnigen Bluttaten. Als H endgültig die Kontrolle verliert, streben die Experimente einem ebenso bizarren wie mörderischen Höhepunkt entgegen ...

Für einen ungewöhnlichen Ausflug ins Horror-Genre ist dieser Roman eine willkommene Abwechslung. John Shirleys IN DER HÖLLE ist eine Abwechslung zu den Glitzervampiren, die allenthalben um die Gunst weiblicher Leser buhlen. Dies kleine Glanzlicht des Horrors ist das, was Horror ausmacht: abgrundtief böse, kraftvoll, brutal und direkt, und mit zahlreichen Überraschungen ausgestattet und Gänsehaut erzeugend.
John Shirley verzichtet auf die Genre-übliche Figuren und sorgt mit seiner Idee für etwas Neues und Spannung. Da kommen körperlose Wesen aus einer anderen Dimension daher und sie beobachten unsere Welt.Weil ihnen das nicht ausreicht, spielen sie mit den Menschen, wie Menschen mit einem Ameisenhaufen. Aus dem Spiel wird schnell ernst, denn sie beginnen mit unvorstellbar grausamen Experimenten. Sie dringen in das Bewusstsein der Menschen ein und verwandeln diese in mordlüsterne Wesen. Gleichzeitig manipulieren sie alles und erzeugen Katastrophen, nur um zu sehen, wie die Menschen reagieren. Doch auch die Dimen-sionsreisenden sind unterschiedlich und als einer von ihnen ausflippt, sind sie auch ein wenig befremdet. Dennoch lassen sie es zu, dass die Experimente gnadenlos vorangetrieben werden. Doch dann gerät alles ausser Kontrolle.
John Shirly lässt frischen Wind durch den Blätterwald der Horror-Literatur wehen. Er bedient sich des alltäglichen Lebens und dessen Wagnissen, erweitert sie zu grauenhaften Ereignissen und spielt in der menschlichen Seele verstecken mit den ureigensten Ängsten und stellt für Leser mit schwachen Nerven eine Herausforderung dar. Der Mensch als Opfer übernatürlicher Wesen, degradiert auf den Status einer Laborratte, hat gar keine Chance auf ein überleben. Der Leser ist gefangen in der schnellen Erzählung, geopfert einer fast ordinären Sprache, hingerichtet an den eigenen Ängsten, und erst befreit, wenn die letzte Seite gelesen ist. Oder vielleicht doch nicht? Der nächste Alptraum kommt bestimmt. 

A pro po Alptraum. Ich hoffe ja immer noch darauf, dass der Typ, dessen Alptraum ich bin, endlich aufwacht. Erik Schreiber

THE FIRST EMPIRE
Michael J. Sullivan REBELLION
Originaltitel: Age of Myth: Book One of the Legends of the First Empire (2016)
Übersetzung: Marcel Aubron-Bülles
Titelbild: Bilderdienst
Knaur Verlag 52033 (04/2017) 520 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-426-52033-8
www.knaur.de

REBELLION ist der furiose Auftakt zur neuen großen High-Fantasy-Saga des amerikanischen Bestseller-Autors Michael J. Sullivan.

Seit Anbeginn der Zeit leben die Menschen im Schatten ihrer Götter, der Fhrey: Während diese in kunstvoll angelegten Städten wohnen, über Magie verfügen und niemals altern, hausen die Menschen in armseligen Dörfern, geplagt von Hunger und Krankheiten.
Als der junge Raithe von einem Fhrey angegriffen wird, tut er das Undenkbare: Er wehrt sich. Niemand könnte überraschter sein als Raithe, als der unsterbliche Gott plötzlich tot zu seinen Füßen liegt. Von da ab eilt sein Ruf ihm voraus - und ehe er es sich versieht, wird Raithe zum Anführer eines Aufstands, der die Welt für immer verändern soll.

Der Roman REBELLION ist der Auftakt zu einer weiteren Reihe, die auf der Reihe Riyria aufbaut, aber gleichzeitig die Vorgeschichte darstellt. Die Handlung setzt 3000 Jahre zuvor ein. Michael J. Sullivan beginnt mit dem Aufstieg der Menschen und der Gründung des First Empire, bietet ein gutes Buch bei dem es sich um High-Fantasy auf hohem Niveau darstellt. Es ist eine eigene Welt mit eigener Magie und fantastischen Wesen, die es in ähnlicher Art bereits gibt, aber der Wiedererkennungseffekt mit diesen Wesen bzw. mit der Reihe Ryria, sorgt dafür dass man gern dabei bleibt. Im Gegensatz zu anderer High-Fantasy mit epischen Schlachten wird hier mehr auf die Beziehungen zwischen Personen und Familien gelegt. Intrigen sind das A und O der Erzählung, was mir sehr gut gefällt. Michael J. Sullivan ist ein Autor, der diese sehr gut darstellt. Als Auftakt zu einer neuen Reihe ist das natürlich in Ordnung, wenn erst einmal vergleichsweise wenig passiert. Dafür ist die Charakterstudie der einzelnen Personen gut gelöst, sie werden ausführlich vorgestellt und erfahren bereits im Laufe der Handlung eine Veränderung.
Der ungeplante Aufstieg der Menschen gefällt den elfenhaften Fhrey nicht. Während die Menschen in ärmlichen Gemeinschaften Leben und mit Hunger und Krankheit kämpfen. Die Menschen leben mit ihren Familien in Lehmhütten. Der Clan-Verband wohnt auf einem Hügel mit einer wehrhaften Mauer. Den Menschen sind die magisch begabten Fhrey den Menschen technologisch überlegen. So erscheinen diese den Menschen Gottgleich. Dieser Status hilft den Fhrey natürlich, die Menschen besser zu unterdrücken und zu beherrschen. Die Erhöhung der Fhrey ändert sich erst, als der junge Raithe und sein Vater sich gegen einen Fhrey stellen. Angreifende Fhrey werden von ihnen, auch unter Hilfe eines Sklaven verjagt und einer von den Gottgleichen getötet. Damit steht der junge Raithe plötzlich im Ruf, ein Gottestöter zu sein. Ein zweifelhafter Ruf, denn er bringt nichts als Ärger. Die Menschen beginnen zu begreifen, dass die Fhrey ebenso sterblich sind wie die Menschen. Die Menschen sind sich nicht einig, wie sie auf die Bedrohung durch die gottähnlichen Wesen reagieren sollen, die beschlossen haben, die aufsteigende Menschheit zu vernichten. Raithe wird, eher ungewollt in die Rolle des Anführers aufrührerischer Menschen.
In Raithe als Gottestöter erwartete ich eigentlich die zentrale Figur, dem schnell Malcolm zur Seite gestellt wird und fortan hauptsächlich als Duo auftreten.
Eine weitere wichtige Person stellt Persephone dar. Sie ist die Frau des Clanführers aus Dhal Rhen. Durch einen Bären verliert sie Sohn und Ehemann. Die Schicksalsschläge sind schwer zu verkraften, denn mit dem Verlust des Clanführers verliert Persephone auch ihre Stellung innerhalb der Gemeinschaft. Mit einem neuen Führer muss sie das Haus verlassen und bei ihrer Freundin unterkommen. Die Machtposition verloren, sorgt dafür, dass die bereits genannten Intrigen beginnen.
Dann ist da noch die Seherin Suri, die den Untergang der Menschheit vorhersagt.

Michael J. Sullivan greift auf die Legenden zurück, die er in der Reihe Ryria erwähnte und durch Erzählungen von Handlungsträgern zum Leben erweckte. Jetzt beginnt die Zeit der Legenden, nur um festzustellen, dass die Aussage Legenden sind falsch, aber mit einem wahren Kern, zutrifft. Wer nun meint, die anderen Bücher von Sullivan kennen zu müssen irrt. Die Handlung ist so aufgebaut, dass jeder unbedarfte Leser, trotz der komplexen Handlung ihr mühelos folgen kann. Viele neue Figuren treten auf, mehrere Handlungsstränge verlaufen gleichzeitig, Wendungen in der Handlung oder eines Charakters kommen zum Teil überraschend. Dadurch ist der Roman sehr interessant und abwechslungsreich.
Nachteil wieder einmal der Amerikanismus. Nennt man in der Überschrift das Buch THE FIRST EMPIRE, stellt sich mir die Fragen, a) warum nicht der ganze Originaltitel und b) warum in englisch? 

Robert Charles Wilson NETZWERK
Originaltitel: the affinities (2015) Übersetzung: Friedrich Mader
Titelbild: Bilderdienst
Wilhelm Heyne Verlag 31657 (07/2017) 374 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31657-7 (TB)
www.heyne.de
www.diezukunft.de

Wer die Romane von Robert Charles Wilson kennt, weiss dass er sich gern mit Sozialkritik auseinandersetzt. Das trifft auch bei seinem neuen Werk Netzwerk zu. Der Handlungsträger Adam Fisk stammt aus einer Kleinstadt im Staat New York. Seine Familie, mit einem herrischen Vater als Vorsteher, besteht aus typischen Kleinbürgern, denen es gelang, mit einem kleinen Unternehmen zu einem kleinen Wohlstand zu gelangen. Um der kleinbürgerlichen Enge zu entkommen, studiert Adam mit finanzieller Unterstützung seiner Großmutter Grafik. Das Studium kommt nicht recht voran und ob er die nächste Prüfung besteht, ist fraglich. Zudem steht er ständig unter Druck. Seine Grossmutter ist kränkelnd und so könnte die finanzielle Unterstützung schnell wegfallen. Seine Studienkollegen sind auch nicht viel besser als er dran und daher keine Hilfe.
Adam steht vor der schrecklichen Entscheidung, als Verlierer zurück zu seiner Familie zu fahren und dem Vater die Genugtuung zu geben, Recht behalten zu haben.
Adam Fisk rafft sich auf, seine Lage zu verbessern. Er sieht in einer Netzwerkgruppe, der sogenannten Affinität, die Möglichkeit auf Gleichgesinnte zu treffen. Nach einem Test mit neuesten Methoden sollen Menschen die sozial perfekt zueinander passen, also eine Affinität haben, zusammengeführt werden. Für Adam stellt sich die Gruppe Tau als perfekt heraus. Hier findet er Mitmenschen die ihm Familie und Freunde zugleich sind. Eine Gemeinschaft, die er immer gesucht, aber nie gefunden hat. Mit der Zeit werden die Affinitäten immer grösser und es entwickeln sich Konkurrenzdenken bis hin zu Auseinandersetzungen. Aber auch innerhalb der Affinitäten entstehen Gegensätzlichkeiten und unterschiedliche Ausrichtungen. Das Ziel dieser Gruppierungen, eine bessere Welt zu erschaffen, gerät damit ins Hintertreffen.

Eine spannende und solide Grundidee, die gerade die deutsche Vereinsmeierei auf die Schippe nimmt. Was Vereine in der Wirklichkeit sind, stellen die Affinitäten in grossem Stil dar. Was bei Instagram, Facebook etc. mit kleinen Grüppchen dargestellt wird, findet sich jetzt im grösseren Stil wieder. Robert Charles Wilsons Romane sind immer eine glaubwürdige Darstellung der Zukunft. Der Einstige wirkte ein wenig wie eine Kreuzung aus Sachbuch und Zukunftsvision, die durchaus möglich sein könnte. Der Leser wird Zeuge von Adams familiären Situation und deren Schwierigkeiten, nimmt teil an seiner Zerrissenheit und wird mit seiner Zukunft in der Affinität den gleichen Schwierigkeiten ausgesetzt. Soziale Konflikte aus dem kleinen Bereich der Familie, vergössert und modernisiert im Netz. Jedenfalls ein interessanter Gedankengang, den es Robert Anton Wilson nicht gelingt bis zum Ende durch zu spielen. Zur Mitte des Buches flacht die Geschichte etwas ab. Die Wirkung der Gemeinschaften und ihre Einflüsse auf wirtschaftliche und politische Gegebenheiten im Weltgeschehen sind erschreckend aktuell. Hier wirken die Affinitäten wie Lobbyisten, mit mehr Erfolg.
Ein klein wenig enttäuschend ist das vorhersehbare Ende. Robert Charles Wilsons Bücher besitzen den Charakter von abenteuerlichen Visionen. Doch dieses Buch ist nicht das Beste von ihm. Hätte er den Stil einer wissenschaftlichen Zukunftsvision beibehalten, dann wäre das Buch wertvoller. Mit dem beschriebenen Ende bin ich daher nicht einverstanden. Aber die Idee ist gut. 

John Gwynne MACHT – DIE GETREUEN UND DIE GEFALLENEN
Originaltitel: Malice (The Faithful and the Fallen 1)
Übersetzung: Wolfgang Thon
Titelbild: Isabelle Hirtz Karte: Fred von Deelen
Blanvalet 6119 (19.06.2017) 826 Seiten 16 €
ISBN: 978-3-7341-6119-3 (Klappenbroschur)
www.blanvalet.de

Wo sich die Verfemten Lande erstrecken, färbte Blut die Welt einst rot. Wo heute uralte Ruinen stehen, bezwangen Menschen Giganten. Wo einzig das Heulen der Woelven erklingt, brannte vor tausenden Jahren die Welt.
Doch zu lange haben sich die Menschen in Sicherheit gewähnt. Nun weinen die Gigantensteine Blut, und in den Verfemten Landen regt sich erneut, was für immer verbannt sein sollte. Ein uralter Feind hat längst eine Allianz geschmiedet und wartet darauf, dass seine Stunde kommt. Und nur einer vermag es, ihn aufzuhalten, wenn die Schwarze Sonne die Welt betritt … (Verlagstext)

Es gibt Bücher und Bücher. Es gibt Autoren und solche, die es werden wollen. Es gibt Bücher und Autoren, die werden mit George R. R. Martin verglichen, zu Unrecht, und andere, die das gar nicht nötig haben, weil sie eigenständig gut sind. Zu diesen Autoren gehört John Gwynne. Ein für mich unbekannter Autor, der in den Blätterwald der phantastischen Literatur tritt und ein Rauschen verursachen kann, wie nur wenige andere.
Wer Vergleiche zu George R. R. Martin ziehen möchte, kann dies gern tun, ist aber überhaupt nicht notwendig. Im Gegenteil, denn der Autor hat seinen eigenen Stil entwickelt, auch wenn ich durchaus eingestehe, dass es Anleihen bei anderen Autoren gibt. Etwa wenn es um die Woelven geht, riesigen Wölfen, die es auch bei George R. R. Martin oder Robin Hobbs WEITSEHER-Reihe gibt. Dabei sind das nur zwei Beispiele. Es gibt weitaus mehr Romane in denen diese Tiere eine Rolle spielen. In seinem Roman treten Menschen auf wie Du und Ich. Liebenswert dargestellt entpuppen sie sich oft als durchtrieben, gemein und bösartig, so wie es jeder andere normale Mensch sein kann. Oder besser ist. So steht im Mittelpunkt der 14-jährige Corban ben Thannon. Er ist noch nicht alt genug, seine Träume zu verwirklichen. Dabei beneidet er die älteren Jungen, die zu Kriegern ausgebildet werden. Corban sehnt sich danach zum Schutz des Reiches unter der Herrschaft von König Bernin, ein eigenes Schwert führen zu dürfen und so zum Held des Reiches zu werden. Dieser Wunsch geht jedoch schneller in Erfüllung, als er sich vorstellt. doch ist er erst einmal beschäftigt. Er rettete ein Woelven-Welpe vor dem sicheren Tod und zieht es auf. Seine Mitbürger sind damit nicht unbedingt einverstanden, gelten die Woelven doch als gefährlich. Das Tier erhält den Namen Storm und wird Corbans treueste Gefährtin.

Den Hintergrund bilden die Königreiche mit ihrer stürmischen Geschichte, in der Heerscharen von Menschen und Giganten sich in unerbittlichen Kämpfen bis auf den letzten Blutstropfen bekriegten. Obwohl die Clans der Giganten schon vor langer Zeit zerschlagen wurden, bestehen ihre Ruinenfestungen weiterhin. Aber es ist inzwischen so, dass sich die Giganten wieder bemerkbar machen. Die Gigantensteine weinen Blut und schreckliche Bestien verunsichern die Welt mit ihren Flüssen und Wäldern. So etwas hört sich für den Leser schon mal gut an. Heroische Fantasy von seiner besten Seite, zum Wohle des Lesers. Es gibt jedoch Menschen, die die bedrohlichen Zeichen zu deuten wissen. Ihnen entgeht nicht, dass eine weitaus grössere Bedrohung vor der Tür steht. Dagegen wären die Gigantenkriege nur ein kleines Scharmützel. Unerträgliches Leid wird die die Welt verdunkeln, wenn Engel und Dämonen sie zu ihrem Schlachtfeld erklären. Der Krieg, der dann über Menschen und Riesen hereinbricht, wird alles beenden. denn es wird nichts mehr vorhanden sein, dass sich zu schützen lohnt.
In diesem Zusammenhang wird der Hochkönig Aquilus tätig und ruft seine Mitkönige zu einem Konzil zusammen. Sein Ziel ist es, die alte Prophezeiung über die Schwarze Sonne und den Strahlende Stern zu brechen. Die beiden genannten sind die Anführer der beiden Kriegsparteien. Jetzt gilt es, eine Allianz zu schmieden. Mancher Herrscher ist skeptisch und selbstsüchtig darauf bedacht seine eigenen Ländereien vor Gesetzlosen und Giganten zu schützen. Ausserdem bestehen persönliche Feindschaften, mit körperlichen wie auch verbalen Auseinandersetzungen, Intrigen und Ränkespiele, die in Ungerechtigkeiten für die einzelnen Handlungsträger ausarten.

Die Geschichte wird aus der sich des allwissenden Erzählers beschrieben. Sie trägt in der Überschrift des jeweiligen Kapitels den Namen des jeweiligen Hauptcharakters. Dadurch kommen Corban, Veradis und Co gut zur Geltung. Ihre Gedankengänge, Beziehungen und Gefühle sind gut beschrieben. John Gwynne hat seinen eigenen Stil und seine Charaktere und zwar jede Menge, mit einer eigenen Geschichte, die zudem miteinander verwoben wurden.

Die gut ausgearbeitete Hintergrundgeschichte hätte an manchen Stellen etwas ausführlicher, durchaus weitschweifiger sein können. An dieser Stelle hätte ich einen grösseren Umfang gern gesehen. Die uralte Feindschaft zwischen Menschen und Giganten zieht sich wie ein Leitfaden durch das ganze Buch. Wie es dazu kam, wie die aktuelle Handlung beeinflusst wird, führt dazu, dass sie nachvollziehbar und glaubwürdig wird. Die lebendigen und aussagefähigen Beischreibungen sorgen dafür, dass man sich mittendrin und nicht nur dabei fühlt.
Für mich ist Macht - Die Getreuen und die Gefallenen ein echtes Fantasy-Glanzlicht, dem sicherlich noch weitere folgen werden. Denn der vorliegende Band ist der erste einer Reihe. Mögen ihm die Ideen nicht ausgehen. Ich mag den Begriff gar nicht, aber hier ist Pageturner durchaus treffend. 

John Gwynne wurde in Singapur geboren und lebt heute mit seiner Frau, vier Kindern und drei Hunden in East Sussex (England) und führt in England ein kleines Unternehmen, das alte Möbel restauriert.. Er hatte viele verschiedene Jobs, u. a. unterrichtete er an der Brighton University, wo er auch studierte, verpackte Seife in einer Seifenfabrik und kellnerte in einem französischen Restaurant. Er spielte Bass in einer Rock'n'Roll-Band, bereiste die USA und lebte in Kanada. Er gab die Arbeit an der Universität auf, um sich daheim besser um seine behinderte Tochter kümmern zu können. Nebenbei begann er zu schreiben und Malice The Faithful and the Fallen 1 erschienen 2012 bei Pan Macmillan ist sein Debütroman.

DIE PARADOXA-SAGA 2. Band
Rachel Bach SÖLDNEREHRE
Originaltitel: Honor’s Knight – Paradox Book 2
Übersetzung: Michael Pfingstl
Titelbild: Das Illustrat
Wilhelm Heyne Verlag (10.07.2017) 510 Seiten 9,99 €
ISBN: 978-3-453-31841-0 (TB)
www.heyne.de
www.diezukunft.de

In ihrem Job als Sicherheitsoffizierin macht Devi Morris so leicht keiner etwas vor. Nach ihrem letzten Einsatz auf dem unscheinbaren Handelsschiff Glorreicher Narr hat sie jedoch nicht nur ihren Partner, sondern auch die Erinnerung an das verloren, was genau eigentlich passiert ist – und sie ahnt auch, dass da draußen im All eine Macht auf sie wartet, die größer ist als jede Vorstellungskraft.

Bei ihrem letzten Einsatz hat die Sicherheitsoffizierin Deviana Morris hat ihr Gedächtnis verloren. Sie ist nicht in der Lage, sich an die Ereignisse, die ihr Leben doch entscheidend prägten, zu erinnern. Devi plagt sich durch ihr jetziges Leben und ist nicht sonderlich erbaut davon. Ein drängendes Gefühl, etwas Wichtiges verloren zu haben löst sich erst, nachdem sie wieder ihr Gedächtnis und damit ihr Leben wieder hat. Doch bis sich die Schleier über ihrer Erinnerung lösen vergeht einige Zeit, die mir seeeeehr lang vorkam. Es passiert nichts wirklich Wichtiges. Erst nachdem Deviana ihre Erinnerungen zurück erhält, wird die Erzählung spannender und schneller. Und natürlich rettet unsere Heldin nicht weniger als das Universum. Mal ehrlich. Ein Sonnensystem hätte auch genügt.
Wie auch im ersten Roman ist die Idee gut ausgeführt, aber es sind zu viele Klischees vorhanden. Öfters werden Situationen, Personen oder Dinge erwähnt, die man als Leser und Filmfan nur zu genüge aus den einschlägigen Produkten kennt. Andererseits sind auch viele Ideen oder handelnde Charaktere in dieser Art neu.
Viel gibt es jedoch zu diesem Band nicht zu erzählen. Ein typischer Mittelband eben. 

Tom Lloyd SÖLDNERFLUCH
Originaltitel: Stranger of Tempest Übersetzung: Michael Siefener
Titelbild: Nele Schütz Design
Wilhelm Heyne Verlag 31868 (10.07.2017) 604 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-453-31868-7 (Klappbroschur)
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Er nennt sich Luchs. Er kennt nur ein Leben, nämlich das Soldatenleben. Luchs schlägt sich schon seit Jahren als Söldner durch, und das eigentlich mehr schlecht als recht. Doch dann muss er für seine neuesten Auftraggeber ein Mädchen retten – und das hat zu allem Unglück auch noch eine magische Begabung. Und wird vom mächtigsten Ritterorden gesucht. Also genau das, was Luchs gerade noch gebraucht hat. Aber leider hat Luchs ein verflucht gutes Herz – und eine verdammt gute Waffe …

Luchs ist ein Kriegsveteran. Seine Ausbildung war hart und blutig, seine Kampfmoral: kein Erbarmen. So wurden die Krieger gedrillt, deren Mitglied er einmal war. Dann wurde der Krieg verloren, seine Lebenszeit in einem Gefängnis etwas eingeschränkt. Wegen „guter Führung“ entlassen ist er eigentlich überflüssig geworden. Er schlägt sich, meist metaphorisch, oft wörtlich, durchs Leben. Den Drill, der ihm während seiner Zugehörigkeit eingebläut wurde, legte er längst ab und lebt nach seinem eigenen Kodex. Und dieser bereitet ihm selbst manchmal Schwierigkeiten.
Luchs gehört zu den Menschen der gehobeneren Bürgerschaft, denn er ist Lesens und Schreibens, und kennt sich mit der Mathematik aus. Trotzdem erhielt er keine Arbeit und muss sich nun als Leibwächter, Begleitschutz und ähnliches verdingen. Aus dem Krieger mit dem Waschbrettbauch wurde, gerade wegen seiner Haft, ein Mann mit Waschzuberbauch. Dennoch übt er seine Waffentechnik, ist aufmerksam und ganz und gar nicht träge, wie es den Anschein hat. Daher wird er oft unterschätzt und nutzt diesen Vorteil zu seinem Gunsten aus.
Auf der Suche nach Arbeit trifft er auf einen bunt zusammengemischten Söldnertrupp. Da er ohne Geld ist, nimmt er einen Auftrag an, der ihn zwingt, eng mit den Söldnern zusammen zu arbeiten, obwohl er deren Lebensweise längst hinter sich gelassen hat. Luchs und die Söldnerbande begegnen einem Trupp Bewaffneter, der eine gefangene Magierin mit sich führt. Damit beginnt erst recht das Abenteuer. Denn in dieser Welt, wo es Menschen gibt, die auch unter der Erde leben, wie auch der ungenannte Schrecken der Welt. Die Magier hingegen, die sich sehr gut mit der Magie und der Welt arrangieren können, werden von den Kriegsherren gefangen genommen um als Kriegsmagier Sklavendienste zu leisten. Mit ihren Kräften sollen sie die Soldaten unterstützen und beschützen.

Tom Lloyds farbenfrohe und abwechslungsreiche Welt ist mit vielen furchteinflößenden Geschöpfen belebt. Mit Menschen, die dort ihr Auskommen suchen und solchen, die Macht, Geld und Gold anhäufen. Zudem bilden skrupellosen Orden einen interessanten Gegenpart. Die eigentlichen Charaktere sind sehr abwechslungsreich dargestellt. Es ist eine Welt, die von Magie lebt, deren Magier jedoch nicht gern gesehen werden. Ein guter Auftaktband, der sich mit der Geschichte und dem interessanten Protagonisten Luchs weiter entwickeln kann. 

Krimi / Thriller

Jenny-Mai Nuyen HEART WARE
Rowohlt Polaris (21.07.2017) 410 Seiten 14,99 €
ISBN: 978-3-499-26707-9 (TPB mit Klappbroschur)
www.rowohlt.de

Eine junge Frau hat den Prototyp einer künstlichen Intelligenz gestohlen. Um Geld zu erpressen? Oder vielleicht sogar einen Terroranschlag zu verüben? Eine atemlose Jagd beginnt. HEARTWARE ist ein spannender Thriller, in dem es um verloren gegangene Geliebte, sturköpfig Suchende und das Internet geht, das große, unfassbare Gespinst, in dem sich viele Menschen verstricken. Mit psychologischer Tiefe, rasantem Plot und einer wunderbaren Sprache geht die Autorin der Frage nach, was Menschsein im Zeitalter der Digitalisierung bedeutet.

Wir befinden uns sieben Tage vor der eigentlichen Handlung. Das Internet, das ultimative Überwachungsmonstrum, ist zusammengebrochen. Die Menschheit, vor allem die Jugendlichen, sind hilflos. Adam Eli, der Held der Erzählung, kann auf eine harte Vergangenheit zurückblicken, unter anderem auf einen Aufenthalt in einem bolivianischen Gefängnis. Wahrscheinlich durch einen Verrat durch seine Jugend-liebe Willenja, kurz Will. Seit geraumer Zeit verdient er seinen Lebensunterhalt dadurch, dass er sich nach dem Abbruch diverser Studiengänge als Ghostwriter über Waser hält. Er erhält eines Tages eine Mail, die für ihn sein jetziges Leben auf einmal verändert. Der Absender ist ihm unbekannt, aber was in der e-mail steht, elektrisiert ihn. Es geht um Will, die er seit nunmehr neun Jahren nicht mehr gesehen hat. Der ihm unbekannte Absender verlangt, dass er nach seiner Jugendliebe forscht. Er ist skeptisch und möchte erst einmal den Grund erfahren, warum sie gesucht wird. Adams Gespräch mit seinem mysteriösen Auftraggeber sorgt zumindest für eine kurze Zusammenfassung seines Lebens. Seine anschliessende Reise führt ihn nach Dubai. Hier gerät er zwischen die Fronten und mitten hinein in ein gefährliches Kräftemessen.
Abwechselnd wird aus Adams Perspektive berichtet, dann wieder gibt es Kapitel aus der Sicht von Mariel Marigny. Mariel wurde ihm zur Seite gestellt, bei der Suche nach Will zu helfen. Von der Obsession her Hackerin, steckt in ihr mehr als eine hübsche Reisebegleiterin. Mariel denkt pragmatisch, geht Risiken ein, ohne aber Leichtsinnig zu sein. Über sie erfährt man (soll man sagen zum Glück) wenig, (denn so bleibt sie geheimnisvoll, fast unnahbar), sondern erhält aus ihre Sicht einen Eindruck, wie Adam auf andere wirkt.
Adam und Mariel sind ein ungleiches Duo. Mit ihrer unterschwelligen Hass-Liebe, trauen sie sich gegenseitig gar nicht. Aus der Sicht von Adam erfährt man mehr über die gemeinsame Zeit mit Will.
Etwas undurchsichtig sind die mit „Y“ bezeichneten Kapitel, die nicht immer zusammenzugehören schein, neues Aspekte aufzeigen und dennoch etwas unklar bleiben.

Mit Jenny-Mai Nuyen hatte ich vor Jahren zu ihrem ersten Fantasybuch ein Interview. Auch danach traf ich sie noch einmal in Leipzig auf der Buchmesse. Sie hat sich sehr gewandelt. Weg von der Fantasy, hin zum Thriller. Leider hat der Wandel nicht ganz geklappt, denn stellenweise las sich das Buch gerade mal wie ein guter Kriminalroman. Von Thriller war da nichts. Leider, denn der Ansatz war gut, aber die Umsetzung haperte ein wenig. Mit den eingestreuten Kapiteln konnte die Autorin einiges erklären. Die digitalen Ungereimtheiten, die beteiligten Personen und die Folgen von deren Taten hätten aber besser erklärt werden sollen.
Mit ihren fantasievollen Geschichten und ihrem Schreibstil gelang es ihr mich fesseln. Der Start des Romans machte neugierig, doch konnte diese Neugier nicht lange anhalten. Die Protagonisten blieben mir immer fremd, ich konnte mich mit keinem identifizieren. 

Comic

CONTRO NATURA
Mirka Andolfo DAS ERWACHEN
Autorin, Zeichnerin, Farben: Mirka Andolfo
Übersetzung: Michael Georg Bregel
Panini Comic Verlag (07/2017) 100 Seiten 19,99 €
ISBN: 978-3-7416-0251-1 (gebunden)
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Die äuserst sexy anzusehende Schweinedame Leslie lebt in einer von Tieren bevölkerten Welt. Die Autorin und Zeichnerin Mirka Andolfo gibt den Tieren menschliche Eigenschaften, die bei Leslie äusserst üppig ausfallen. Damit erinnert sie nicht nur an die Fabeln eines Aesop oder Antoine Houdar de La Motte, sondern auch an die Comics von Bryan Talbot. Die Tiere gehen aufrecht wie Menschen und sind, unabhängig von ihrer Herkunft auch etwa alle gleich gross. So ist die Mäusedame Trisch, bei der Leslie einziehen durfte genauso gross wie Leslie und auch die anderen Tiere, Krokodile etc. entsprechen dieser Grösse mit nur wenigen Abweichungen. Damit ist diese Tierwelt der von Bryan Talbot sehr ähnlich. Die Welt hingegen ist eine ganz andere. Sie lehnt sich sehr stark an totalitäre Staaten an, wobei die Überwachung der Bevölkerung an Georg Orwells 1984 erinnert. Dabei ist George Orwell längst überholt, denn selbst in unserer Demokratie sind wir mit Kameras und Polizei als Überwachungsstaat weiter.
Die Staatliche Überwachung ist daher allgegenwärtig. Jedes Lebewesen, ich bin geneigt zu sagen: Mensch, wird überwacht. Und weil die Vermenschlichung der Tiere so gut beschrieben wird, sollte es nicht verwundern, wenn ich im Weiteren durchaus von Menschen sprechen sollte. Die Überwachung der Bevölkerung geht sogar so weit, dass das Paarungs-Verhalten der überwacht und strengstens kontrolliert wird. Die Bevölkerung lebt zwar friedlich miteinander, doch wird genauestens überprüft, wer wen liebt. Gleichgeschlechtliche Liebe ist genauso ungern gesehen und wird geahndet, wie Liebe unterschiedlicher Rassen. Das Gesetz erlaubt ausschließlich Beziehungen zwischen Individuen derselben Spezies. Wer sich nicht daran hält wird sofort ausgegrenzt. Das Gesetzt ist klar und die Anklage lautet: Wider die Natur! Hier beschreibt die Autorin gleichzeitig Rassenhass und Homoophobie. Diese findet sich auch immer wieder unterschwellig in den Bildern und im Text, bis hin zum Ausbruch von Gewalt. Der nächste Punkt der staatlichen Gewalt ist jedoch der schlimmste. Denn wer bis zu seinem 25. Geburtstag keinen Partner gefunden hat, für den organisiert der Staat ein Treffen mit einem passenden Partner. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Die jungen Leute, die nicht zu diesem Treffen gehen, haben mit Repressalien zu rechnen.
Zurück zu Leslie, die in einer WG mit Trisch wohnt und so mit dem Leben fast klar kommt. Sie hat Probleme mit dem Geld und schuldet Trish immer eine Monatsmiete. Dennoch, Trisch ist eine wirkliche Freundin und sieht dies nicht so eng. Im Gegenteil, sie ist immer da, wenn Leslie Trost benötigt. Etwa, wenn sie sich in ihrem sonst so angepassten Leben als Kellnerin nicht wohlfühlt. Oder wenn es um die furchtbaren Träume von Leslie geht. Nacht für Nacht hat sie erotische Träume mit einem mysteriösen weissen Wolf. Diese Träume beunruhigen sie. Bereits der Gedanke daran wirkt gefährlich, denn sie verstösst damit gegen das intolerante Gesetz nicht „Rassenreiner“ Umgangsformen. Die Ereignisse kommen jedoch ins Rollen, als ihr 25. Geburtstag naht. Leslie, immer noch ohne festen Partner, und ihren Freund den Ziegenbock darf man nicht zählen, muss zu einem staatlich verordneten Rendezvous. Dies geht in die Hose, weil sie gar nicht dort ankommt. Sie wird von einer unbekannten Gruppe entführt, das Rendezvous ist gespielt und letztlich gelingt es ihrem Traumwolf, sie zu retten ...

Dieser Comic von Mirka Andolfo ist nicht nur sozialkritisch und geht mit der Obrigkeit nicht gerade sanft um. Während der Beginn sehr erotisch anfängt, begonnen beim Traum bis zu ihrem Chef, der sie als Bedienung in ein viel zu enges und kurzes Kleid zwängt und dabei Avancen macht, wird die Geschichte langsam kriminalistisch. Entführung, Intrigen und ein offenes Ende sorgen sicherlich dafür, dass der Nachfolgeband, zu Recht, gekauft wird. Der Abschluss von Band eins macht wirklich sehr Neugierig. 

TEX WILLER
Claudio Nizzi DER MANN AUS ATLANTA
Titelbild und Zeichnungen: Jordi Bernet
Übersetzung: Monja Reichert
Panini Verlag (26.06.2017) 256 Seiten 34,99 €
ISBN: 978-3741602535 (gebunden)
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Die attraktive Tänzerin Lola Dixieland bittet Tex und seinen treuen Gefährten Kit um Hilfe. Ihr Verlobter Johnny Butler, ein ehemaliger Lieutenant der Südstaaten, der Tex Jahre zuvor das Leben gerettet hatte, steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Butler hatte vorgehabt, Colonel Shelby, einen brutalen Kriegsverbrecher aus den Nordstaaten, vor Gericht zu bringen. Doch Butler ist nicht der Einzige, der Interesse an dem hinterhältigen Schurken hat. Noch jemand anderes versucht, den Colonel in die Finger zu bekommen und dafür scheint ihm jedes Mittel recht… (Verlagstext)

Mit dem gebundenen Comic-Buch: TEX – DER MANN AUS ATLANTA, trifft Nostalgie auf Rezensent. Die Comics, damals war ich Westernfan der Bilder-geschichten, habe ich früher gern gelesen und hatte Ambitionen, ebenfalls ein Texasranger zu werden und für das Gute zu kämpfen. Die Gut und Böse-Masche war damals noch sehr einfach, wie auch die Zeichnungen. Die in der Regel fehlenden oder wenig ausgearbeiteten Hintergründe störten mich damals gar nicht und heute ist es Nostalgie.
Damals waren Tex Willer und Kit Carson Helden, die man gern begleitete, wenn auch nur in Gedanken. Wenn heute die Serie für Sammler und Westernfans in gut gemachten Büchern neu herausgegeben wird, kann man gleichzeitig ein Stück Zeitgeist der damaligen Zeit einfangen. Die Qualität des Buches ist sehr hoch, besser als die damaligen Hefte, die in schwarz weiss erschienen.
Tex Willer ist kein Ranger der schnellen Colts und ebenso schnellen Schüsse. Wie auch Old Shatterhand von Karl May bevorzugt er eine klare Rechte, die geballte Faust und schon ist der Gegner ausgeschaltet. Wer sich ein wenig auskennt, weiss, die Geschichte ist immer wieder mit überraschenden Wendungen versehen. Tex ist ein Mensch, mit Stärken und Schwächen und so passiert es auch öfters, dass er gefangen genommen, niedergeschlagen oder verletzt wird. Die Erzählung macht aus ihm keinen Superhelden. Das trifft die Wirklichkeit besser und als Leser bin ich auch heute noch bereit, mich mit ihm zu identifizieren. Die Serie lief seit 1948 in Italien hauptsächlich in schwarz weiss. Aber es gab auch farbige grossformatige Hefte. Hier erkennt man das Markenzeichen von Tex. Ein knallgelbes Hemd. Ähnliches fand sich später bei der Serie BESSY, wo der Held immer ein rotes Hemd trug. Die Helden der Jugend wurden somit schnell am Kiosk erkannt.

Die Geschichte DER MANN AUS ATLANTA erinnert ein wenig an DER LETZTE REBELL. Beide vom vielbeschäftigten italienischen Autor Claudio Nizzi gezeichnet. Die Erzählung stellt eine Bande ehemaliger Südstaatler, die nach dem Sezessionskrieg brutale Verbrechen im großen Stil begehen, in den Mittelpunkt. Im vorliegenden Band sind es jedoch ebenso brutale Verbrecher aus den Reihen der Nordstaatler. Zu Beginn wird erzählt, wie Tex während des Krieges von einem Südstaatler, dem Lieutenant Johnny Butler aus dem Sumpf gerettet wird. Jahre später soll Tex ihn aus dem Gefängnis befreien. Warum, das erzählt ihm die Verlobte Lola, die auch das ominöse Telegramm an Tex und Kit gesendet hatte. Erst einmal geht es um den Verbrecher Colonel Shelby der von dessen Bande befreit werden soll. Gemeinsam hatten sie nach dem amerikanischen Bürgerkrieg Überfälle durchgeführt und Schätze angehäuft. Und leider weiss nur er, wo der Schatz vergraben ist. Aber es mischt noch ein ehemaliger Pinkertonagent mit und selbst die Verlobte Lola Dixieland sorgt zum Schluss für eine Überraschung.

Mit diesem 256-seitigen Western-Abenteuer hat Panini eine weitere gute Wahl für sein Album-Programm getroffen. Wer mehr über Tex erfahren möchte, dessen vierter Band nun vorliegt, sollte zusätzlich den ersten Band der Reihe in die Hand nehmen. Das schön aufgemachte grossformatige Comicbuch wird durch ein kenntnisreiches Vorwort von Tito Faraci eingeführt inklusive einem Interview mit dem Comiczeichner. 

Sekundärliteratur

Blätter für Volksliteratur 03/2017 56. Jahrgang
Verein der Freunde der Volksliteratur 24 Seiten Mitgliedsbeitrag

Wie die Zeit vergeht. Wieder sind drei Monate rum und ein neues Magazin der Freunde der Volksliteratur liegt vor mit. Das Magazin bietet viel Abwechslung und beginnt mit einem alten Meister der Literatur, den heute oft unbeachteten Friedrich Gerstäcker. Seine Bücher findet man heute nur noch im Antiquariat. Hier verdanken wir Peter Soukup, dass der Autor wieder ans Tageslicht gebracht wird. Mit einem sieben Seiten langen Artikel kann man viele erfahren, was man bis dato nicht wusste. So erfuhr ich hier, dass sich Karl May ihn als Vorbild nahm.
Peter Friedl hingegen beschäftigt sich mit Bruno Fischer – Meister des Noir. Ein Autor, dessen Bücher ich nie gelesen habe, auch wenn ich eine zeitlang Krimifan war. Persönlich würden mich die Horror-Kurzgeschichten interessieren, die er geschrieben hat.
Gustav Feichtinger widmet sich Bob Barring. Eine Serie, die fast in jedem zweiten Magazin besprochen wird. Ich wusste nicht, dass man so viel darüber schreiben kann. Und dennoch findet man immer wieder ein paar Einzelheiten, die neu (für mich) sind.
Gerd Frank greift dann die Bücher von Robert van Gulik auf. Das ist wieder ein Name, der mir sehr geläufig ist, denn seine Richter Di-Romane fand ich allesamt gut. Ich habe sie gelesen, wenn auch nicht alle, aber die, die ich las waren besser als hundert Jerry Cotton. Viel war mir über den Autor jedoch nicht bekannt, umso mehr begrüsste ich diesen Artikel.
Ganz zum Schluss findet sich eine Seite, eher für den Sammler interessant. Siegfried Schmidt berichtet über Heft, von denen ich nie gehört hatte und über Doubletten. Hans Stosch-Sarrasani nennt sich die Abenteuerreihe.
Alles in Allem wieder ein Lesenswertes Werk.


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